Liebeserklärung an eine Stadtschönheit

Über eine Brücke zu gehen hat nach wie vor, so glauben wir, besonderen Reiz. Mit Brücken wurde schon immer ein besonderes Kapitel der urbanen Architektur und der Geschichte von Städten geschrieben, das zu studieren ebenso reizvoll und interessant ist. Die Brücke ist eine Metapher für Verbinden - Überbrücken - Überwinden. Gleichzeitig hat sie als Kunstobjekt, Landschaftselement oder Wegbereiter der urbanen Architektur einen besonderen Stellenwert. Die Weimarer Sternbrücke war 1996 erstmals Gegenstand einer Hommage. Seit 1995, dem Abschluß der Rekonstruktionsarbeiten an dieser ältesten Brücke Weimars, besitzt die Stadt eine Schönheit mehr. Sie zu entdecken ist das Ziel unserer Unternehmungen und Ideen. Von der Plattform der Sternbrücke hat das Publikum einen wundervollen Blick in die umgebende Landschaft und auf den an dieser Stelle breiten und besonders schönen Fluß. In einer solchen Umgebung macht Essen und Trinken Spaß und vertieft sozusagen das Wohlbefinden, die Lust zum Verweilen und zum Kontakt mit Tischnachbarn und Freunden zum ersten Umtrunk im ersten Grün am ersten schönen Tag im Jahr, dem 1. Mai. Langer Vorrede kurzer Sinn: Auf zum 1. Mai! Auf zu Picknick mit Kind und Kegel, Nachbarn und Freunden. Beginn 12 Uhr mit dem traditionellen Brückenschlag, Brückenkunst (einem Projekt der ACC-Atelierstipendiatin Esra Ersen, Istanbul), Boule-Spiel am Kubus, Picknick auf der Brücke an bereitgestellten Tischen, der 16köfpigen Marching-Band "schwarz/rot Atemgold 09" aus Dortmund, der Freiwilligen Feuerwehr, einer Gulaschkanone, Kaffee&Kuchen, Bier&Brause, dem Clownstheater Krawumm und anderem mehr.
Das traditionelle Weimarer Seifenkistenrennen zum 1. Mai, organisiert vom Büro für experimentelles Verhalten und dem Haus für Soziokultur Gerberstraße 3 Weimar, kann in diesem Jahr leider nicht auf der gewohnten Strecke stattfinden, da die Leibnizallee wegen Bauarbeiten gesperrt ist. Bei Redaktionsschluß mußten wir erfahren, das der als Ersatz gedachte Ilmruderwettbewerb aus Gründen des Naturschutzes nicht realisiert werden kann (Aktuelle Informationen)

Asure

Die erste ACC-Atelierstipendiatin 1998, Esra Ersen aus Istanbul, wird sich zum Sternbrückenfest in der Öffentlichkeit vorstellen. Ihrer ersten künstlerischen Arbeit in Weimar liegt Noahs Geschichte zugrunde: Gott befahl ihm, von jedem Lebewesen der Erde ein Pärchen auf seine Arche aufzunehmen. Als die Sintflut am Tage des asure (lies: aschure) vorüber war und die Arche auf das Land festsetzte, wurde aus den Resten des Proviants, der sich in der Arche befand, ein Festessen gekocht. Der Name "asure" geht auf diese Begebenheit zurück. Die Künstlerin erzählt ihr Konzept: "Ich wohne hier in einer Straße, deren Umfeld auf das Atelierprogramm-Thema 1998 "Gemeinschaft - Gesellschaft" genau zugeschnitten ist. In meiner unmittelbaren Nähe befindet sich ein Seniorenheim und ein Rehabilitationszentrum für psychisch Kranke, in einem anderen Gebäude arbeiten und leben Künstler. Gegenüber dieses Gebäudes liegt der Hauptfriedhof. Am Rande dieser verschiedenen Existenzformen werden die Bewohner dieser Straße, die wie auf der Arche Noah und in der Speise "asure" vielfältig sind, mit ihren Stühlen - jeder Stuhl steht exemplarisch für eine Lebensform - inmitten der Gesellschaft ihren Platz einnehmen..."
Freitag, 1. Mai 98, ab 12 Uhr, Sternbrücke Weimar