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Stimmen hinter der Tür

Lesung einer Dokumentation über die Installation "Stimmen hinter der Tür" von IIya Kabakov.
IIm November 1996 zeigte der in New York lebende russische Künstler Ilya Kabakov (*1933, Dneprope- trowsk/Ukraine) im Kutschenhaus der Herfurthschen Villa, dem heutigen Domizil der Leipziger Galerie für Zeitgenössische Kunst, die Installation "Stimmen hinter der Tür". Dem Betrachter wurde das Leben von drei Familien einer Moskauer Gemeinschaftswohnung, der Kommunalka aus der Zeit von 1963-1984, vorgeführt. Die Rekonstruktion des Interieurs war mit den über eine Audioinstallation eingespielten Gesprächen der Bewohner - den russischen und deutschen Stimmen hinter der Tür - verknüpft. Dem domestizierten Gulag der kommunalen Wohnung konnte sich kaum ein Bewohner entziehen. In der Installation berichteten Bilder, Texttafeln und gesprochene Dialoge über die Vorfälle, Gemeinheiten und Streitigkeiten in der Kommunalka oder mit der allmächtigen Obrigkeit. Kabakov erzählte mit feiner Ironie eine Enzyklopädie des sowjetischen Gemeinschaftslebens der 60er und 70er. Beim Aufbau der Installation halfen ihm Studenten. Einer von ihnen mußte alles aus der Ferne beobachten. O. hatte sich auf einer Baustelle das Bein gebrochen und lag im Krankenhaus. Täglich erkundigte er sich bei seinen Freunden nach dem Fortgang der Arbeit. Aus seinen Krankenhausnotizen entstand eine akribische Materialsammlung über die Geschichte der sowjetischen Kommunalwohnungen und die Erfahrung der Studenten mit Ilya Kabakov. Jan Wenzel und Valentin Wetzel lesen aus "O.s Dokumentation".
Mittwoch, 4.11.98, 21 Uhr, Große Galerie. Eintritt frei!