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Wiedereröffnung des Straßenbahndepots

Das Straßenbahndepot auf dem Gelände des ehemaligen E-Werks Weimar wird am 2.11. und 3.11.2001 mit 2 Theatervorstellungen und der Clubveranstaltung des e-werk weimar e.V. wiedereröffnet.

Den Einstieg gibt, wie zur Erstbesetzung mit dem Finale der 2. Theatertage des ACC 1995, das statt-Theater Fassungslos Dresden. Seit 1995 ist das E-Werk fester Bestandteil innerhalb der Projekte des ACC und arbeitsintensive Verpflichtung. Stenogramm: 20. August 2001 Beginn der Instandsetzung. Bauherr: Stadtwerke Weimar Stadtversorgungs GmbH. Beauftragte Architekten: AFF architekten, Weimar. 31. Oktober 2001 Bauabschluss.

Die 100jährige Geschichte des Straßenbahndepots ist eng verbunden mit der Erbauung und Betreibung des ehemaligen E-Werks Weimar. Es diente nach Einstellung des Fahrbetriebs der Straßenbahn ab 1935 als Busdepot und Reparaturwerkstatt sowie als Betriebswerkstatt des E-Werks. Trotz vieler An- und Umbauten hat sich sein Charakter in einigen noch vorhandenen Details erhalten. Die Umbauten veränderten den ehemaligen Grundriss wesentlich: zusätzlich zu den beiden Hallen für die Busse enstanden mehrere Büros, eine Kantine, Werkstätten, ein Waschraum und Lagerräume. Im Depot, mehr noch als im großen Bruder Maschinensaal, gab es seit der Erstnutzung 1995 viele Veranstaltungen, Ausstellungen, Partys und Theatervorstellungen (ACC, BUW, HfM u. a.). Im August 2001 folgte in Konsequenz der Start des Instandbaus des Depots. In städtebaulicher Hinsicht ist eine Erweiterung und Entwicklung des gesamten Ortes ebenso konsequent mitgedacht. Die Architekten des AFF Architekturbüros Weimar realisierten den Wunsch der Nutzer und des Eigentümers, die Atmosphäre des alten Industriebaus zu erhalten, trotzdem aber Räume für die unterschiedlichsten Unternehmungen zu schaffen: durch Entkernung entstand wieder das ursprüngliche große Depot als Kernstück des Gebäudes, das jetzt von zwei übereinandergestellten und miteinander verschweißten Überseecontainern in zwei Hälften geteilt wird, die Technik und Theke aufnehmen. Die Containeridee wird praktikabel innerhalb des Gebäudes Schritt für Schritt ausgebaut und ist Synonym für Flexibilität, Aufbruch, Wagemut und Aufgeschlossenheit, Transport von Ideen und Austausch von Gütern. Mit im Boot sind Vereine, auf die die oben genannten Merkmale zutreffen. Die damit verbundenen Charaktereigenschaften plus eine gewisse Festigkeit in Stürmen und bei Meisterung vorher nicht bekannter Untiefen werden gebraucht. Die Mitfahrgelegenheit ist Auszeichnung und Härtetest. Sehnsucht nach fernen Ufern darf auf keinen Fall in der Aufzählung fehlen. Jetzt werden Segel gesetzt und das Deck gewienert. Reise Reise!!! Zum Stapellauf wünschen wir uns immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel und einen warmen Regen, der notwendige Hilfsgüter anschwemmt.

Stellvertretend für alle Mittäter geht das erste Dankeschön an das Thüringer Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, dessen entscheidungsfähige kompetente Mitarbeiter die Initialzündung des Unternehmens E-Werk Weimar gaben. Festigender Folgeschritt war deren Entscheidung, den Vorstoß des ACC wirksam zu unterstützen. Wichtige Voraussetzungen für die weitere, offizielle Nutzung konnten so realisiert werden. Als entscheidende Förderer stehen ebenfalls zuerst die Eigentümer der 100jährigen Immobilie, die Stadtwerke Weimar Stadtversorgungs GmbH. Das Unternehmen ist an dem Erhalt des Kulturstandortes e-werk interessiert und unterstützt das Projekt von Anfang an beispielgebend und konsequent. Nennen will ich das Theaterhaus Jena, das uns gleich am Anfang seine legendäre schwarze Zuschauertribüne mit den Bänken, die in den Gründerjahren des Hauses deren Besucherströme trugen, schenkte. Als gutes Omen verstanden war das Geschenk doppelt nützlich. Den Staffelstab nahmen auch Kunstfest und Kulturstadt GmbH auf und konsolidierten mit künstlerischem und finanziellem Einsatz den Ruf und die Funktionsfähigkeit der Hallen. Das Straßenbahndepot bietet die Gewähr, das weitere dringende Investitionen nicht auf Sand gesetzt sind. Es stellt dem interdisziplinären Betrieb von Theater, Galerie, Film, Tagungen, Präsentationen sowie Werkstätten und Gastronomie weitaus attraktivere Voraussetzungen als bisher zur Verfügung. Das Profil des Hauses prägen die Vereinsmitglieder des e-werk weimar e.V. und die potentiellen Partner. Deren Aktivitäten stehen gleichberechtigt für einen regelmäßigen Spielplan. Anbindungen an die Nachbargrundstücke sind in Entwicklung, ebenso das Projekt eines Skulpturenparks, mit dem der Kunst im öffentlichen Raum Ausstellungsfläche geboten wird. Die Installation der Künstlerin Rebecca Horn "Die Maulwurfsarbeit der Zeit" (Projekt der Weimar 1999 - Kulturstadt Europas GmbH) im Zentrum des Straßenbahndepots soll in Absprache mit dem derzeitigen Träger, der Stiftung Weimarer Klassik, als fester Bestandteil des Projektes Straßenbahndepot erhalten bleiben. (Barbara Rauch)

Eröffnungsprogramm:

  • Donnerstag, 01.11.2001, 11 Uhr, offizielle Eröffnung, Gelegenheit zum Rundgang und zur Information.
  • Freitag, 02.11.2001, 20 Uhr, statt-Theater Fassungslos, Dresden. ... mehr
  • Freitag, 02.11.2001, ab 21.30 Uhr, öffentliche Clubveranstaltung des e-werk weimar e.V. ...mehr
  • Sonnabend, 03.11.2001, 19 Uhr, Theater Spielbrett Dresden. ...mehr

Das statt-Theater FASSUNGSLOS verhalf dem technischen Denkmal zum kulturellen Durchbruch. Im Anschluss war die Theaterformation, schon in der ehemaligen DDR eine der bekanntesten freien Bühnen, regelmäßig Gast zu den Theatertagen des ACC im Weimarer E-Werk. Selbstverständlich, dass sie zur Premiere des neuen Straßenbahndepots die Taufpaten sind.