6. Tischgesellschaft 'Gesellschaftsspiele'

Initiative Freiraum Weimarplatz
Freiraum Weimarplatz

... den Weimarplatz neu denken

Die Initiative frei | raum w e i m a r p l a t z widmet sich den Transformationen des Weimarplatzes am früheren nationalsozialistischen Gauforum in Weimar. Dabei stellt sich vor allem die Frage, wie im Gestaltungskonzept der "räumlichen Leere" zwischen neuen Nutzungen und einem Ort nationalsozialistischer Vergangenheit vermittelt werden kann.

www.freiraum-weimarplatz.de Kontakt: Philippe Schmidt 03643-252636

Gesprächseröffnung Dr. Stephan Günzel, Berlin
"Der Raum der Demokratie. Politik und Öffentlichkeit"

Das ‚Politische' und der ‚Raum' scheint zwei unterschiedlichen Sphären anzugehören: Dem Bereich der Objektwelt und dem Bereich der menschlichen Freiheit. - So sahen es jedenfalls die Aufklärung, die sich erstmals organisiert für die bürgerliche Öffentlichkeit als politische Instanz stark machte; gerade auch, um die Privatsphäre von politischen Ansprüchen entlastet zu sehen. Dass aber das Private wie auch das Öffentliche einer im Raum manifesten Grenze bedarf, wird erst in jüngerer Zeit registriert: Privatisierung des öffentlichen Raumes und Veröffentlichung des Privaten ist eine anhaltende Folgeerscheinung der Medialisierung und Globalisierung, welche rückblickend die angestammte Trennung von Innen/Außen sichtbar macht, die bisher eine Basis von Demokratie darstellte. Dieser Entdifferenzierung des Raumes und der Aufhebung seiner angestammten Grenzen kann sich in einer topologischen Beschreibung genähert werden, die im Eingangsvortrag des Abends als Diskussionsgrundlage präsentiert und im weiteren Verlauf durch die Besprechung der vergangenen und zukünftigen Nutzung des Weimarplatzes konkretisiert werden soll.

Dr. Stephan Günzel ist Philosoph, Kulturwissenschaftler und Medientheoretiker. Er unterrichtet derzeit an den Universitäten Berlin (HU), Jena und Lüneburg. (http://www.geophilosophie.de)

Samstag, 02.07.2005, 19:00 Uhr, ACC

Philipp Zakrzewski/Philippe Schmidt, Weimar<br /> entdeckt den Weimarplatz, Planspiel,<br /> Sternbrückenfest Weimar, 2005
Philipp Zakrzewski/Philippe Schmidt, Weimar
entdeckt den Weimarplatz, Planspiel,
Sternbrückenfest Weimar, 2005

Die wunderbare Entdeckung des demokratischen Raumes

oder wie der Weimarplatz vom Repräsentationsraum der Mächtigen zum Aneignungsraum wurde

Gesprächseröffnung haben Philipp Zakrzewski/Philippe Schmidt, Bauhaus-Universität Weimar, Institut für Europäische Urbanistik

Freiraum - dieser Begriff verändert seine Bedeutung, je nach dem, in welchem Kontext er gebraucht wird. In der Erziehung steht er für die freie Entfaltung der Begabungen und der Persönlichkeit des Kindes. Gesellschaftlicher Freiraum schafft Platz für die Verwirklichung der unterschiedlichsten individuellen Lebensentwürfe. Freiraum ist Möglichkeitsraum. Freiraum - dieses Wort verströmt den "Duft der großen weiten Welt" und verweist auf "unbegrenzte Möglichkeiten", die sich demjenigen eröffnen, der es wagt, die warme Stube, das traute Heim, die gewohnte Umgebung zu verlassen. Freiraum ist in diesem Sinne potentieller Aneignungsraum. Das Wörterbuch erklärt Freiraum als "Möglichkeit, sich frei zu bewegen u. seine eigenen Ideen zu verwirklichen" (Gerhard Wahrig: Deutsches Wörterbuch. Bertelsmann Lexikon Verlag, Gütersloh 1997, S. 503). Um diesen Begriff noch besser zu verstehen, kann man versuchen herauszufinden, was das Gegenteil von Freiraum ist. Steht man etwa vor der Tür eines ‚bestimmten' Raumes, so wird man dort entweder "frei" oder "besetzt" lesen können. Ein besetzter Raum verhindert oder erschwert die Aneignung durch Neuankömmlinge, weil er von den etablierten Nutzern dominiert wird. Die Auseinandersetzung mit dem Weimarplatz, die sowohl die Bedürfnisse und Ideen der Weimarer Bevölkerung berücksichtigt, als auch die bewegte Vergangenheit reflektiert, findet an diesem Abend statt. Dieser Platz ist derzeit ein "weißer" respektive "schwarzer" Fleck im Stadtgebiet. Ist er ein Freiraum - ein demokratischer Raum?

Philippe Schmidt und Philipp Zakrzewski sind Urbanisten und Mitglieder des Vereins der "Absolventen und Freunde der Europäischen Urbanistik der Bauhaus-Universität Weimar e.V.". Sie führen an diesem Abend ein "Gesellschaftsspiel" fort, das sie am Sternbrückenfest am 1. Mai diesen Jahres begonnen haben.