herderjahr 2003

Tischgesellschaft zum Herderjahr Weimar 2003

Einladung zu einer Tischgesellschaft (nicht nur) an Träger der Johann-Gottfried-Herder-Medaille Anmeldung: Tel. 03643/258819, rauch@acc-weimar.de

Das Universalgenie Herder zu ehren, der viele Jahre in Weimar gelebt und gearbeitet hat und zu dem es mannigfaltiges zu sagen gibt, nimmt das ACC die Tradition der Tischgesellschaft auf, nicht nach den Regeln der "deutschen Tischgesellschaften", die als "geschlossen" und mitunter auch als "geheim" galten - zu dieser ist jeder eingeladen, der zu Herder etwas zu sagen hat oder nur zuhören will. Zu Ehren Herders und seiner "Briefe zur Beförderung der Humanität" ist während der Tischrunde an die Gründung einer Gesellschaft zum Schutze nichtexistierender Völker und der Wiederauflösung der eben gegründeten zum Schutz vor deren Missbrauch gedacht. Für die gelungensten Plädoyers zum Schutz nichtexistierender Völker werden die für diesen Tag kreirten Herder-Ringe verliehen. Eingeladen sind ausrücklich auch die Träger(innen) der Johann-Gottfried-Herder-Medaille, die in der ehemaligen DDR an verdienstvolle Russischlehrer(innen) und Schüler(innen) mit ausgezeichneten Leistungen im Fach Russisch jährlich verliehen wurde. "Aber warum müssen Völker auf Völker wirken, um einander die Ruhe zu stören? Man sagt, der fortgehend wachsenden Kultur wegen; wie gar etwas anderes sagt das Buch der Geschichte! (...) Und was nutzten die Kreuzzüge dem Orient? Welches Glück haben sie den Küsten der Ostsee gebracht? Die alten Preußen sind vertilget; Liven, Esten und Letten im ärmsten Zustande fluchen im Herzen noch jetzt ihren Unterjochern, den Deutschen. (...) Nenne man das Land, wohin Europäer kamen und sich nicht durch Beeinträchtigungen, durch ungerechte Kriege, Geiz, Betrug, Unterdrückung, durch Krankheiten und schädliche Gaben an der unbewehrten, zutrauenden Menschheit, vielleicht auf alle Äonen hinab, versündigt haben! Nicht der weise, sondern der anmaßende, zudringliche, übervorteilende Teil der Erde muß unser Weltteil heißen; er hat nicht kultiviert, sondern die Keime eigner Kultur der Völker, wo und wie er nur konnte, zerstöret. Was ist überhaupt eine aufgedrungene, fremde Kultur? Eine Bildung, die nicht aus eignen Anlagen und Bedürfnissen hervorgeht? Sie unterdrückt und mißgestaltet, oder sie stürzt gerade in den Abgrund.(...) Ein Mensch, sagt das Sprichwort, ist dem andern ein Wolf, ein Gott, ein Engel, ein Teufel; was sind die aufeinander wirkenden Menschenvölker einander? Der Neger malt den Teufel weiß, und der Lette will nicht in den Himmel, sobald Deutsche da sind. (...)" Johann Gottfried Herder, Briefe zur Beförderung der Humanität, Zehnte Sammlung (1797), 114.

Nachsatz: In angeregter und kundiger Gesellschaft an eine zu ehrende Person zu erinnern, über ein (aktuelles) Thema zu reden, Dinge in Gang zu setzen oder sich über brennende Fragen auszutauschen und zu streiten ist eine angenehme Sache. Dabei muss ein sinnlicher Aspekt, das Essen, nicht zu kurz kommen. Tischgesellschaften haben Tradition als regelmäßige gesellige Zusammenkünfte von Dichtern, Künstlern und Kunstfreunden. Nicht nur beim Essen wird der Tisch zum Schauplatz des Geschehens, zur Bühne oder zum privaten Refugium. Stets ist er ein Ort der Kommunikation. Hier versammelt man sich zum Gespräch, freut sich am Einverständnis, ereifert sich im Widerspruch. Es wird gesprochen, geschwatzt, gegessen, auch vorgelesen. Regel ist die Freimütigkeit und Freiheit im Gespräch. Tischgesellschaften waren/sind als eine Grundform menschlichen Beisammenseins z.B. klassisches Thema der Malerei.

Samstag,15.11.2003, 13:00 Uhr, ACC
Eintritt ??

Anmeldung: Rauch, Tel. 03643/851261/-62, Fax 851263, 03643/258819, rauch@acc-weimar.de