Zum Herderjahr 2003: Vortrag und Gespräch

Karl May, Billy Jenkins und Herder - Gedanken zum Mythos (Michael Zaremba)

Michael Zaremba, Berlin (Autor von u.a. 'Billy Jenkins - Mensch und Legende', 'Johann Gottfried Herder', Prediger der Humanität. Eine Biografie) berichtet von drei weltbekannten Männern, deren Leben bis heute von Legenden umwoben ist.

Mittwoch,09.04.2003, 20:00 Uhr, ACC
Eintritt frei!

"Jede Gesellschaft, jede Zeitepoche schafft sich ihren Mythos, die Menschen aller Zeiten haben mit Hilfe von Mythen versucht, einen Sinn in ihr Leben zu bringen. Sie brauchten die Hoffnung, dass das Gute letztlich das Böse besiegt, dass es Helden gibt, die über Schufte und Schurken triumphieren. Mit dem Mythos, den Karl May mit der Old-Shatterhand-Legende aufgebaut hatte, kam Zaremba, wie wohl Millionen deutscher Jungen, durch die Bücher, später die Filme und sicher auch über die verschiedenen Festspiele in Berührung. Den Mythos des Billy Jenkins lernte er zunächst mehr zufällig kennen, als in seinem Heimatort Konradshöhe bei Berlin-Zehlendorf anlässlich des 125-jährigen Bestehens dieses Ortes das Bild eines ehemaligen Bürgers der Gemeinde in glitzerndem Wild-West-Kostüm ins Auge fiel und sich viele Einwohner noch an diesen Billy Jenkins mehr oder weniger positiv erinnerten. Von da an begann Zarembas Forschung über den 'Mythos Billy Jenkins' und über das wirkliche Leben des Kunstreiters, Kunstschützen, Greifvogeldompteurs und Gastwirts Rosenthal alias Fischer alias Jenkins, wobei sein Anliegen war, 'eine Legende zu besichtigen, nicht zu zerstören' (Michael Zaremba ist ehrenamtlicher Verwalter der Billy-Jenkins-Sammlung in Konradshöhe). Denn ebenso, wie die Shatterhand-Legende Mays nicht stimmte und nicht zu halten war, stimmte auch die Jenkins-Legende, wie sie in 254 Abenteuer-Heften und 56 Büchern dargestellt wurde, nicht mit der Wirklichkeit überein.

Das 'dritte Standbein' der wissenschaftlichen Interessen Michael Zarembas, der Theologe und Philosoph Johann Gottfried Herder, war auch Bestandteil einer Legende, die 'Weimarer Klassik' genannt wird. Herder, über dessen Nations- und Staatsverständnis Zaremba 1985 promovierte, bildete mit dem Zweigestirn Goethe/Schiller ein 'Vorbild-Team', an dem sich nun nicht gerade die Klientel von Old Shatterhand und Billy Jenkins, wohl aber die etwas älteren Deutschen besonders in Zeiten nationalen Niedergangs aufrichteten. Dabei stand Herder, der, wie Zaremba meint, eher der 'Linksaußen der Weimarer Klassik' war, mit Goethe, Schiller und dem Herzog auf Kriegsfuß. Er war bereit, Philosophie mit Politik zu verbinden und sah den Zweck der menschlichen Natur in der Verwirklichung der Menschlichkeit." (Hans Buchwitz, "Unsere Welt braucht Mythen!", Freundeskreis Karl May Leipzig e.V.)

Michael Zaremba: Jahrgang 1955, geborener Berliner, studierte Germanistik und Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin bis zur Promotion 1985. Der Reinickendorfer betreibt neben der Arbeit als selbständiger Kaufmann begeistert heimatkundliche Forschung und hat bereits zahlreiche Beiträge zu regionalen und literaturwissenschaftlichen Themen veröffentlicht.

"Johann Gottfried Herder, geboren 1744 im ostpreußischen Mohrungen und gestorben 1803 in Weimar, gehört zu den bedeutendsten Vertretern der Weimarer Klassik. Vor allem durch sein Hauptwerk 'Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit, seine 'Volkslieder'-Sammlung sowie die 'Briefe zur Beförderung der Humanität' gebührt ihm ein Ehrenplatz in der deutschen Literatur- und Geistesgeschichte. Mit Blick auf den 200. Todestag Herders im kommenden Jahr legt Michael Zaremba eine moderne Biografie vor, die erstmals auf die Gesamtausgabe von Herders Briefen zurückgreifen kann. Anschaulich verfolgt der Autor die entscheidenden Stationen auf Herders Lebensweg: sein Studium in Königsberg, seine Reise-und Lehrjahre u.a. in Riga, Darmstadt, Straßburg und Bückeburg sowie sein fast dreißigjähriges Wirken in Weimar. Das Buch würdigt die Verdienste, die sich Herder als Philosoph und praktischer Reformer, als aufgeklärter Patriot und protestantischer Prediger erworben hat. Es zeigt aber auch den Ehegatten und Privatmann, den Menschen mit einer schwachen körperlichen Konstitution und einem knorrigen Naturell." (Quellen: http://www.boehlau.de, 'Johann Gottfried Herder. Prediger der Humanität. Eine Biografie'. Böhlau Verlag Köln Weimar, 2002, VI, 270, 20 schw.-w. Abb. in Taf.-Tl., 21 x 13, 5, Gb, ISDN: 3-412-03402-9).