premiere

Herder, oder Vom Primzahlmenschen

Szenische Lesung

Darsteller:
Elke Wieditz (Schauspielerin, Deutsches Nationaltheater Weimar)
Bernd Lange (Schauspieler, Deutsches Nationaltheater Weimar)
Peter Rauch (Schauspieler, Weimar/Berlin)
Musik: Kristina John (Akkordeon, Weimar)

Drei Weimarer Schauspieler wagen im Herderjahr Weimar 2003 den Zugriff auf Johann Gottfried Herder und auf Arno Schmidt und verführen zum Zuhören und Miterleben.

Auf der Suche nach mehr Informationen und sachdienlichen Hinweisen auf die nachhaltigen Wirkungen des Lebens, resp. der Werke Johann Gottfried Herders zeigte sich Arno Schmidts Dialog-Essay Herder, oder Vom Primzahlmenschen als Entdeckung und eine Basis für die versuchte Annäherung und Auseinandersetzung mit Herder, einem der sogenannten Weimarer "Klassiker". In diesem Dialog-Essay, veröffentlicht in "Nachrichten von Büchern und Menschen 1. Zur Literatur des 18. Jahunderts" (S.Fischer Verlag), verarbeitet Arno Schmidt facettenreich viel Sachkenntnis und eine Fülle von Detailkenntnissen zu den darin beschriebenen Persönlichkeiten, so auch zu Johann Gottfried Herder.

"Man hat Arno Schmidt nachgesagt, er mache Wiederbelebungsversuche. Auch in diesem Falle wird man von geglückten, erfolgreichen Wiederbelebungsversuchen sprechen können. Hier werden nicht neue Kränze von großen Literatur-Denkmälern aufgetürmt, die ein Haufen alter längst verdeckt, sondern Beziehungen hergestellt zwischen den sogenannten Klassikern und uns. Mit den Dialog-Essays nahm Arno Schmidt eine Form wieder auf, deren Tradition über die Aufklärung und das Mittelalter bis zu den Philosophen-Dialogen der klassisch-griechischen Zeit reicht."

Die Premierenvorstellung wird von Radio Lotte für eine mögliche Hörspielproduktion aufgezeichnet. In Zusammenarbeit von ACC Weimar, dem congress centrum neue weimarhalle (einmalige Vorstellung in der Reihe 'Hörspiel sehen') und Radio Lotte, Weimar. Mit freundlicher Unterstützung des Thüringer Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst und der Arno Schmidt Stiftung, Bargfeld

Premiere am Montag,08.09.2003, 20:00 Uhr, Kleiner Saal, congress centrum neue weimarhalle

Eintritt: 6 € (Vorverkauf) / ermäßigt 4 € (Vorverkauf)

Reservierung!/Information: ACC, Tel. 03643/851262, Tourist-Informations- und Sevicezentrum Weimar, Markt 10, 99423 Weimar, Tel. 03643/2400-0

congress centrum neue weimarhalle

congress centrum neue weimarhalle: UNESCO-Platz 1, 99423 Weimar, Tel. 03643/810-0, http://www.weimarhalle.de.

Mit freundlicher Unterstützung des Thüringer Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst und der Arno Schmidt Stiftung, Bargfeld

Arno Schmidt Stiftung Bargfeld
http://www.arno-schmidt-stiftung.de/

Johann Gottfried Herder (1744-1803)
Herder ist sowohl als Dichter, Theologe und Philosoph bekannt, der die deutsche Klassik und die Romantik entscheidend mit beeinflusste. Er nimmt innerhalb der gesamteuropäischen Aufklärung eine eigenständige Position ein. In der Weimarer Peter-Pauls-Kirche wirkte Johann Gottfried Herder mehr als 25 Jahre bis zu seinem Tod. "Johann Gottfried Herder, der unpopuläre Klassiker: Weimar hat einen Herderbrunnen, einen Herderplatz, eine Herderkirche. Dennoch "führt der Dichter, Nachdichter und theoretische Kopf, der als Wegbereiter der Klassik gilt, ein Schattendasein". Sagt der Weimarer Dichter Wulf Kirsten. Am 18. Dezember 1803 ist Herder in Weimar gestorben. Was sind seine bleibenden Verdienste? Wofür ehrt ihn die Stadt 200 Jahre später?" (http://www.mdr.de/kultur/literatur/888117.html) Button innerhalb der Website für ausführliche Informationen zu Leben und Werk: Magna Charta des Sturm und Drang, Dichtkunst als Welt- und Völkergabe, Oratorientexte für den "Bückeburger Bach", Schulreform und Beförderung der Humanität, Nachwirkung weit über Deutschland hinaus Literaturhinweise: Johann Gottfried Herder. Prediger der Humanität. von Michael Zaremba. Böhlau Verlag, Köln Weimar. ISBN: 3412034029 Johann Gottfried Herder. In Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. von Friedrich Wilhelm Kantzenbach. ISBN: 3499501643

Arno Schmidt (1914-1979) zählt zu den bedeutendsten deutschen Nachkriegsautoren. Schmidts Texte gelten als schwierig, er selbst wird teilweise als der "deutsche James Joyce" bezeichnet. Innerhalb der Literaturwissenschaft ist Arno Schmidts hoher Rang in der Riege der deutschsprachigen Schriftsteller relativ unbestritten. Wer sich auf das Ungewohnte einläßt wird umso reicher belohnt, denn Schmidts Beobachtungsgabe und sein scharfer Verstand sind bewundernswert, seine Sprache ist reizvoll und sein Humor bizarr.

"Schmidts Texte gelten als schwierig, er selbst wird teilweise als der 'deutsche James Joyce' bezeichnet. Schmidts eigenartige Orthographie und Interpunktion, seine wortschöpferische Begriffsbildung und schließlich sein an tatsächlichen oder vermeintlichen psychologischen Erkenntnissen orientierter Stil (Gedankenfetzen und Momentaufnahmen) schrecken viele Leser ab. Dies ganz zu unrecht, denn - abgesehen von Spätwerken wie 'Zettels Traum' - sind die Texte des 'Wortweltenerbauers' und 'Wort-Metzes' Schmidt durchaus lesbar. Mehr als der Wille, sich auf ungewohnte Erzählstrukturen einzulassen, wird dem Leser nicht abverlangt. Für das Textverständnis ist es auch keineswegs zwingend, die zahlreichen ungekennzeichneten Zitate zu erkennen und die eingestreuten kryptischen Bemerkungen zu enträtseln. Wer sich auf das Ungewohnte einläßt wird umso reicher belohnt, denn Schmidts Beobachtungsgabe und sein scharfer Verstand sind bewundernswert, seine Sprache ist reizvoll und sein Humor bizarr. Innerhalb der Literaturwissenschaft ist Arno Schmidts hoher Rang in der Riege der deutschsprachigen Schriftsteller relativ unbestritten. Innerhalb der nichtwissenschaftlichen Leserschaft ist dagegen eine eigenartige Spaltung erkennbar: die große Mehrheit der literarisch Interessierten kennt Schmidt entweder nicht oder lehnt ihn als "schwierig" und "avantgardistisch" ab, während eine eingeschworene Gemeinde von Fans Schmidt zu ihrem Kultautor erhoben hat. Innerhalb der Fangemeinde hat sich zudem eine Schmidt-Philologie entwickelt, die mit fast religiöser Hingabe die stellenweise kryptischen Texte Schmidts zu "entschlüsseln" sucht - mit einem aus wissenschaftlicher Sicht zum Teil zweifelhaften Ergebnis. Alles in allem eine paradoxe Situation, in der jeder, der sich als A.S.-Leser zu erkennen gibt, entweder auf Unkenntnis oder Unverständnis stößt und - soweit Schmidt überhaupt bekannt ist - sofort als Mitglied einer als esoterisch wahrgenommenen Fangemeinde identifiziert wird. Es scheint unmöglich, Schmidt ebenso zu lesen wie Andersch, Döblin oder Frisch; nach dem Motto ganz oder gar nicht wird entweder Gegnerschaft oder Hingabe erwartet. Diese Sonderstellung Schmidts gilt es zu durchbrechen, um den Autor von Gegnern einerseits und selbsternannten Jüngern andererseits für die "normale" Leserschaft zurückzuerobern. Die Arbeit lohnt, denn auf den Interessierten wartet ein großer Autor und ein überraschendes und spannendes Werk." (Quelle: http://www.wolldingwacht.de/as/) Literaturhinweise: Arno Schmidts Werke sind in der Bargfelder Ausgabe, Haffmans Verlag, Zürich 1986 ff erschienen (hier fehlt bisher lediglich Zettel's Traum). Einen guten Einstieg ermöglicht der Band Sämtliche Romane und Erzählungen. 1946-1964. Haffmans Verlag, Zürich 2000. Daneben sei auf die Taschenbücher im Fischer Taschenbuchverlag verwiesen. Übersicht und erste Orientierung gewährt in thematisch sortierter Auswahl Robert Weninger: Arno Schmidt-Bibliographie. Ein Verzeichnis der wissenschaftlichen Sekundärliteratur nach Titeln und Themen: München. edition text + kritik, 1995. Vollständigkeit strebt an Karl-Heinz Müther: Bibliographie Arno Schmidt 1949-1991 Bielefeld: Aisthesis Verlag, 1992. Bislang sind hierzu 5 Nachlieferungen erschienen. Ein Abriß der Vita findet sich bei Wolfgang Martynkewicz: Arno Schmidt mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Rowohlts Monographien Bd. 484. Reinbek: Rowohlt Taschenbuchverlag, 1992. Auch lohnt sich zur Erstinformation Peter Ahrendt: Der Büchermensch. Wesen, Werk und Wirkung ARNO SCHMIDTS. Eine umfassende Einführung. Paderborn: Igel Verlag Wissenschaft, 1995. Einen guten Einstieg in die Rezeption bietet der Bargfelder Bote, Materialien zum Werk Arno Schmidts. München: edition text + kritik, 1972 ff. Bis heute sind 254 Lieferungen erschienen. Hingewiesen sei auch auf die Sammelbände Zettelkasten. Aufsätze und Arbeiten zum Werk Arno Schmidts. Bangert & Metzler: Frankfurt am Main, 1984-1992; Frankfurt am Main und Wiesenbach, 1993-1997; Wiesenbach 1998 ff. Seit 1986 sind die Bände meist auch das Jahrbuch der Gesellschaft der Arno-Schmidt-Leser. (Quelle: http://www.gasl.org/index_frameset)