Gabriel Machemer

International Studio Program of the ACC Galerie and the City of Weimar (since 1994)

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Municipal Studio Building

Gabriel Machemer ist der zweite Stipendiat des 9. Europäischen Atelierprogramms "Herkunft? Niemandsland!" der ACC Galerie und der Stadt Weimar 2003 in Zusammenarbeit mit der Stiftung Weimarer Klassik und Kunstsammlungen. Er wird von Juli bis Oktober in Weimar leben und arbeiten. Machemer, der in Halle an der Saale Kunst studierte, produziert seit drei Jahren monatlich ein Radiofeature über nennenswerte Dinge, die mit dem Buchstaben H beginnen. Er wird das Thema des diesjährigen Atelierprogramms kulturhistorisch und literaturwissenschaftlich erforschen, in eine Hörproduktion umwandeln und mit Sprechern aus Weimar produzieren.

Aus Machemers Bewerbungsschreiben: "Was sich mir damals mit dem H als die völlige Eingrenzung anbot, hat sich genau ins global universale Gegenteil gewandelt. Während ich in jenem Monat noch über Hofpumpen, Handwagen und den Heiligen Hieronymus forschte, bin ich im nächsten Monat bei Hebräismen oder bei Hamann und dessen Ziehsohn Herder. Obwohl Herder Pfarrer war, strebte er einen säkularisierten Humanismus an, wie die Humanisten zur Zeit Huttens. Doch im Herkunftsbewusstsein und Einheitsstreben waren sich beide ähnlich. Was ist die Kulturnation, wer pflegt denn die Tugend? Was im 20. Jahrhundert niemand mehr wahr haben wollte: die stolzesten Deutschen mit dem größten Nationalbewusstsein waren galizische Juden, die durch Handel nach dem 30jährigen Krieg bis ins späte 19. Jahrhundert hinein zu Geld gekommen waren und als einzig wertvolle Kulturnation die ihnen westwärts gelegenen deutschen Lande ansahen, sie haben ihre Kinder in von ihnen gegründete deutsche bürgerliche Gymnasien gesteckt und die so sprichwörtliche deutsche Tugend der Gründlichkeit verwirklicht, um sich im entfernten Galizien von der polnisch oder russisch sprechenden Mehrheit abzuheben. Weder die Engländer, Franzosen, noch die Franken, Schwaben, Sachsen oder die Bayern haben ihre Deutschtümelei so offenbart. Darüber hinaus stammt aus der Zeit der Sprachgesellschaften im Barock die Idee der 'Adamitischen Urspache', der Sprache im Paradies, bestehend aus einer Mischung des ebräischen und klangmalendem Deutsch."


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Texte von Gabriel Machemer: