Sauckel - Sowjets - Shopping. Vom Umgang mit einem Weimarer Ort der Erinnerung

Initiative Freiraum Weimarplatz
Freiraum Weimarplatz

... den Weimarplatz neu denken

Die Initiative frei | raum w e i m a r p l a t z widmet sich den Transformationen des Weimarplatzes am früheren nationalsozialistischen Gauforum in Weimar. Dabei stellt sich vor allem die Frage, wie im Gestaltungskonzept der "räumlichen Leere" zwischen neuen Nutzungen und einem Ort nationalsozialistischer Vergangenheit vermittelt werden kann.

www.freiraum-weimarplatz.de Kontakt: Philippe Schmidt 03643-252636

Dr. Justus H. Ulbricht, Historiker, Jena und Weimar

Die vorher gezeigten Beispiele im Umgang mit NS-Erbe stellen Resultate der Transformation dieses Erbes dar. Diese Veranstaltung bezieht sich auf unterschiedliche theoretische Aspekte mit dem "negativen Erbe" und versucht, die Situation in Weimar zu kotextualisieren.

In Kooperation mit der Heinrich Böll Stiftung Thüringen, der Initiative Freiraum Weimarplatz und AFEU e.V.

PRESSEMITTEILUNG Freiraum Weimarplatz

Diskussion um Weimarplatz geht weiter Initiative Freiraum Weimarplatz: Vortragsreihe im ACC zum neugestalteten Weimarplatz weiterhin gefragt. Zum Vortragsabend am 10.11.2006 kamen über 50 Besucher.

Vortrag: Sauckel - Sowjets - Shopping. Vom Umgang mit einem Weimarer Ort der Erinnerung. Referent: Dr. Justus H. Ulbricht, Jena und Weimar, Moderation: Philippe Schmidt, Initiative Freiraum Weimarplatz Veranstalter: Freiraum Weimarplatz in Kooperation mit: Heinrich-Böll Bundesstiftung, ACC Weimar und Absolventen und Freunde der Europäischen Urbanistik der Bauhaus-Universität Weimar e.V. (AFEU e.V.)

Über 50 Zuhörer zeigten am vergangenen Freitag im völlig überfüllten Vortragsraum der ACC Galerie auf der bereits sechsten Vortragsveranstaltung der Initiative Freiraum Weimarplatz, dass das Thema "Weimarplatz" auch knapp ein Jahr nach Eröffnung des Weimar-Atriums und Fertigstellung der Baumaßnahmen am Platz auf reges Interesse stößt.

Wie bereits in den vorigen Veranstaltungen der Initiative ging es auch diesmal darum, die Resultate der Veränderungen am Weimarplatz mit der interessierten Öffentlichkeit zu diskutieren und auch Reaktionen aus der Bevölkerung zur Platzgestaltung zu erhalten. Langjährige Fachdiskussionen hatten in den 90iger Jahren die Suche für ein adäquates Gestaltungskonzept im Umgang mit dem Gelände des ehemaligen nationalsozialistischen ‚Gauforums' begleitet.

Mit Eröffnung des Einkaufs- und Erlebniszentrums Weimar-Atrium im November 2005 hatte der Weimarplatz ein neues Gesicht erhalten. Umso wichtiger erscheint es nun, den unwirtlichen Platz in der Größe eines Fußballfeldes, der zudem nicht betretbar ist, öffentlich zu diskutieren und vor allem erklärbarer zu machen. Dies, so der Leiter der Initiative, Philippe Schmidt, ließe sich nur realisieren, wenn ein entsprechender Austausch mit den Bürgern stattfindet, an dem auch die Stadtpolitik und das Land ihr Interesse zeigen.

Der Referent des Vortrags, Dr. Justus Ulbricht, sprach als Historiker über grundlegende Fragen zum Umgang mit nationalsozialistischer Architektur im sogenannten Erinnerungs- wie auch Vergessensdiskurs. Im Publikum kamen Fragen auf, in welcher Art und Weise auf den Ort in einem gesamten Besuchskonzept eingegangen werden kann. Zur Zeit wundern sich Weimar-Touristen eher über den leeren Platz und werden von der weiß leuchtenden Hülle des Einkaufszentrums angezogen, welches sie jedoch nicht über den Platz erreichen können.

Ob in Zukunft markantere Hinweise zentral auf der Fläche oder an dezentralen Orten auf die frühere Bedeutung als politische Zentrale der Nationalsozialisten in Thüringen eingehen werden, spielte bei der zweistündigen Veranstaltung eine besondere Rolle. In vergangenen Vorträgen der Initiative hatten zur Problematik an anderen Orten der Republik bereits Prof. Dr. Wolfgang Schäche, Prof. Dr. Stefanie Endlich aus Berlin sowie Dr. Eckart Dietzfelbinger vom Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände in Nürnberg referiert. Weitere Vorträge hielten Dr. Stefan Günzel und Prof. Dr. Berthold Hinz.

Für die Freitagsveranstaltung hatte die Initiative auch den Medienkünstler Markus Schlaffke eingeladen, dessen drei Stereoskopieobjekte an diesem Abend in der ACC Galerie eine eigene ganz besondere Interpretation (bau)geschichtlicher Rekonstruktion des Weimarplatzes zeigten.

Die Initiative Freiraum Weimarplatz versteht sich als Plattform, um zwischen den neuen Nutzungen und der Planungsgeschichte des Ortes zu vermitteln. Dabei ist, so Philippe Schmidt, vor allem gefragt, Konzepte auch außerhalb einer fachspezifischen Diskussion öffentlichen zu erörtern und zu finden.

Weitere Informationen unter www.freiraum-weimarplatz.de und www.acc-weimar.de |||||frei|||raum|||||||weimarplatz

info@freiraum-weimarplatz.de c/o Dipl.-Ing. Philippe Schmidt MSc Tel 03643 - 499 234 oder - 25 26 36 Mobil 0176-20 81 95 45

Dr. Justus H. Ulbricht

wiss. Mitarbeiter des EU-Projektes HERMES (Heritage and New Media for Sustainable Regional Development) an der Klassik Stiftung Weimar, Jena und Weimar Studium der Geschichte, Germanistik (HF) und Allgemeinen Pädagogik (NF) Von Oktober 1995 bis 1998 wiss. Mitarbeiter im VW-Projekt "Die völkische und nationalsozialistische Instrumentalisierung der kulturellen Traditionen Weimars". Von Oktober 1998 bis März 1999 Stipendiat der Stiftung Weimarer Klassik; zudem freiberuflich als Mitarbeiter an mehreren Ausstellungsprojekten im Kulturstadtjahr 1999 in Weimar. Von 2001 bis 2003 wiss. Mitarbeiter im KOLLEG FRIEDRICH NIETZSCHE der Stiftung Weimarer Klassik. Justus Ulbricht war danach freiberuflich tätig und ist seit März 2006 Leiter des kulturellen Bildungsprojekts CICERONE der Klassik Stiftung Weimar. Veröffentlichungen: Klassikerstadt und Nationalsozialismus. Kultur und Politik in Weimar 1933 bis 1945. Weimar 2002 (Hg.). Das Dritte Weimar (mit Lothar Ehrlich, Jürgen John), 1999. Das Gauforum in Weimar: Ein Erbe des Dritten Reiches (mit Norbert Korrek und Christiane Wolf). Weimar 2001

Freitag, 10.11.2006, 20:00 Uhr, ACC Galerie Weimar
Eintritt: 3 € / erm.: 2 € / Tafelpass: 1 €