Tischgesellschaft 'Gesellschaftsspiele'

Gold Cube - Casino als Kontext zeitgenössischer Kunst- und Raumkonzepte

Gesellschaftsspiele - Tischgesellschaft des ACC
Bauhaus-Universität Weimar, Fakultät Medien, Lehrstuhl für 'Moden und öffentliche Erscheinungsbilder', Prof. Christine Hill
Gesellschaftsspiele
Tischgesellschaft des ACC
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Diese Tischgesellschaft will wieder Gelegenheit bieten und dazu auffordern, visionäre Gesellschaftsentwürfe zu wagen und zu formulieren und dazu Fragen zu stellen und zu kommunizieren.

Hintergrund: Gesellschaftliche Perspektiven zu denken, auch wenn es sich zunächst um Fantasien und Wünsche handelt, erscheint heute, weil ein allgemeingültiger gesellschaftlicher Konsens innerhalb politischer, wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Diskurse so schwierig geworden ist, drängender denn je. Außerdem interessieren uns die Ansichten/Meinungen/Aktivitäten von Künstler(inne)n und (Kultur)Politiker(inne)n im Zusammenhang mit der Rückkehr politischer Fragestellungen in die Kultur und die zeitgenössische Kunst. Herauszufinden ist u.a., "ob Grundsätze bestimmt werden können, die den verschiedenen Individuen, Kulturen und Traditionen ein humanes Leben und Zusammenleben erlauben." (Höffe).

Ort: ACC
Zeit: März bis Dezember 2005, in der Regel zweimal im Monat sonnabends 19 Uhr
Die Tischgesellschaft ist für alle Interessierten offen.

Diskussionsleitung (in engl. Sprache):
Alex Farquharson (Kurator, London), Karin Jaschke (Architekturtheoretikerin, London/Brighton), Silke Ötsch (Architekturtheoretikerin, Innsbruck)
Konzeption/Autoren: Kathrin Böer, Felix Sattler.
Bauhaus-Universität Weimar, Fakultät Medien, Lehrstuhl für »Moden und öffentliche Erscheinungsbilder«, Prof. Christine Hill, in Zusammenarbeit mit dem ACC Weimar

Das Casino steht in seiner Funktion als "Imaginationsmaschine" - als "Wunschmaschine" eventuell - in einer engen Beziehung zur zeitgenössischen Kunst und deren Repräsentations-Kontexten. Sein einzigartiges visuelles Potential stellt sowohl für künstlerische, als auch für architektonische Entwürfe eine (raum-) ästhetische Herausforderung dar. In diesem Zusammenhang lassen sich folgende Fragen stellen: Worauf gründet sich die visuelle Beschaffenheit und räumliche Spezifität des Casinos, beziehungsweise auf welche Weise sind "Casinoide" Strukturen von KünstlerInnen bereits bearbeitet, und in welchem Kontext sichtbar gemacht worden? Darüber hinaus, und das ist interessant, erscheint das Casino sogar als ein strukturelles Bindeglied zwischen Kunst und Ausstellungskontext selbst: das Casino ist ein einmaliger Raum, dessen heterotopische Qualität u.a. die Frage nach der Authentizität in ihm befindlicher Artefakte nicht nur in Frage stellt, sondern vielleicht gänzlich überflüssig macht. Kann eine Neukonzeption des White Cube (ähnlich wie die Architekturtheorie) "vom Casino lernen"?

In diesen Zusammenhang gehört auch die Frage nach den Zugangsvoraussetzungen und dem sozialen und kommunikativen "Spielraum" des Betrachters/Besuchers. Welche "Wiedergeburt" muss schließlich der Besucher eines solchen Raums erfahren?

Diskussionsleitung: Alex Farquharson (Kurator, London), Karin Jaschke (Architekturtheoretikerin, London/Brighton), Silke Ötsch (Architekturtheoretikerin, Innsbruck)

Alex Farquharson ist Kurator und Dozent am Royal College of Arts in London. 2001 kuratierte er die Ausstellung »The Magic Hour - The Convergence Of Art & Las Vegas

Karin Jaschke ist Architekturtheoretikerin und war Dozentin an der Bauhaus-Universität Weimar. Las Vegas ist einer ihrer Forschungsschwerpunkte. Sie ist Mitherausgeberin (mit Silke Ötsch) von »Stripping Las Vegas - A Contextual Review of Casino Resort Architecture

Dr. Silke Ötsch ist Architekturtheoretikerin und promovierte an der Bauhaus-Universität Weimar (2005) über den Umgang der Architektur/Architekten mit dem menschlichen Körper, im Besonderen über das Konzept des ganzheitlichen Körpers wie er u.a. mit der Ressort-Architektur von Las Vegas entworfen wird. Sie ist Mitherausgeberin (mit Karin Jaschke) von »Stripping Las Vegas - A Contextual Review of Casino Resort Architecture

Samstag, 04.02.2006, 20:00 Uhr, ACC
Eintritt: 3 EUR/erm. 2 EUR

Gold Cube - Das Casino als kuratorische Aufgabe

Auch 2006 wird die erfolgreiche ACC-Tischgesellschaft "Gesellschaftsspiele" fortgesetzt, die sich zum Ziel gesetzt hat "sich außerhalb des gewohnten Rituals einer (akademisch) philosophischen Diskussion mit aktuellen Themen aus Philosophie, Politik und Wissenschaft auseinander zu setzen."

Die ersten beiden Tischgesellschaften im Januar und Februar verheißen einen spannenden Start, befassen sie sich doch interdisziplinär mit dem Casino als einem ästhetischen, juristischen, ökonomischen und sozialen Faszinosum unserer Kultur.

Im Text der beiden OrganisatorInnen Kathrin Böer und Felix Sattler heißt es: "Das Glücksspiel ist von Zeit zu Zeit bereits Bestandteil einer öffentlichen Debatte, wenn ihm auch meistens keine besonders ehrenvolle Bedeutung beigemessen wird; schließlich scheint es als ‚seltsames und beständiges Reich menschlicher Gier' (Ann Fabian) die abgründigen Schattenseiten des Spiels in seiner Verbindung mit dem allzu realen Einsatz des Geldes zu offenbaren.

Das Casino ist jedoch in der Tat trotz, oder genau aufgrund dieses eigenartigen Schattendaseins vor allem ein hochkomplexer Raum und zugleich eine der effizientesten und inspirierendsten Bildermaschinen der vergangenen hundertfünfzig Jahre, dessen Mythos nur als Resultat einer engen Wechselbeziehung mit der Geschichte der (technischen) Medien entstehen konnte. Obwohl wir ein Casino nur in den seltensten Fällen besucht haben, kann sich niemand der Bilderflut erwehren, die die Nennung des Begriffs 'Casino' unweigerlich vor dem inneren Auge entstehen lässt. Dabei bleibt unsere Reaktion stets ambivalent zwischen Verlangen und Abwehr; eine Kategorisierung in gut oder böse ist von vorne herein zum Scheitern verurteilt weil wir hier insgeheim den Entwurf einer von uns benötigten Gegenwelt anerkennen müssen, in deren Raum die Rationalität ökonomischer und sozialer Tauschverhältnisse auf die Probe gestellt und zeitweilig überwunden werden kann."

Gemeinsam mit internationalen Experten soll jenseits einer herkömmlichen Stigmatisierung des Casinos über seine Bedeutung für unsere Kultur & Gesellschaft anhand seines Einflusses auf Kunst, Architektur, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft diskutiert werden.

Gäste sind am 14.1.(20 Uhr) der Frankfurter Journalist Harry Nutt und Andreas Ziemann, Juniorprofessor für Mediensoziologie an der Bauhaus-Universität Weimar sowie am 4.2. (ebenfalls 20 Uhr) der Londoner Kurator Alex Farquharson und die beiden Architekturtheoretikerinnen Karin Jaschke (London/Brighton) und Silke Ötsch (Innsbruck).

Die Diskussionen finden an den beiden Terminen jeweils um 20 Uhr in der ACC Galerie Weimar statt. Wie bei den Tischgesellschaften üblich wird auf die traditionelle Vortragsweise zugunsten einer offenen Gesprächsrunde zu Tisch verzichtet, dementsprechend gibt es natürlich auch etwas zu essen und zu trinken.

Die beiden Veranstaltungen wurden im Rahmen des Diplomprojekts "Gold Cube - Das Casino als kuratorische Aufgabe" konzipiert und finden in Zusammenarbeit mit dem an der Fakultät Medien der Bauhaus-Universität ansässigen Lehrstuhl für "Moden und öffentliche Erscheinungsbilder" von Prof. Christine Hill statt.

Kontakt:

Barbara Rauch, email: rauch@acc-weimar.de
Kathrin Böer, email: k.boeer@gmx.de
Felix Sattler, tel: +491604155881, email: felix@querformarte.de