Jan Wenzel

Jan Wenzel (Leipzig, *1972) hat sich seit acht Jahren in seiner künstlerischen Arbeit allein dem Paßbildautomaten verschrieben. Seine dabei entstehenden Automatenfotografien hat er 1996 erstmals im ACC vorgestellt, wo sie 1997 in den Ausstellungen Droog Design und Der rettende Engel zu sehen waren. Eine zukünftige Einzelausstellung ist in Planung, ebenso ein gemeinsames Buchprojekt mit Friederike Mayröcker. Wenzel, der Germanistik und Kunstgeschichte studierte, sagt von sich, noch nie mit einer Kamera gearbeitet zu haben. Als mittlerweile freischaffender Fotograf ohne Kamera bedient er sich des Paßbildautomaten, den er in einen Bildraum verwandelt und mit der vorher im Kopf zurechtgelegten Geschichte füllt. Als Szenograf, Dekorateur, Regisseur und manchmal auch als Schauspieler zeichnet er verantwortlich für die aus mehreren Seiten mit den vier übereinanderliegenden Bildern entstehenden Gesamtkompositionen. Er vermag es, Bilder aus mehr als 10 Streifen zusammenzusetzen, sodaß das automatentypische Raster der weißen Rahmen fast wie nachträglich aufgesetzt wirkt. Zwei Themen widmet sich Wenzel in seinen einmaligen Werken - es gibt nur ein Original, der Automat kennt kein Negativ - mit besonderem Interesse: dem Porträt und der Natur. "Die strenge Apparatur des Fotofix-Automaten erlaubt letztlich nur ein Spiel aus absoluter Beherrschung der Mechanik und den Zufällen, die bei jeglicher Art von Inszenierungen passieren können. Es ist ein Spiel mit der starren Kamera, der ein Bild beigebracht werden muß, das aber erst dann zu einem Bild wird, wenn es der Autor für Betrachter entsprechend zusammenstellt."
(Thomas Irmer, nbk 2/98)