PRESSEMITTEILUNG:

PING-PONG: Birger Jesch und Jürgen O. Olbrich
Die Bilanz einer 25jährigen Künstlerfreundschaft
Dauer: 27.1. bis 18.3.2007

Pressemitteilung

ACC, Burgplatz 1+2
99423 Weimar
T 03643/851261
F 03643/851263
info[at]acc-weimar.de

Eröffnung am Freitag, 26.1.2007, um 20 Uhr in der ACC Galerie Weimar, Burgplatz 1+2. Es sprechen Frank Motz (Vorstandsvorsitzender ACC Weimar) und Bernhard Balkenhol (Vorstandsvorsitzender Kasseler Kunstverein).

Birger Jesch (Blankenhain) und Jürgen O. Olbrich (Kassel): Künstlerfreunde von Atelier zu Atelier, Seelenverwandte seit 25 Jahren, Networker, Spurensicherer und Konzeptartisten, die in ihr Tun Kollaborationspartner weltweit einbeziehen. Beide Künstler arbeiten mit Fundmaterialien, Methoden des Zufalls und Wort-Bild-Kombinationen, um ablaufende Zeit zu dokumentieren. Vor der deutsch-deutschen Wiedervereinigung wurde der Westkünstler mit Willkür, Zensur und subtiler Entmündigung im Osten vertraut; der Produzent im Osten hingegen lernte die zeitgenössischen Copy-Verfahren kennen und öffnete seinen Horizont für zeitgemäße künstlerische Arbeitsweisen.

Der Thüringer Jesch gehört zu den Initiatoren der Mail-Art in der DDR, die mit den Mitteln der Postkarte und des Briefumschlags eine eigene Vernetzung und Öffentlichkeit herstellt, Teil der oppositionellen DDR-Kunst war und bis heute ist. Jesch hatte 1981 das Mail-Art-Projekt "Schießscheiben", die erste öffentliche Vorstellung eines freien internationalen Netzwerk-Projekts in der DDR überhaupt, in Dresden ausgestellt. Der Hesse, Weltbürger und documenta-8-Künstler Olbrich begann 1973 mit Fotokopierern zu experimentieren (berühmt ist seine Performance Fotocopy - Rock'n'Roll). Mail-Art, Copy-Art, Performance und Kommunikation in einem international weit verzweigten Netzwerk sind wichtige Aktions- und Arbeitsbereiche, in denen er dem profanen Informationsalltag eine künstlerische Seite abgewinnt. Über zwei Jahrzehnte existieren Olbrichs Unternehmen "No-Institute", sowie seine Künstlerzeitschriften "No News" und "Collective Copy".

Als Olbrich 1981 unterwegs nach Polen einen zweistündigen Abstecher nach Dresden wagte, begegnete ihm Jesch während eines illegalen Künstlertreffens in einer Privatwohnung. Jesch und Olbrich kannten sich damals über das internationale Mail-Art-Netzwerk bereits seit Jahren. Die Freundschaft der Beiden währt nun einen ähnlich langen Zeitraum nach der Wiedervereinigung wie vor diesem Ereignis, das ihrer Arbeitsbeziehung neue Wege offenbarte.

Für die ACC Galerie Weimar komponieren der Thüringer und der Hesse einen PING-PONG von 15 künstlerischen Situationen quer durch die Kunsträume. So kann einerseits die Entwicklung der Freundschaft erstmals über eine retrospektiv angelegte große Auswahl an Netzwerk- und Konzeptarbeiten verdeutlicht werden, gleichzeitig durch den informellen Netzwerkcharakter anhand der Arbeitsverfahren zweier Künstler 25 Jahre deutsch-deutscher und internationaler Kunstgeschichte nachgezeichnet und bis in die Gegenwart verfolgt werden. Neben eigenen Werkreihen und Projekten von Jesch (u.a. "Schlendergang", "Communication Breakdown", "Goethekreuz", "Schwarz auf Weiß", "Trikoloren" und "Artist Rubber Stamps") und Olbrich (u.a. "Paper Police", "Archiv der verlorenen Informationen" "News Shoez", "Das Wort-Schutz-Depot", "Klassikerkergrube" und "The Artists' Memory") stellen beide Künstler aktuelle gemeinsame Projekte zu den Themen Korrespondenz und deutsch-deutsches Netzwerk (u.a. eine Künstler-Briefmarken-Edition) vor und beziehen Gastkünstler aus vier Kontinenten in die Ausstellung ein. Es erscheint eine gemeinsame Edition (Auflage 10 Exemplare). Parallel zur Ausstellung finden vier Aktions-Veranstaltungen statt. Weitere Informationen auf Anfrage oder über www.acc-weimar.de.

Die Ausstellung PING-PONG wird von der KULTURSTIFTUNG DES BUNDES, dem Thüringer Kultusministerium, der Stadt Weimar und vom ACC-Förderkreis gefördert.

weitere Informationen zur Ausstellung: PING-PONG