acc-wieland-paket:
Vortrag: 'Wieland und Sophie La Roche oder:
ein folgenreicher Roman'

Dr. Anne Fleig, Literaturwissenschaftlerin, Jena/Hamburg

Sophie La Roche, geb. Gutermann, (1730-1807), war Jugendgeliebte und Verlobte Wielands, gefeierte Schönheit, historisch gebildete und politisch bewusste Frau, die erste erfolgreiche deutsche Schriftstellerin, die einen bürgerlichen Roman schrieb und die erste Frau, die eine überregional verbreitete Zeitschrift (für "Teutschlands Töchter") gründete und 35 Jahre lang Romane, Reisebeschreibungen und pädagogische Schriften für ein vorwiegend weibliches Publikum herausgab. Sie hatte fünf Kinder und war die "Mama" Goethes in der Zeit seiner Liebe zu ihrer Tochter Maximiliane, war die Großmutter der romantischen Dichter Clemens und Bettina Brentano, glänzende Gastgeberin literarischer Gesellschaften, Rokoko-Dame und eine "edle Frau". 1750 lernte sie bei einem Aufenthalt in Biberach den 17jährigen Christoph Martin Wieland kennen. Der Verlobungsspaziergang der "belle Cousine" mit dem zwei Jahre jüngeren Vetter Wieland ist in die deutsche Literaturgeschichte eingegangen. C.M.W. bekräftigte später: "Nichts ist wol gewisser, als daß ich, wofern uns das Schicksal nicht im Jahre 1750 zusammengebracht hätte, kein Dichter geworden wäre." Sophie Gutermann hielt sich einige Zeit im Elternhaus des Verlobten auf. Ihr Wunsch nach Selbständigkeit und das Bedürfnis, sich Klarheit über ihre Zukunft an der Seite Wielands zu verschaffen, führten dann bald zu andauernden Spannungen mit den Schwiegereltern. Die Mutter Wielands beklagt sich in einem Brief über die "arglistige Coquette", "die liederliche Dirn" und das "gottlose Mädle": "...vergangene wochen war sie immer in Warthaußen, und hat sich unter anderem auch mit verkleiden lustiert, dieße wochen wird sie mit der Jungen Herschaft Comödien spielen, sie taugt auff alle Sätel, das ist wahr, kein so durchtrieben Mädle wird man nicht finden, die sich weißt in allen gattungen leuth zu schicken, und sich ihnen gefällig zu machen, ...ich wolte, ich häte sie mein lebtag nie gesehen, ...wan mein Sohn das Mensch zu seiner Frau bekommt, so ist er sein lebtag ein armer Mann und Märtherer..." (Biberach, 10. Oktober 1753) Zwei Monate später löst Sophie ihre Verlobung mit Wieland und heiratet am 27.12.1753 Georg Michael Frank von La Roche. Zeitlebens blieben Wieland und La Roche in "herzlicher, edler Freundschaft" (Wieland) eng verbunden. Über die besonderen Lebensgeschichten dieser zwei außergewöhnlichen Menschen, ihr Zusammentreffen und ihre Trennung, berichtet in ihrem Vortrag die junge Hamburger Literaturwissenschaftlerin Dr. Anne Fleig, die zur Zeit an der Friedrich Schiller Universität Jena arbeitet. Dieser Vortrag ist der vorläufig letzte von insgesamt sieben innerhalb des ACC-Wieland-Pakets "Who the fuck is Wieland?" und setzt vorerst einen Schlusspunkt unter das Vorhaben, eine lebendige Verbindung zu dem großen fruchtbaren Dichter und Vorausdenker, literarischen Pionier und "virtuosen Zeitgenossen der Berühmteren"1, herzustellen. Mittwoch, 16.2.2000, 21 Uhr, ACC Galerie. Eintritt: 8 DM/5DM 1Irmela Brender, "Christoph Martin Wieland", rowohlts monographien, Rowohlt Verlag, 1990

Museum Sophie La Roche. Das Museum (eröffnet am 26.11.99) ist dem Leben und Werk von Sophie La Roche verpflichtet. Adresse: Schloßstraße 35, D-74357 Bönnigheim. FR/SA/SO 11 bis 17 Uhr geöffnet. Kontakt: Klaus Pott, Charlotte Nerl-Steckelberg, Tel. 07143/273-25, e-mail: Stadtverwaltung@Boennigheim.KDRS.de