Das 'KdF-Seebad der Zwanzigtausend' in Prora/Rügen

Initiative Freiraum Weimarplatz
Freiraum Weimarplatz

... den Weimarplatz neu denken

Die Initiative frei | raum w e i m a r p l a t z widmet sich den Transformationen des Weimarplatzes am früheren nationalsozialistischen Gauforum in Weimar. Dabei stellt sich vor allem die Frage, wie im Gestaltungskonzept der "räumlichen Leere" zwischen neuen Nutzungen und einem Ort nationalsozialistischer Vergangenheit vermittelt werden kann.

www.freiraum-weimarplatz.de Kontakt: Philippe Schmidt 03643-252636

Dr. Jürgen Rostock, Berlin

Nicht ohne Grund wirkt der Weimarplatz als konkretes Beispiel nationalsozialistischen Gedankenguts abweisend: Die großräumigen städtebaulichen Eingriffe aus der NS-Zeit haben ihre Spuren hinterlassen - in oft unerklärter Weise zeigt sich ihre massive Präsenz auch noch in unserem heutigen Stadtbild. Wie bei den Strukturen der nicht fertig gestellten Halle der Volksgemeinschaft in Weimar, stellte sich auch in Prora die Frage nach Erhalt und Nachnutzungen nationalsozialistischer Bauten. Und wie in Weimar wurden sie dort erst kürzlich einem privaten Investor zur Nutzung überlassen.

Das ehemalige "KdF-Seebad der Zwanzigtausend" in Prora wurde als etwa 4,5 km lange Anlage im Auftrag der "NS-Gemeinschaft Kraft durch Freude" zwischen 1936 und 39 gebaut und zu großen Teilen auch vollendet. Zu Zeiten der DDR war das Gelände militärisches Sperrgebiet und wurde erst 1990 für die Öffentlichkeit zugänglich. Neben dem "Reichsparteitagsgelände" in Nürnberg ist die unter Denkmalschutz stehende Anlage die größte geschlossene architektonische Hinterlassenschaft der nationalsozialistischen Zeit. 20.000 Menschen sollten hier Urlaub machen. Wie geht man dort heute mit der Geschichte um und welche Entwicklungen zeichnen sich dort aktuell im Umgang mit dem schwierigen Erbe ab?

Das "KdF-Bad der Zwanzigtausend" ist nicht nur ein baugeschichtlich interessantes Beispiel für den Gebrauch der Architektur der Moderne im Nationalsozialismus, sondern auch ein sozialgeschichtlich wichtiges Zeugnis für das Bemühen des NS-Regimes, die Arbeiter, deren Parteien und Organisationen 1933 zerschlagen worden waren, zu befrieden und für die Kriegs-, Lebensraum- und Rassenpolitik zu gewinnen. Die "Nerven des Volkes" sollten für den nächsten Krieg gestärkt werden. "Unsere Intention ist es, die gesellschafts- und sozialpolitischen Ziele des nationalsozialistischen Regimes darzustellen. Die Verdeutlichung der populistischen Maßnahmen zur Herrschaftsstabilisierung des Regimes, die Ausgrenzungen aus rassistischen und politischen Gründen und das allem zugrunde liegende kriegsvorbereitende Motiv der Innenpolitik ist am besten geeignet, die Mythen um den Nationalsozialismus und die ideologischen Grundlagen neofaschistischer Bewegungen zu zerstören.

www.dokumentationszentrum-prora.de

Freitag, 26.10.2007, 20:00 Uhr, ACC Galerie Weimar
Eintritt: 3 € / erm.: 2 € / Tafelpass: 1 €

Nächster Vortrag in der Reihe: ACC, Freitag, 23. November 2007

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