vortrag + gespräch
HERZBLUT: Stefan Banz, Luzern: Echos

HERZBLUT
Vortrags- und Gesprächsreihe zu zeitgenössischer Kunst. Zusammenarbeit von Kunstsammlungen zu Weimar, Bauhaus-Universität Weimar und ACC Weimar
"Sehen Sie", fuhr nun Jan mit ruhiger Stimme fort, "ich gebe Ihnen ein einfaches Beispiel: Ein kleines Mädchen spielt mit seiner Lieblingspuppe. Pötzlich fällt sie in ein Bassin und füllt sich vollkommen mit Wasser auf. Sie geht unter. Schnell ergreift das kleine Mädchen seine Puppe, trennt den Kopf vom Rumpf, um sie des Wassers zu entledigen. Anschliesend führt sie Kopf und Rumpf wieder zusammen. Nun, exakt in dem Moment, als das Mädchen den Kopf vom Rumpf der Puppe trennt, machen Sie einen Schnappschuss. Sie drücken sogar dreimal ab: Auf den Fotos sieht man einmal, wie das Mädchen die Puppe köpft, einmal wie das Wasser aus dem Kopf und einmal aus dem Rumpf fließt. Als unbeteiligter Betrachter scheinen diese Fotos nun eine ganz andere Geschichte zu erzählen. Man glaubt, dieses kleine Kind hätte eine markant ausgeprägte, sadistische Ader und malträtiere seine Puppe; das Wasser ist plötzlich Metapher für Blut, und die rücksichtsvolle Episode wird auf den Fotos eine 'rücksichtslose' und 'blutrünstige' Tat." (Aus Stefan Banz' bisher unveröffentlichtem Roman "Mord. Die gesammelten Werke von Jan Eide"). Der in Luzern lebende Künstler Stefan Banz (*1961) arbeitet im Ansatz immer konzeptuell, um seine Gedanken dann in Installation, Malerei, Text vor allem aber Fotografie und Video auszuführen. Im ACC war er bereits 1998 mit einem Beitrag zur Ausstellung "Mütter, ihr habt's ja so gewollt." vertreten und Ende März 2000 ging seine bisher größte Einzelausstellung (Gulliver) im Migros Museum, Museum für Gegenwartskunst in Zürich, zu Ende. Im Rahmen der Vortragsreihe HERZBLUT stellt sich Stefan Banz in Weimar vor.

Mittwoch, 7.6.2000, 21 Uhr, ACC Galerie. Eintritt frei!

Mittwoch, 5.7.2000, 21 Uhr, ACC Galerie, Sol Lyfond, Künstler, Köln: "Die Kunst, Natur zu sein". Eintritt frei!

Platzreservierungen telefonisch 03643/851 261-62 (12 bis 18 Uhr), per email info@acc-weimar.de oder Fax 03643/851 263.