alte musik neu entdeckt
Wiederaufführung der Oper 'Alceste'

Die Oper "Alceste" (A. Schweitzer, C.M. Wieland)

Prolog: Die ACC Galerie Weimar widmet mit einer ganzjährigen Veranstaltungsreihe unter dem Slogan Who the fuck is Wieland? dem Dichter und Philosophen Christoph Martin Wieland (1733 - 1813) im Kulturstadt- und Goethejahr 1999 besondere Aufmerksamkeit. Als Höhepunkt der lebendigen Erinnerung an den Spracherneuerer Wieland und als ein herausragendes Ereignis im Kulturstadtjahr veranstaltet die ACC Galerie in Zusammenarbeit mit dem Kempinski Hotel Elephant Weimar und der Thüringen Philharmonie Gotha-Suhl, unterstützt von der Thüringischen Landeszeitung, dem Thüringer Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur und der Stadt Weimar, die Wiederaufführung der Oper nach 225 Jahren am Ort ihrer Entstehung.

Novelle: Kurz vor Ankunft des jungen Goethe brannte in Weimar das Opernfieber. Auf besonderen Wunsch der regierenden Fürstin Anna Amalia sollte nicht weniger als das "erste teutsche Nationalsingspiel" entstehen. Die Uraufführung am 28.5.1773 im Saal des Residenzschlosses zu Weimar machte viel von sich reden und ließ als ein Ergebnis Wieland und Goethe mit voller Breitseite aufeinandertreffen. Der Jüngere reagierte mit Spott und der Farce "Götter, Helden und Wieland" auf die von Wieland im "Teutschen Merkur" 1774 veröffentlichten "Briefe zu Alceste" und trat später höchstselbst in einer Parodie der Oper in Schloss Ettersburg als Herkules auf. Wieland als der Ältere unterlief diesen Angriff Goethes und empfahl den Lesern seines "Teutschen Merkur" ausdrücklich dessen Schrift. Goethe zollte beschämt Respekt und wusste von da an, mit wem er es in Weimar zu tun bekam. Nach Ankunft Goethes in Weimar war dieses allererste Aufeinandertreffen ein Grund für deren beginnende Freundschaft und den fruchtbaren Austausch zwischen diesen beiden Großen (Goethe zeigte einige seiner Werke vor Veröffentlichung Wieland). Nach dem Brand des Theaters lag Weimars Theaterlandschaft brach bis zur Aufführung von Goethes "Iphigenie", in der er sich inhaltlich an der Alceste orientierte. Wielands Intensionen galten auch denen, die keinen Anlass dafür sahen, Oper oder Theater zu den wichtigen Ereignissen im Alltag zu zählen. Es sollte zum erstenmal einem breiteren Publikum möglich sein, die Inhalte einer Oper zu verstehen und auf der Bühne Fürsten, die Gefühle zeigen, zu erleben. Wieland erprobte damit auch als erster unter den Weimarer Klassikern die Möglichkeit des an der Antike geschulten regelmäßigen Dramas. Alceste wirkte in stilgeschichtlicher Sicht wahrhaftig wegweisend.

Schirmherr: Roger Willemsen

Ausführende: Thüringen Philharmonie Gotha-Suhl unter der musikalischen Leitung von Stephan E. Wehr Die Solisten der konzertanten Aufführung: Margot Stejskal (Alceste), Katia Guedes de Souza (Parthenia), Christoph Rösel (Admet) und Markus Brück (Herkules). Der Deutschlandfunk überträgt zum Tag der deutschen Einheit, am 3.10. 99, 21.05 Uhr, seinen Mitschnitt der Alceste, um das enge Zusammenwirken von Künstlern und Organisatoren aus Ost und West für das Zustandekommen der Wiederaufführung der Oper in Weimar besonders zu würdigen! Kartenvorverkauf: Veranstaltungsservice "Weimar - interessant erleben", Tel. 03643/401471-72, Fax 401499.

Karten sind ebenfalls an der Abendkasse im Hotel Elephant Weimar zu erwerben. Liveübertragung der musikalischen Darbietung auf den Weimarer Marktplatz.

Sonntag, 5.9.99, 20 Uhr, Richard-Wagner-Saal, Hotel Elephant Weimar (Tel. 03643/802-0)