9. Tischgesellschaft 'Gesellschaftsspiele'

Die Flat Tax als Waffe im internationalen Steuerwettbewerb

Gesellschaftsspiele - Tischgesellschaft des ACC

Gesellschaftsspiele
Tischgesellschaft des ACC
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Diese Tischgesellschaft will wieder Gelegenheit bieten und dazu auffordern, visionäre Gesellschaftsentwürfe zu wagen und zu formulieren und dazu Fragen zu stellen und zu kommunizieren.

Hintergrund: Gesellschaftliche Perspektiven zu denken, auch wenn es sich zunächst um Fantasien und Wünsche handelt, erscheint heute, weil ein allgemeingültiger gesellschaftlicher Konsens innerhalb politischer, wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Diskurse so schwierig geworden ist, drängender denn je. Außerdem interessieren uns die Ansichten/Meinungen/Aktivitäten von Künstler(inne)n und (Kultur)Politiker(inne)n im Zusammenhang mit der Rückkehr politischer Fragestellungen in die Kultur und die zeitgenössische Kunst. Herauszufinden ist u.a., "ob Grundsätze bestimmt werden können, die den verschiedenen Individuen, Kulturen und Traditionen ein humanes Leben und Zusammenleben erlauben." (Höffe).

Ort: ACC
Zeit: März bis Dezember 2005, in der Regel zweimal im Monat sonnabends 19 Uhr
Die Tischgesellschaft ist für alle Interessierten offen.

Reform der Unternehmenssteuern im internationalen Steuerwettbewerb - wie der Investitionsstandort Deutschland steuerlich gesunden kann
Gesprächseröffnung Prof. Dr. Rose, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg (Alfred-Weber-Institut für Wirtschaftswissenschaften)

REFORMEN

Testlabor Balkan

Manfred Rose etabliert in Bosnien das wohl radikalste Steuersystem der Welt. Der Heidelberger Professor sagt, sein Modell tauge auch für Deutschland - doch hier zu Lande stößt er auf Skepsis.

(Testlabor Balkan, Ulrich Schäfer, Der Spiegel, Nr. 21/ 18.5.2002, S. 96, Auszug)

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Zum Vortragsthema

Die zukünftigen steuerlichen Rahmenbedingungen für Investitionen bestimmen neben der Lohnkostenentwicklung maßgeblich die Wachstumsperspektive der deutschen Wirtschaft und damit die Chance für einen Abbau der unerträglichen Arbeitslosigkeit. Die Effektivbelastung des in einer mittelständischen Kapitalgesellschaft erwirtschafteten Gewinns kann derzeit in langfristiger Sicht mehr als 70 % betragen. Eine Reform der Einkommens- und Gewinnbesteuerung, die bloß das Steuerrecht vereinfacht, aber das unternehmerische Investieren in Deutschland steuerlich weiterhin diskriminiert, wird keinen Impuls für mehr Wachstum auslösen. Mit der seit 2001 auch in Gesetzesform vorliegenden Einfachsteuer des Heidelberger Kreises plädiert Professor Rose für eine einheitliche Besteuerung der Gewinne von Unter­nehmen jeglicher Rechtsformen. Neu ist dabei, dass neben den Fremdkapitalzinsen auch Eigenkapitalzinsen abzugsfähig sind, wofür sich neuerdings auch der hessische Ministerpräsident Roland Koch im Rahmen einer mäßigen Abgeltungssteuer auf Zinsen ausspricht. Mit dem Abzug der Eigenkapitalzinsen wird insbesondere die Eigenkapitalausstattung der mittelständischen Unternehmen gestärkt. Damit ist zugleich eine Basis für mehr Investitionen und Wachstum in Deutschland geschaffen. Die Gewerbesteuer hat im Einfachsteuersystem keinen Platz. Die Gemeindefinanzen stehen zukünftig auf folgenden drei Säulen: (1) Grundsteuer, Gebühren und Beiträge; (2) gemeindlicher Zuschlag zur Einkommensteuer der Bürgers bei vorheriger Tarifabsenkung; (3) Zuweisung von Mitteln aus einem Teil des Mehrwertsteueraufkommen nach den auf dem Gemeindegebiet direkt oder indirekt geschaffenen Arbeitsplätzen. Mit diesem neuen Belohnungssystem bekommt eine Gemeinde nach Maßgabe der auf ihrem Gebiet realisierten Arbeitseinkommen (Lohn des Arbeitnehmers und Unternehmerlohn des Selbständigen) und Investitionen eine zusätzliche finanzielle Grundausstattung. Die Gemeinden werden damit in den ‚Pakt für mehr Beschäftigung' einbezogen. Bei einem Unternehmenssteuersatz von 25% und einem Abzug von Eigenkapitalzinsen als Betriebsausgaben wird die Effektivbelastung der Investitionserträge zukünftig deutlich niedriger sein als in vielen Volkswirtschaften Europas und in den USA. Nur mit einer hierauf gerichteten Steuerreform wird der Investitionsstandort Deutschland ‚steuerlich gesunden'.

Zur Person:

Professor Dr. Manfred Rose lehrte von 1971 bis 2003 Volkswirtschaftslehre, insbesondere Finanzwissenschaft an der Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Seine Forschungsarbeiten erstrecken sich hauptsächlich auf die Theorie und empirische Analyse der ökonomischen Wirkungen von Staatsausgaben und Steuern sowie auf die Entwicklung eines Konzepts und von Rechtsgrundlagen für ein marktorientiertes Steuersystem. Auf diesen Grundlagen hat er maßgeblich an der Entwicklung eines neuen Steuersystems für die Republik Kroatien mitgewirkt, das sich nach seiner Einführung in 1994 als außerordentlich funktionstüchtig erwies. Seit 2004 wird im Distrikt Brcko von Bosnien und Herzegowina ein neues Einkommensteuergesetz angewendet, das Professor Rose im Rahmen eines deutschen Entwicklungshilfeprojekts nach seinem Modell der Einfachsteuer entworfen hat. Informationen zu diesem System einer einfachen, fairen und zugleich marktorientierten Besteuerung persönlicher Einkommen und der Gewinne von Unternehmen vermitteln http://www.einfachsteuer.de sowie das Buch: Manfred Rose, Vom Steuerchaos zur Einfachsteuer - der Wegweiser durch die Steuerdebatte, Verlag Schäffer-Poeschel, Stuttgart 2003.

Samstag, 05.11.2005, 19:00 Uhr, ACC