Künstlerfilm

Entlang einer Linie : Halle, ein Querschnitt

Künstlerfilm, Dauer 55 Minuten, Länge 8,4 km, 2004, Von Anne-Katrin Altwein und Rüdiger Krenn

Donnerstag, 08.07.2004, 22:30 Uhr, ACC, open air (bei Regen ACC Café-Restaurant)
Eintritt: frei!

Kontaktadresse: krennruediger@web.de, rauch@acc-weimar.de

Der Film 'Entlang einer Linie : Halle, ein Querschnitt' zeigt die Stadt im heutigen Zustand um 2004. entlang-02 picture entlang-03 picture

entlang-00 picture Eine künstliche Linie wurde über den Stadtplan von West nach Ost gelegt. Der Weg beginnt in Nietleben, führt durch Neustadt über die Saale- Aue, den Markt, das Bahn- Areal, durch Kleingärten und endet nach den östlichen Industrieansiedlungen. Diese Linie wird mit einer Videocamera abgelaufen. Stößt man auf ein Gebäude, wird in dem Gebäude " entlang der Linie " weitergefilmt. Es ist eine phänomenologische Reise quer durch Halle, sie zeigt das Nebeneinander von Wohnzimmern, Straßen und Wiesen, von Müllcontainern und Baustellen, von Auen, Flüssen, Werkstätten, Geschäften und Industrieanlagen… Und sie zeigt die Menschen, die unser Vorhaben mit Einfallsreichtum unterstützten. entlang-01 picture

Der Inhalt einer Stadt wird aufgereiht vorgeführt, der Film ist ein visualisierter Schnitt der Stadt Halle.

"Früher" wurden Achsen gelegt, an denen repräsentative Gebäude errichtet wurden. "Entlang einer Linie" legt die Achse danach und erhält einen repräsentativen Schnitt.

Konsequenter Schnitt zeigt die ständige Kollision mit der Wand, das Außen und Innen von Räumen, das immer wiederkehrende Gleiche und die Unterschiede. Wurde im alten Athen der öffentliche Raum noch genutzt zur Kommunikation, wurde auf dem Platz noch diskutiert und gefeilscht, so wird heute der öffentliche Raum hauptsächlich als Ort des Durchganges benutzt. Dieser Gedanke wird ausgebreitet und auf alle Bereiche der Stadt übertragen. Das Ergebnis wird hinterher wieder über das Fernsehen in die Wohnzimmer transportiert. Die Stadt bekommt einen ihr ganz eigen seienden Rhythmus, Charakteristisches der unterschiedlichsten Orte von Halle werden sichtbar und vergleichbar: In Neustadt sind beispielsweise die Wohnungen komprimierter, verdichteter, sind die Decken niedriger, dafür die Außenbereiche weitläufiger als in der Altstadt…

Das Projekt "Entlang einer Linie - Halle - ein Querschnitt" ist für den Ideenwettbewerb "Schrumpfende Städte" entstanden.

Eine künstliche Linie wird über den Stadtplan von Halle gezogen: von Nietleben durch Neustadt, über die Saaleaue, den Markt, das Bahnareal, über Schrebergärten bis fast nach Reideburg. Diese Linie wird mit der Videocamera abgelaufen. Ist ein Haus im Weg, wird bis zur Wand gefilmt, dann geht es drinnen weiter von der einen zur anderen Wand.

Es ist eine phänomenologische Reise quer durch Halle, sie zeigt das Nebeneinander von Wohnzimmern, Strassen und Wiesen, von Müllcontainern und Baustellen, von Auen, Flüssen, Werkstätten, Geschäften und Industrie. Die Stadt wird von West nach Ost durchgeröntgt, ihr gesamter Inhalt wird - wie an einer Perlenschnur aufgereiht - vorgeführt. Die Menschen werden miteinbezogen in den Querschnitt. Ein Mann steht an der Waschanlage, eine Frau öffnet uns die Türe, Kinder positionieren sich zu einer Gruppe. Die Menschen spielen sich selbst.

Der Film ist ein visualisierter Schnitt von Halle. Die Filmschneidetechnik ermöglicht dem Betrachter das konsequente Durchschreiten der Stadt. Sie provoziert eine ständige Kollision mit der Wand und die immer wiederkehrende Frage "Was ist dahinter?" Zum Kollisionspunkt mit jeder Wand ist ein ihr eigenes akustisches Signal zu hören. Bild und Ton verleihen der Stadt einen ihr ganz eigen seienden Rhythmus. Die Stadt Neustadt ist der verwirklichte Traum der Moderne: Licht, Luft, Grün, sanitäre Anlagen und Gleichheit sind alles erstrebenswerte Faktoren. Dies ist jedoch in so einer ökonomisch automatisierten Art und Weise umgesetzt worden, dass viele Neustädter wegziehen. Die Decken sind zu niedrig, die Wohnungen zu klein und alle gleich. Die Altstadt ist prachtvoll und belebt.

Es gibt viele kleine Geschäfte, Wohnungen, Cafés und kulturelle Einrichtungen. Der Osten war für uns der interessanteste Teil der Stadt. Er ist durchmischt mit Wohnungen, Schrebergärten, Industrie, Geschäften und kulturellen Einrichtungen. Dazwischen gibt es immer wieder Brachland und zerfallene Anlagen. Der Osten ist urban und ländlich zugleich, ist konzentriert und weitläufig, geordnet und vielfältig, reif und jugendlich. Der Osten ist auch der Teil, indem sich die meisten Menschen in Szene setzten.

Urbanes Leben: In der Antike befindet sich im Stadtzentrum ein Platz. Dort wird gehandelt und gefeilscht, die Belange der Bürger werden diskutiert, es wird gefeiert. Es gibt Erzähler und Zuhörer. Richtig oder falsch, gut oder schlecht wird direkt vor Ort abgewogen. Man begegnet sich oft durch Zufall. Der öffentliche Raum spielt eine wichtige Rolle für die Kommunikation und den Zusammenhalt der Gesellschaft. Heute wird der öffentliche Raum hauptsächlich als Durchgangsort genutzt. Frau B fährt mit dem Auto zur Arbeit. Dort sitzt sie 8 Stunden vor einem Monitor. Danach fährt sie in den Supermarkt, wo sie von der Butter bis zum Wandschrank alles kaufen kann. Zuletzt fährt Frau B wieder nach Hause, sie sitzt auf ihrem Balkon und schaut den vorbeifahrenden Autos zu. Die Nachrichten kommen aus dem Fernsehen von einer schönen Sprecherin, die physisch nicht präsent ist. Die Nachrichten sind sensationell und haben mit Frau B überhaupt nichts zu tun. Es ist unmöglich, kurz mal eine Zwischenfrage zu stellen, es entsteht keine Diskussion. Das urbane Leben spielt sich großenteils vor Mattscheiben ab. Gefördert werden Sprachlosigkeit und Ohnmacht. Der Film "Entlang einer Linie - Halle - ein Querschnitt" ist ein Film über Halle und soll auch dort gezeigt und diskutiert werden. Er vereint Menschen aus allen Bevölkerungsschichten. Er thematisiert die Stadt, das Private und das Öffentliche.