Bjargey Olafsdóttir, Island

International Studio Program of the ACC Galerie and the City of Weimar (since 1994)

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Municipal Studio Building

Die junge Künstlerin Bjargey Ólafsdóttir, geboren 1972 in Reykjavik, wird von September bis Dezember 2002 als dritte und letzte Stipendiatin des 8. Europäischen Atelierprogramms des ACC und der Stadt Weimar hier leben und arbeiten. Die Künstlerin, deren Œuvre sich von Videoinstallationen, Fotografien, Gemälden bis hin zu Performances erstreckt, wird sich während ihres dreimonatigen Aufenthaltes mit dem Thema "über MENSCHEN, about men - about human beings - supermen?", dem Thema des diesjährigen Stipendiatenprogramms, auseinandersetzen.

Bjargey Ólafsdóttir plant, sich mit ihrem Projekt "The Diamond sales woman / The story of Gertrud" der Weimarerin Gertrud zu nähern. Ausgangspunkt bilden Gertruds Karrieren als Tänzerin und Diamantenverkäuferin, die in einem Film und einer Installation dokumentiert und kommentiert werden sollen. Gertrud verfügt über ein riesiges Arsenal an Fotografien, denn jede ihrer Kundinnen, der sie Diamanten verkaufte, wurde von ihr abgelichtet. Auch Gertruds Hund, ein Hausgeist und Polarbären spielen eine Rolle - beim letzteren macht sich Ólafsdóttirs arktischer Background bemerkbar. Die Künstlerin will sich auf eine spannende Reise durch das Leben Gertruds als Tänzerin und Diamantenverkäuferin begeben und wird versuchen, ihr einige Geschichten über ihr Leben mit den Diamanten und zu Stationen ihres Lebens darüber hinaus zu entlocken. Film und Installation sind somit als Ergebnis des Kennenlernens, Zusammenlebens und Austausches zwischen der Künstlerin und Gertrud zu sehen.

"Die Diamantenverkäuferfrau / Die Geschichte von Gertrud: Gertrud war Tänzerin in Berlin. Sie kam vor langer Zeit hierher, weil sie sich in einen Diamantenexperten verliebte. Sie heirateten, er starb kurz danach. Gertrud stieg ins Diamantengeschäft ein. Frauen aus der ganzen Welt kamen zu ihr, weil sie Expertin für Diamanten und deren perfekte Präsentation am Körper der entsprechenden Frau geworden war. Nun ist sie alt und macht sich Sorgen über ihr riesiges Fotoarchiv, weswegen sie mich um Hilfe bat. Deshalb will ich nach Weimar kommen und einen Plan ausarbeiten. Ich denke darüber nach, einen kurzen Film zu machen, aufbauend auf ihrem Leben als Tänzerin und als Ehefrau eines Diamantenverkäufers. Ihr Hund soll mit in den Film einbezogen werden, der spricht und versucht, den Hausgeist zu fangen. Ich denke darüber nach, einige ihrer exzellenten Fotos auszuwählen und auszustellen. Gertrud hat ein großes Faible fürs Zeichnen. Deshalb will ich auch auf diesen Teil ihres Lebens eingehen.

Die Geschichte von Gertrud markiert den Ausgangspunkt meiner Arbeit hier in Weimar. Ich will sie treffen, ihre Arbeit sehen und eine Installation davon machen. Sie hat mir die Erlaubnis gegeben, ihr Archiv zu nutzen, da sie mir sehr vertraut. Ich werde wahrscheinlich einiges hinzufügen, um es interessanter und moderner zu machen. Ich weiß noch nicht, was dies genau sein wird, aber ich denke an Bilder von Polarbären und das Erleben von furchtbarer Kälte. Gertrud und ich werden zusammenarbeiten und es wird sehr interessant sein, sie besser kennen zu lernen und alle ihre fantastischen Geschichten zu hören. Sie lebt in einem dieser alten Paläste in Weimar und ich hoffe, sie lässt mich für einen Teil meines Aufenthaltes bei ihr wohnen. Ich habe schon immer davon geträumt, in einem richtig barocken Raum zu leben, meine modernen Sachen auszubreiten und MTV zu schauen. Ich bin sicher, dass Gertrud und ich etwas Außergewöhnliches für das 8. Europäische Atelierprogramm schaffen."

(Bjargey Olafsdóttir)