Enrica Borghi, Novara/Italien: Recycling nach Hausfrauenart

Das Maß der Dinge neu auszulegen, ist - kurzgefasst - die Aufgabe der Stipendiaten des 7. Europäischen Atelierprogramms der ACC Galerie und der Stadt Weimar 2001. Enrica Borghi, die zweite Künstlerin, die in diesem Jahr für 4 Monate im Städtischen Atelierhaus lebt und arbeitet, kommt aus Novara in Italien. Sie studierte an der Kunstakademie Brera in Mailand. Vielleicht lässt sich ihr ironischer Blick auf die Glitzerwelt der Mode aus den Erfahrungen der Mailänder Jahre erklären. Fakt ist, dass die Mailänder Enrica Borghis Arbeiten mit Skepsis beäugen. Die Brautkleider und Schmuckstücke, die Modekollektionen und kulinarischen Spitzenkreationen von Enrica Borghi werden eher in Turin, Trieste oder Bologna gefeiert. Im Museo d'Arte Contemporanea di Rivoli stellte sie ein gigantisches Hochzeitskleid aus leeren Plastikflaschen aus, ihre Seerosen aus Plastik schwammen in Trieste, in der Galleria d'Arte Moderna e Contemporanea di Bologna legte sie eine hochtechnisches Mandala. In Weimar arbeitet sie mit dem ortsspezifischen Plastikmüll, den sie an Stellen entdeckt, wo man ihn wahrhaftig nicht vermutet. Wissen Sie, wieviel Kunststoff man braucht, um einen doch so gesunden Quark oder eine Portion Yoghurt zu verpacken? Von den Öko-Kartoffeln in Plastiksäcken wollen wir gar nicht erst reden.

Dienstag, 14. 8. 2001, 20 Uhr, ACC. Eintritt frei!