Präsentation

K&K. Kiosk aktuell

Kunst im öffentlichen Raum

Katharina Hohmann, Bildende Künstlerin und Katharina Tietze, Bekleidungsdesignerin (beide Weimar) stellen ihr Projekt K&K vor: Seit Februar 2002 ist der ehemalige Zeitungskiosk am Sophienstiftsplatz in Weimar Kernstück und Austragungsort ihrer jeweiligen Sichtweisen auf den Zusammenhang von Kunst und Mode. Die Künstlerin Bettina Allamoda (Berlin) spricht anließend über ihre Ausstellung "Institut du monde arabe - showroom", die am Freitag, den 11.4., 18 Uhr, im K&K eröffnet wird.

Donnerstag,10.04.2003, 20:00 Uhr, ACC
Eintritt frei!

"Im Februar 2002 haben Katharina Hohmann, Bildende Künstlerin, und Katharina Tietze, Bekleidungsdesignerin, begonnen, den Zusammenhang von Kunst und Mode aus ihrer gemeinsamen und je unterschiedlichen Perspektive zu untersuchen. Kernstück und Austragungsort ihrer Sichtweisen ist ein Zeitungskiosk in Weimar, der mit der Ausstellung 'Institut du monde arabe - showroom' der Berliner Künstlerin Bettina Allamoda (Eröffnung: Freitag, 11.4., 18 Uhr) die mittlerweile zwanzigste Ausstellung beherbergt. Am Sophienstiftsplatz, unter einer hoch gewachsenen Platane gelegen, flankiert vom DNT, neben drei stadtbepflanzten Betonblumenbecken, einem französisch klingenden Frisör nebenan und einem Blumenladen gegenüber, steht er auf seinem idealen Platz mitten im belebten Zentrum. Sein Standort und die damit verbundene Sichtbarkeit und Funktion als Kommunikationsplattform ist konzeptuell Teil des Projektes: Kunst -und Theorieproduktion zu ausgewählten Themen zu zeigen und damit Neubewertung, Transformation und Diskussion herzustellen, im Zentrum öffentlicher Kommunikation. Die Beschäftigung mit dem Grenzbereich zwischen Kunst und Mode in dreiwöchig wechselnden Ausstellungen, sei es aus eigener künstlerischer aber auch dokumentierender Sicht, mit eigenen Interpretationen ist für uns auch Selektion, die durch die Konzepte eingeladener Gäste erweitert wird. Uns interessieren im Spannungsfeld von Stadt, Kiosk und Kunst besonders Sammlungen von kleidungsnahen Gegenständen mit Alltagsbezug, Modetheorien und mediale Transportmechanismen von Mode (Modezeitschriften zwischen Hochkultur und Subkulturen), Glamour und der Ausblick auf Modeorte jenseits von Weimar, Oberflächen und Hüllen und nicht zuletzt der Kiosk selbst, als Phänomen innerstädtischen Mobiliars mit eigener Körperlichkeit. Die Breite und gleichzeitig die Aktualität unseres bearbeiteten Themenkomplexes macht den Reiz und die Spannung des Projektes aus. Am Anfang stand eine Sammlung von Taschentüchern gefolgt von einer Sammlung fotografierter Label, jenen Schildchen, die den Wert eines Kleidungsstückes bestimmen, aber im Kragen verborgen sind. Unsichtbares wird sichtbar, auch ein Modephänomen. Einen spielerischen Blick auf Alltagskultur, Mode und bedingungsloses Trend-setting zeigte die Sammlung von weltweit erworbenen Jeansdingen: vom zweibeinigen Jeans-Feuerzeug, über Teller, Knöpfe, Schallplatte und Buchcover, waren über 90 Gegenstände ausgestellt. Die Beschäftigung mit Modezeitschriften liegt nahe in einem Zeitungskiosk, auch weil viele Schnittmengen Kunst/ Mode mit Zeitschriften, Kunst- und Modefotografie zu tun haben. Eine Sammlung der 'Sibylle' von der ersten Ausgabe 1954 bis zu ihrer Einstellung 1995 belebte den Kiosk auf muse- ale Art neu. Als Kontrapunkt dazu war die Berliner thematische Buchhandlung 'pro qm' zu Gast bei K&K. Eine Woche lang wurden hochaktuelle und seltene, teils subversive, intenationale Modemagazine verkauft. Das 'Journal des Luxus und der Moden', eine von Bertuch in Weimar herausgegebene Zeitschrift des 18. Jahrhunderts, finanziert durch den weltweiten Export der Weimarer Kunstblumenproduktion, zeigte historische und jetzige Blicke auf Blumenproduktion und das Wesen der fast ersten Modezeitschrift Deutschlands. Der Kiosk selbst fordert dazu heraus, ihn zu verhüllen, den architektonischen Körper mit dem menschlichen gewissermaßen gleichzusetzen. Die als Hinterglasmalerei auf die Fenster aufgebrachten Frühjahrsfarben 2002 verschlossen den Kiosk hermetisch zum Farbkörper in der Stadt. Drei große Maßbänder rings um die Taille des Kiosk transformierten ihn visionär zu einem menschlichen Körper vor der Bestandsaufnahme. Mit Altkleiderstreifen sorgfältig eingewebt, entstand ein skulpturaler Kokon im Juli 2002 und große Plotterausdrucke von Camouflagemustern tarnten ihn nach einem Brandanschlag. Mit der letzten Ausstellung 'Gina' schuf der Künstler Stefan Dornbusch eine skulpturale zweite Hülle um den Kiosk, eine Meta-Architektur, zwischen Mahagonimöbel und citytrash. Das Archiv finden Sie unter http://www.kkkiosk.de." (Katharina Hohmann)