künstlergespräch
Monika Dutta, Großbritannien:
Vier Frauen wohnen in meinem Kleiderschrank

Als Gegengewicht zum Goethejahr 1999 ist das 5. Europäische Atelierprogramm des ACC und der Stadt Weimar dem Schriftsteller Christoph Martin Wieland gewidmet. Neben seiner Rolle in der Literaturgeschichte liegt Wielands geisteshistorische Bedeutung auch in der "erotischen Aufklärung", in deren Folge er sich leidenschaftlich gegen Prüderie, Moralisierung und Heuchelei einsetzte. Heute, mehr als 200 Jahre später, sind die moralischen Grenzen und Tabus weitgehend aufgehoben. Gibt es dadurch im Leben mehr Sinnlichkeit und Erotik? Worin besteht im Zeitalter der grenzenlosen Ausdrucksfreiheit noch sinnliches Vergnügen? In der transitorischen Hülle der "Haut" erfährt das Subjekt nach wie vor die letzte Grenze gegenüber seiner Umwelt. In diesem Wahrnehmungsfeld von Unmittelbarkeit, Sensibilität und Intimität eröffnet sich das gestellte Thema "hautnah". Monika Dutta ist nach Antonitsis in diesem Jahr die 2. Stipendiatin der Ausschreibung "hautnah" des '99er Atelierprogramms des ACC und der Stadt Weimar. Sie lebt und arbeitet von Juni bis Ende August in Weimar und berichtet vor Abschluß ihres Aufenthalts von ihren Arbeiten. 1998 hat sie vor allem mit Videoanimationen ihres eigenen Körpers auf dem Computer gearbeitet. Ihre Bewerbungsunterlagen für das Atelierprogramm erläuterte sie mit folgenden Gedanken: "Ich enthülle die Beziehung zwischen Körper und digitaler Technologie. Wie der Computer als Vermittlungsinstanz zwischen dem Cyberspace und der physischen Welt funktioniert, so wirkt meine Haut als "interface" zwischen meiner körperlichen Erfahrung und dem "Rest der Welt". Die Haut bestimmt mich und unterscheidet mein "Ich" vom "Nicht-Ich". Weil ich den Bildschirm als Haut betrachte, verwandeln sich die Gesten meiner Finger und meiner Hände in Zeichen auf der Haut des Bildschirms. Ich denke daran, die Oberfläche zu zerkratzen, kleine Löcher zu bohren und darunter zu schauen: Die Tradition abreißen zu lassen, indem man die Haut zerstört - die Haut, die meine Gestalt ausmacht und in die sich die Geschichte überall eingeschrieben hat. Ich denke an neue Gesten, neue Zeichen auf dieser Haut, daran, den weiblichen Körper neu zu schreiben...". Nach zweimonatiger Arbeit in Weimar hat Monika Dutta entschieden, den Computer durch Gardinenstore und Seidenpapier zu ersetzen. Sophia Kosmaoglou, Griechenland, ist von September bis Dezember die dritte und letzte Stipendiatin 1999. Freitag, 13.8.99, 21 Uhr, ACC Galerie. Eintritt frei!