Kunst, Spektakel und Revolution

Kunst, Spektakel und Revolution

Veranstaltungsreihe zum Verhältnis zwischen den Bewegungen der Avantgarde und den revolutionären Bewegungen

eine Kooperation zwischen dem ACC Weimar und dem Bildungskollektiv BiKo e.V.

Blog zur Reihe: spektakel.blogsport.de

Kunst und Politik scheinen sich in der Warengesellschaft als unvereinbare Sphären gegenüber zu stehen. Mit der Durchsetzung der bürgerlichen Gesellschaft hat sich die Kunst von ihrer Einbettung in religiöse Rituale gelöst und sich als autonome Sphäre herausgebildet. Mit dieser Emanzipation gewann die Kunst an Möglichkeiten: Es wurden unzählige handwerkliche, gestalterische und kompositionelle Grenzen überschritten und Wege freigelegt. Als eine Sphäre, in der nahezu alles erlaubt ist, konnte die Kunst zudem als Nicht-Ort Wichtiges zu einer Kritik der bestehenden Verhältnisse beitragen, da sie eben das zeigen darf was unsere Gesellschaft nicht ist. Auf der anderen Seite wurde die Kunst mit ihrer Loslösung vom Ritus wirkungslos: Sie wurde vom Alltag der Menschen getrennt. Dadurch ergibt sich in der bürgerlichen Gesellschaft eine seltsame Arbeitsteilung: Während die Kunst alles darf, aber nicht ins Geschehen eingreifen kann, unterliegt die Politik den Bewegungsgesetzen der Waren-Ökonomie und kann in unterschiedlicher Art und Weise auf jedes einzelne Individuum zugreifen.

Die Avantgarden der Kunst waren diejenigen Bewegungen, die dieses Verhältnis aufheben und die Kunst auf einer höheren Ebene in den Alltag zurückführen wollten. Die Möglichkeit, dass die Sphäre der Kunst in der bürgerlichen Gesellschaft über sich selbst reflektieren kann, nutzten die Avantgardisten um einen direkten Angriff gegen sich selbst, gegen die Kunst, ihre Institutionen und den Werkcharakter zu starten. Dabei nahmen sie oft Bezug auf die revolutionären Bewegungen des 20. Jahrhunderts, die ebenfalls ein Interesse daran hatten, die unmenschliche Verfasstheit der Welt zu bekämpfen und eine lebenswerte Praxis zu ermöglichen. Die Begegnung der Surrealisten mit den französischen Kommunisten, der Zusammenhang zwischen Kunstkritik und radikaler Gesellschaftskritik in der Kritischen Theorie oder die Teilnahme der Situationisten an den Aufständen vom Mai '68 - immer wieder gab es beidseitigen Kontakt zwischen RevolutionärInnen und KünstlerInnen.

Ein solch explosives Verhältnis ist in der Postmoderne, also der Moderne, die sich selbst nicht überwunden hat, kaum noch anzutreffen und das Verhältnis zwischen Kunst und Politik ist zu einem Dilemma in höherem Ausmaß geworden. Während die einen sich in ständiger Selbstreflexion, abgewandelter Wiederholung der Moderne, aussagelosen Provokationen und Pseudo-Diskursen üben und sich ständig gegen eine angebliche Vereinnahmung wehren wollen, halten es die anderen nicht für notwendig sich mit Ästhetik auseinanderzusetzen, sehen in der Kunst höchstens ein Mittel zum Zweck und erkennen nicht, dass Ästhetik nicht nur etwas mit gutem Geschmack, sondern auch mit einer besseren Einrichtung der Welt zu tun haben könnte.

Mit diesem Problem soll in der Veranstaltungsreihe "Die Kunst, das Spektakel und die Revolution" eine theoretische Auseinandersetzung gesucht werden. Was sind die Erfahrungen der Avantgarden und was können wir heute daraus lernen? Warum sind die Avantgarden im 21. Jahrhundert nahezu vollständig verschwunden? Welche Zusammenhänge zwischen Kunst bzw. Kunstkritik und radikaler Gesellschaftskritik gab und gibt es? An welcher Stelle sind in der Geschichte Zusammenhänge zwischen Avantgarde und revolutionärer Bewegung zu finden? Wo gibt es sie heute? Diese Fragen sollen in 8 Abendveranstaltungen diskutiert werden. Dabei sollen auch Menschen einen Einstieg finden können, die sich bisher noch nicht mit diesen Themen auseinandergesetzt haben. Ein Zusammentreffen von Teilen der politischen Bewegung und dem Bereich der künstlerischen Praxis ist dabei sehr erwünscht.

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