Droog Design im ACC

Pressemitteilung

ACC, Burgplatz 1+2
99423 Weimar
T 03643/851261
F 03643/851263
info[at]acc-weimar.de

Der Droog-Virus geht um. In den Modetempeln von Giorgio Armani, im Paramount Hotel in New York, im MoMa oder auf den Seiten führender Designmagazine - überall begegnet man den Objekten der holländischen Gruppe Droog Design. Seit vier Jahren ist die Designwelt alles andere als gleichgültig, eher verstört und entzückt, redet sich die Köpfe heiß über diese Initiative, ein weltweit einmaliges Designlabor, das rund um den Erdball Furore macht. Droog ist investigatives Design. Droog ist Form gewordene Neugier. Droog ist lebendiger, vibrierender Widerspruch, ist Brain & Soul. Droog ist disziplinierter Spieltrieb. Droog ist selbstbewußte Bescheidenheit. Droog ist eine Haltung, ein Label, ist Freiheit. Droog ist aufregendes Design aus Holland. Droog ist eine Talentschmiede aus Amsterdam mit Kultstatus. Die Objekte von Droog Design sind so, wie man sich gute Freunde wünscht: Witzig, intelligent, unterhaltsam, verläßlich. Die 80. Ausstellung des ACC sprengt insofern den künstlerischen Rahmen seines Programms, als daß erstmalig seit Gründung der Galerie 1988 Design-Objekte gezeigt werden. Aus der Sammlung des Centraal Museums Utrecht und von 22 Designern selbst stammen mehr als sechzig, zwischen 1991 und 1997 entstandene Exponate der Amsterdamer Stiftung Droog Design. Im Februar 1993 erblickte Droog Design mit "einer Art Wohnzimmerausstellung" zu holländischem Design das Licht der Welt. "In einer Mischung aus Naivität, Instinkt und Cleverness" beschloß ihr Initiator und Gründer, der 55jährige Designer Gijs Bakker, noch im selben Jahr an der wichtigsten Messe für Designer in Mailand teilzunehmen. Enthusiastische Kritiken waren die Folge. Am Freitag, dem 24. Oktober 1997 um 20 Uhr wird Bakker die Ausstellung im ACC selbst eröffnen. Schon vorher, zum Preview um 14 Uhr, spricht er in der Großen Galerie über Geschichte und Wesen von Droog Design. Gemeinsam mit der Designkritikerin Renny Ramakers (51) verfolgt er mit Droog Design das Ziel, Entwicklungen des niederländischen Designs zu promoten, im permanenten Experiment nach neuen Wegen des Designs zu forschen. Mit "aufgeklärtem Absolutismus" bestimmen die beiden, was Droog ist und was nicht, ganz undemokratisch filtern sie, suchen aus, beauftragen, holen ständig neue Talente hinzu, die oft gerade frisch von der Schulbank kommen. Positionen werden ständig hinterfragt und neubestimmt. Diese Flexibilät ist gewollt und definiert den Willen von Droog Design, sich nicht einordnen zu lassen: "Am Anfang hat man uns oft als ökologische Gruppe interpretiert. Da haben wir im Gegenzug viel aus Plastik gemacht." Schon das Spiel mit dem Wort "droog" ("nüchtern") bezeichnet das Wesen der Gruppe und die Haltung seiner Macher. Die Produkte, die unter diesem Begriff zusammengefaßt sind, lassen sich durch ein schlichtes Design und eine klare Einfachheit charakterisieren, ohne viel Aufhebens, ohne großes Drumherum. Häufig ist dabei gar von einem subtilen "Nicht-Design" die Rede, das sich von der vorherrschenden Designästhetik und von der glatten "Designsoße" abwendet, mit der "Design" im allgemeinen assoziiert wird. Das Wesen niederländischen Designs wurde oft mit Worten wie ruhig, fundamental, zurückhaltend, bescheiden definiert. Spätestens seit der Gründung von Droog Design fallen in diesem Kontext auch Begriffe wie humoristisch, pfiffig, widerspruchsvoll, aufregend, theatralisch, mystisch, sensuell, lüstern, poetisch. In einer Zeit, in der klar wird, daß das Umweltproblem ernst genommen werden muß, die wirtschaftliche Rezession spürbar und die sparsamere Lebensführung ein gesellschaftliches Phänomen geworden ist, stellt Droog Design aus einfachen, mitunter wiederverwendeten Materialien und Formen (Packpapier, Abbruchholz, Milchflaschen) unaufdringliche Produkte her, auf das Gewohnte hin ausgerichtet, weder bedeutungsgeschwängert noch überfrachtet, ohne Tand. Design, das kein Design sein will. Die Stiftung Droog Design wählt die Produkte aus und präsentiert diese als Sammlung auf der internationalen Bühne. Darunter finden sich Möbel, Lampen, Wohnaccessoirs, Gardinenstoffe, Tapeten, aber auch ein Wasserhahn, der je nach Wassertemperatur blau oder rot leuchtet, Badfliesen mit integriertem Fernsehmonitor, ein Bücherschrank, der mit dem Bücherbestand wächst, eine Türklingel aus Weingläsern, eine Verpackung für Blumenzwiebeln oder Vasen, die sich unter dem Gewicht der Blumen verformen. Djoke de Jong hat einen Tisch in Schultafelfarbe ausgeführt, als Zeichenfläche für die Mallaune der Kinder, Telefongesprächsnotizen, Nachrichten für die Hausgenossen. Rody Graumans Kronleuchter "85 Lamps" im "brachialen Baumarkt-Charme" besteht nur aus dem Allernotwendigsten: Einem Bündel aus 85 Glühbirnen, bekrönt durch ein Knäuel von Lüsterklemmen. Tejo Remy fertigte eine Lampe, die aus 12 von der Decke hängenden und nur mit Glühbirnen gefüllten Milchflaschen besteht. Vom selben Designer stammt ein Schrank aus alten, ausrangierten Schubladen, die wieder einen Holzrahmen erhielten und, scheinbar willkürlich übereinander gestapelt, mit einem Band zusammengezurrt wurden. Eine Metapher für Droog Design: "Viele Schubladen. Ein bißchen schräg. Eigentlich paßt nichts so richtig zueinander. Und trotzdem hält alles irgendwie zusammen." Bis 7.12. ist die Ausstellung täglich außer montags von 12 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung geöffnet. PS: Auf die Idee, scheinbar mit Wassertropfen bedeckte Kacheln zu gestalten, kam Arnout Visser über die physikalische Eigenschaft eines Materials, das ihn besonders interessiert. Glas verflüssigt sich in erhitztem Zustand und fällt dann wie Wassertropfen zu Boden. Droog Design nahm die Kacheln sofort in die aktuelle Badkollektion auf. Mit Arnout Visser veranstaltet die Fakultät Gestaltung der Bauhaus-Universität Weimar, Studiengang Produktdesign, unter der Leitung von Prof. Kuno Prey und Prof. Axel Kufus und in Zusammenarbeit mit der Jenaer Glaswerk GmbH vom 21.10. bis zum 1.11.1997 einen Glasworkshop für Studenten, die am Projekt "weimar design souvenir 1999" teilnehmen.