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Herzblut - Schriftbild

Bis ein Satz sitzt, ist es ein weiter Weg Yelda (Türkei), die 1. Stipendiatin des 6. Europäischen Atelierprogramms (Titel: Herzblut - Schriftbild) des ACC und der Stadt Weimar, lädt zum Künstlergespräch mit Dias über ihre Weimarer Arbeiten in die ACC Galerie ein.

Der hundertste Todestag Friedrich Nietzsches wirft seine Schatten voraus: Das schlechte Bildungsgewissen der Weimarer Intellektuellen pocht immer lauter. "Wir müssen was zu Nietzsche machen!". Auch die ACC Galerie und die Stadt Weimar haben sich dem allgemeinen Leistungsdruck unterworfen - auf geschickte Art und Weise allerdings: Sie geben ihre Fragen an die Stipendiaten des 6. Europäischen Atelierprogramms weiter. Yelda ist die erste Künstlerin im Jahr 2000, der der Nietzsche Ball zugeworfen wird: Wird sie sich wegducken oder ihn auffangen? Nietzsche hat in Weimar nichts geschrieben - dennoch ist die Stadt durch das Nietzsche-Archiv und die Handschriftensammlung zum Nietzsche-Mekka anvanciert. Das Handschriftenmaterial war der Angelpunkt für die Ausschreibung des diesjährigen Atelierprogramms: In einer Zeit zunehmender Technisierung nimmt nicht nur die Bedeutung der Handschrift immer mehr ab. Bleiben dem Einzelnen in der Ära der Digitalisierung noch Möglichkeiten für einen persönlichen Ausdruck? Überhaupt, Persönlichkeit, was ist denn das? Ein wenig belustigt betrachtet Yelda, in deren Heimatland, der Türkei, es keine Nietzsche-Übersetzungen gibt, dass der '99er Goethetrubel nun einem geschäftigen Kreisen um die relativ wenig bekannte Person Nietzsches gewichen ist. Das Phänomen gleicht ein bißchen den schwarzen Sonnenlöchern: Sie ziehen alle Aufmerksamkeit auf sich, gerade weil man nichts über sie zu sagen vermag. Yelda versucht deshalb die Weimarer aus der Reserve zu locken: Nach und nach spickt sie die Stadt mit kleinen versteckten Fragen, hinterläßt allenthalben ihre Spuren und wartet geduldig auf Antwort. Geduldig? Noch! "Bis ein Satz sitzt, ist es ein weiter Weg", hatte die 28jährige am Ende ihres Bewerbungsschreibens festgestellt. Donnerstag, 27.4.2000, 21 Uhr, ACC Galerie. Eintritt frei!