Bewegte Bilder
Sonderausstellung im Speicher Weimar

Pressemitteilung

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Nach "Questions - Fragen" von Bettina Munk (1995) und AUS WEIMAR! KOPF AN KOPF mit Weimarer Künstlern (1996) gibt es auch 1997 wieder eine Ausstellung der ACC Galerie im ehemaligen Kornspeicher in der Karlstraße 5. Das junge Künstlerpaar Sander & Sachsenmaier zeigt mit "Bewegte Bilder - Projektionen im Raum" die bereits 2. Videoausstellung des ACC in diesem Jahr.

Im Speicher Weimar installieren die Künstler drei speziell für den Ort konzipierte Video-Visionen. Seine Wände und Intarsien werden teils direkt als Bildträger verwendet, teils durch plastische Einbauten verändert. Monochrome, alltägliche Gegenstände oder von den Künstlern geschaffene Installationen und Skulpturen zeigen ihre anderen Seiten, wenn sie sich zu farbigen, variablen Lichtplastiken verwandeln, die im Zusammenspiel mit gesampleten akustischen Akzentuierungen illusionäre Raumcollagen entstehen lassen. Die Synthese von Bild und Ton verstärkt deren sinnliche Ausstrahlung. Die Choreographie der bewegten Videobilder suggeriert eine abstrakte Handlung. Da bauen sich Häuser und Türme aus Quadern und Rechtecken auf, kleine runde Rosetten klettern bis zur Spitze hoch, bis alles wieder übereinanderpurzelt. Fläche, Struktur, Farbe und verschiedene Tempi fügen sich zu menschenleeren Traumgebilden zusammen. Stets auf die organische Verbindung der einzelnen Komponenten bedacht, sorgen optische Verzerrungen, Überlagerungen, Überblendungen für nimmermüde Metamorphosen aus fiktiven Bildkonstellationen.

Die beiden gebürtigen Schweriner Andreas Sachsenmaier (studierter Schmuckdesigner, geb. 1960) und Thomas Sander (studierter Innenarchitekt, geb. 1967), die an der Fachschule für Angewandte Kunst in Heiligendamm und an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung in Wismar studierten, arbeiten seit 1989 in den Bereichen Video und Film, Objekt und Installation zusammen. Auf dem Dachboden eines alten Hauses in Schwerin entstanden ihre ersten Gemeinschaftsarbeiten, als sie mittels Video den Entstehungsprozeß von Gemälden dokumentierten. Direkte Bezüge zur abstrakten Malerei lassen sich auch in ihren neuesten Arbeiten herstellen.

Die Eröffnung der Ausstellung findet am Dienstag, dem 7.10.1997 um 20 Uhr in Anwesenheit der Künstler statt, die vom Weimarer Fotokünstler Claus Bach vorgestellt werden. Bewegte Bilder ist bei freiem Eintritt vom 8.10. bis 1.11.1997, dienstags bis sonntags von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Begleitend erscheint eine Broschüre. Das Projekt wird von Herwig Huth, Speicher Weimar, dem Druckhof Gampe, Bergen, der Videowerkstatt Schwerin, der Fortbildungsagentur, Magdeburg, dem Kulturamt Schwerin und dem Kultusministerium Mecklenburg-Vorpommern unterstützt. Bemerkungen über Sander & Sachsenmaier aus Interviews, Rezensionen und Katalogen:

"Wir gehen davon aus, daß das eigentliche Bild letztlich im Betrachter selbst entsteht, wir liefern ihm eine akustische, visuelle Vorlage, einen Raum, in dem er die Möglichkeit hat, sich damit auseinanderzusetzen."

"Die Bilder gleiten befreit von konkreten Inhalten in den Raum, fesseln das von alltäglichen Wahrnehmungsmustern manipulierte Auge und tauchen die visuelle Neugier des Betrachters in den Fluß wie beiläufig entstehender Poesie, in ein unendlich schillerndes Kaleidoskop der erinnerten und erträumten Bilder, langsamer als der Herzschlag."

"Kompositionen aus farbig-bewegtem Licht, Geräuschen und Klängen, Collagen, die gleichermaßen räumlich, visuell und akustisch erfahrbar werden können und dem Betrachter die Freiheit einer ganz individuellen, assoziativen Aneignung geben."

"Sander & Sachsenmaier offenbaren die Kraft in der Ruhe langsam fließender Bilder."

"Die Leute wollen oft die Bilder entschlüsseln. Sicher ist, daß die Kraft des Suchens nach dem Schlüssel sich in der Gewißheit wiederfinden kann, daß es den Schlüssel nicht mehr braucht. Gefunden hat man vielleicht etwas viel Wertvolleres. Den Traum, die Weite der Möglichkeiten, die unendliche Vielfalt der Gesichter, die die Welt annimmt."

"Dadurch, daß ein rasanter Bilderwechsel und harte Bildschnitte vermieden werden, das Bildgeschehen nicht von Action, sondern von Kontemplation getragen wird, bietet die Videokunst die Chance, trotz ihrer Affinität zum Massenmedium Fernsehen, Sehen wieder zum Erlebnis werden zu lassen und dem allgemeinen Wahrnehmungsverhalten entgegenzuwirken."

"Sehen wird zum bewegenden Erlebnis, in der Zeit der schnellen Bilder zu einer Alternative gegenüber dem Massenmedium Fernsehen."

"Ich denke, daß unsere Arbeit eine Intervention zu den Fernsehbildern und Videoclips ist, von uns vielleicht gar nicht so bewußt gemacht, sondern eher intuitiv entwickelt."

"Das Publikum kann sich unter den oft architektonischen, an Baugerüste oder Fabrikhallen erinnernden Strukturen Flugzeuge, Satellitenschüsseln oder Totemfiguren vorstellen, oder auch ganz anderes."

"Wir arbeiten mit abstrakten Gebilden und können im Prinzip immer neue Filme mit dem gleichen Material zusammenstellen, so daß wir es im Grunde genommen wieder recyclen. Wir müssen jetzt nicht in die Natur gehen und Material sammeln für den nächsten Film. Wir können mit dem arbeiten, was wir irgendwann einmal aufgenommen haben und es in eine andere Form bringen. Eigentlich kann man die Parallele zur Malerei ziehen. Man malt sehr viele Bilder, später wählt man aus und einige werden wieder übermalt oder man läßt Teile und fügt sie neu zusammen. Im Klang ist das ein bißchen anders, früher haben wir genauso Naturgeräusche geschichtet, gesampelt und rhythmisiert. Heute erarbeiten wir die Klänge zum größten Teil mit dem Synthesizer."