ausstellung

Universitätsgalerie im ACC:
Flotsam & Jetsam. Ballast und Treibgut.

Universitätsgalerie im ACC
April 2001 bis Juni 2002

Über Kunst und Müll und Kunst mit Müll
Eine Ausstellung des Müllprojektes von Studierenden der Bauhaus-Universität Weimar, Fakultät Gestaltung.
Leitung: Prof. Liz Bachhuber, Katharina Hohmann. In Zusammenarbeit mit der Fakultät Bauingenieurwesen, Abfallwirtschaft, Prof. Werner Bidlingmaier und Matthias Klauß, Bauhaus-Universität Weimar.

Liz Bachhuber, Daniel Bartholome, Stefan Baumberger, Rafa Bernabeu, Mario Bierende, Daniel Guischard & Karo Kollwitz, Peter Heckwolf, Claudia Herbst, Katharina Hohmann, Andrea Huhndorf, Martin Kuban, René Kusche, Marc-Oliver Lau, Christoph Liebrich, Nina Lundström, Nadia Marcin, Steffen Mittelsdorf, Marko Neumeister, Akiko Oshima, Frank Petschull, Tamara Pitzer, Sophia Rasch, Georg Riedel, Felix Ruffert, Anthony Rumbach, Dorotha Thometzek, Alexander Voigt, Yuhei Watanabe, Leonie Weber.

12.01.2002 - 17.02.2002, Universitätsgalerie und ACC Galerie

Eröffnung am Freitag, 11.1.2002, 20 Uhr.

Dienstag bis Sonntag von 12 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung geöffnet. Eintritt frei!

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen (ISBN: 3-86068-159-1 (112 S., zahlreiche farbige Abb., 14 Euro).

Diese Ausstellung wird thematisch von Vorträgen und Gesprächen begleitet, die in der Bauhaus-Universität Weimar und im ACC (Veranstaltungsreihe 'plus') stattfinden. Über die Vorträge, deren Termine und Referenten informieren wir rechtzeitig. Bitte die Veröffentlichungen der Presse beachten!

Müll und Kunst und Kunst mit Müll

Flotsam: Treibendes Wrackgut, Strandgut, Seetrift

Jetsam: Um das Schiff zu erleichtern über Bord geworfene Güter

Mario Bierende, Verwandlungen, 2001 (Ausstellungseröffnung). Foto: Alexander Burzik Aus der Sicht der Künstler stellt sich die Frage, ob ein weggeworfenerGegenstand Müll ist, oft überhaupt nicht. In dem Moment, da Abfall zum Objekt genauererBetrachtung gemacht wird, gewinnt er wieder an Wert. "Abfall ist ekelerregend und gefährlich. In seiner Unkontrollierbarkeit aberist er das ideale Material für die Kunst der Moderne" notiert Dietmar Rübel,Kunsthistoriker aus Hamburg. In der ACC Galerie stellen vom 12. Januar bis zum 16. Februar 29 Künstler und Künstlerinnen ihre Positionen zu diesen Thema vor.

David Mannstein und Katharina Hohmann (Ausstellungseröffnung). Foto: Maria Vill Erstaunlicherweise stinkt der Abfall nicht. Wohlgeordnet erscheinen die Dinge nun aufgereiht an Wänden und in Rahmen, liebevoll betrachtet und behandelt. Künstler sind doch eher die Spurensicherer, die Lumpensammler, die Schatzsucher. Kaum jemand findet Anstoß am Müll, kaum einer bearbeitet vordergründig gesellschaftskritische Fragestellungen. Müll ist Material und kann wie anderes Material auch, Auslöser für künstlerisches Handeln sein; nur dass die Ware Müll nichts kostet und vom Menschen schon durch seinen Gebrauch eine Spur von Bedeutung gewonnen hat. Das Transformieren von Müll in Kunst also scheint den Künstlern leicht zu fallen.

Marko Neumeister, Weißblech, 2001. Ausstellungseröffnung. Foto: Alexander Burzik Das Bösartige, Anarchische, das Chaotische wird gezähmt und sortiert und findet im Museum neuen Schutz vor weiterer Müllwerdung. Dabei ist die Galerie ja auch schon wieder Endstation, und damit das Stroh zu Gold gesponnen. Das Wesen der Kunst findet in der Umsetzung von Müll zu Kunst wohl ihre allereigenste Bestimmung. "Abfall ist Träger einer Geschichte von unten, die niemand zu schreiben bereit scheint. Abfall in der Kunst ist das Gegenkonzept zu den Separierungstechniken der industri- ellen Verwertung." so Martin Schmitz, Verleger und Galerist, in unserem Müll-Symposium, Juni 2001. Die Vielfalt der Ansätze reicht von raumgreifenden Installationen über Videoarbeiten bis hin zu Designobjekten. So bedeutet für viele der Studierenden die Beschäftigung mit Müll eine Auseinandersetzung mit dem Wiederaufrufen von Erinnerungen. Anderen Ansätzen dient der Abfall schlicht als Material für die Schaffung neuer Kunstwerke oder als Perspektive für einen sozialen und politischen Blick auf unsere Gesellschaft. Flotsam & Jetsam - Ballast und Treibgut, ist eine Ausstellung mit ebenso vielen Facetten, wie es weggeworfene Dinge gibt. Kassel war im Herbst 2001 Ort eines besonderen Experiments: In einem Pilotprojekt wurden hier erstmals BAW (biologisch abbaubare Wertstoffe) flächendeckend auf den Markt gebracht. Die Fragestellung war: Welche Verpackungsmaterialien können tatsächlich in Kompostieranlagen zu Humus verwandelt werden, statt auf der Müllhalde zu landen? Prof. Werner Bidlingmaier und seine Mitarbeiter von der Fakultät Bauingenieurwesen der Bauhaus-Universität Weimar, Abteilung Abfallwirtschaft, waren an diesem Projekt mit beteiligt. Die erste Station unserer Ausstellung Flotsam & Jetsam - Ballast und Treibgut fand deshalb im Oktober 2001 in der Documentahalle Kassel statt.

Prof. Werner Bidlingmaier und seine Mitarbeiter sind in der ACC Galerie mit etwa 30 Dokumentarfotografien nebst Texten, sowie einem Video und Requisiten vertreten, die den heutigen Blick auf abfallwirtschaftliche Fragestellungen erläutern.


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