vortrag + gespräch
HERZBLUT:
Sol Lyfond, Künstler, Köln:
Die Kunst, Natur zu sein

HERZBLUT
Vortrags- und Gesprächsreihe zu zeitgenössischer Kunst. Zusammenarbeit von Kunstsammlungen zu Weimar, Bauhaus-Universität Weimar und ACC Weimar
Der Kölner Künstler Sol Lyfond (*1965) hinterfragt in seinen Performances, Installationen und Objekten die gesellschaftlichen Strukturen und versucht immer wieder, alternative Lösungen aufzuzeigen.

1995 hat er neben anderen Aktionen zum Thema Geld + Kunst (z.B. Saubere Kohle, Welkende Blüten, Schuldengebirge) die "Talentskulptur - Das Kölner Netz für geldloses Tauschen" ins Leben gerufen. Nach dem Vorbild englischer und und schweizerischer Tauschringe verbindet das Netzwerk etwa 300 Mitglieder im Kölner Raum, die ihre Waren und Dienstleistungen auf Basis der Währungseinheit "Talent" austauschen. Die Tatsache, das Sol Lyfond die Talentskulptur zusammen mit der Künstlerin Karin Schlechter als Kunstwerk gestaltet, zeigt für ihn "die Dimension, welche die Kunst nach Jahrhunderten der Verkümmerung wiedererlangen kann".

Das seine ausführliche Beschäftigung mit dem Thema "Geld" nur stellvertretend für die Arbeit an einer umfassenderen Gesellschaftsutopie steht, wird deutlich, wenn Sol Lyfond selbst über sein Projekt spricht: "Es geht also insgesamt darum, die gegenwärtig erstarrte Struktur der Gesellschaft als Gegenstand künstlerischen Gestaltens zu ergreifen und sie aus individueller Freiheit zu einem lebensfähigen Gewebe umzuformen. Die Lebensfähigkeit dieses künstlerisch geschaffenen sozialen Organismus, dieser sozialen Skulptur, hängt davon ab, inwieweit in ihnen wesensgemäße, in der Natur schon existierende Strukturen gefunden und ausgestaltet werden. Es handelt sich also um die Möglichkeit, Kultur und Natur zu identifizieren, zu gänzlichen, in dem

Sinne, dass die Natur als permanenter plastischer Prozess in eine Kultur strömt, die selbst wiederum ein permanenter plastischer Prozess ist, fähig, die kreativen Grundlagen von Natur und Kultur zu wahren, ihnen eine dauerhafte Balance zu geben. Dass dies nicht ohne eine gründliche Umwandlung der Ökonomie gelingen kann, liegt auf der Hand. Die Missgestalt der gegenwärtigen Ökonomie, die das Leben als Ganzes an den Rand des Abgrunds treibt, stellt die Frage, ob das Leben, die Evolution, an ihr Ende gelangt oder ob in der gegenwärtigen Krise auch eine Möglichkeit zur Kontinuität liegt."

Mittwoch, 5.7.2000, 21 Uhr, ACC Galerie. Eintritt frei!

Wer am aktuellen Kulturgeschehen teilhaben will, begibt sich in die Metropolen. Herzblut: Vorträge+Gespräche zur zeitgenössischen bildenden Kunst

Seit April 1997 berichten national und international renommierte Künstler, Kunstkritiker und Kunstvermittler der jüngeren Generation, deren Arbeit der Kunstszene neue Impulse verleiht, im ACC über ihre Arbeit. Strategien und Mechanismen des Marktes sollen nach den Vorträgen genauso zur Diskussion stehen, wie die verschiedenen Ansätze der einzelnen Künstler. Herzblut entspringt der Initiative einer Gruppe Studenten der Fakultät Gestaltung an der Bauhaus-Universität Weimar. Die Reihe begann 1995.