Partnerinstitution Halle 14:

The Culture of Fear - Die Kultur der Angst

Partnerinstitution Halle 14:

The Culture of Fear - Die Kultur der Angst

Ausstellung der Stiftung Federkiel in Zusammenarbeit mit der ACC Galerie Weimar und Knut Birkholz (Rotterdam) vom 29.4. bis 1.10.2006.

Halle 14, Leipziger Baumwollspinnerei, Spinnereistr. 7.

Vernissage: Samstag, 29.4.2006, 15 Uhr.

Rundgang Leipzig: Sa, 29.4., 11-21, So, 30.4., 11-18 Uhr.

Öffnungszeiten: Fr und Sa 11-18 Uhr, So 14-18 Uhr.

Öffentliche Führungen: jeden Sa 15 Uhr.

Gefördert von der KULTURSTIFTUNG DES BUNDES, dem Generalkonsulat der USA Leipzig sowie The Japan Foundation und unterstützt durch die Leipziger Baumwollspinnerei Verwaltungsgesellschaft.

Stiftung Federkiel, Spinnereistraße 7, 04179 Leipzig, http://www.federkiel.org
fon +49(0)341.4 92 42 02
fax +49(0)341.4 92 47 29
email halle14@federkiel.org

Angst als Gefühlszustand und Konzept ist zu einem allgegenwärtigen Lebenspartner geworden. Ihre Produktion beherrscht ganze Industriekomplexe, macht sie zu einer Schlüsseltechnologie der Macht, verändert unsere Wahrnehmung von Gefahr und schafft ein sich fortwährend wandelndes Konsumverlangen. Als Wirtschaftsfaktor bildet sie einen wesentlichen Schrittmacher und dient als Strategie der steten gesellschaftlichen Erneuerung. 24 Künstler und Künstlergruppen formulieren Denk- und Handlungsalternativen, um gegenüber der Erzeugung von Angst wachsam zu bleiben.

In den Digitalgemälden der russischen Künstlergruppe AES+F verschmelzen vertraute Bilder aus der Werbe-, Unterhaltungs- und Kriegsindustrie zu fantastischen Zukunftsvisionen. Mittels charakteristischer Portraits von Personen der Zeitgeschichte ironisieren die Gemälde von Caroline Bachmann und Stefan Banz nicht nur deren habituelle Verwandtschaft. Peter Bux untersucht analytisch ermittelte Fluchtbewegungen bei Gefahrensituationen in Bauwerken und leitet daraus grafische Modellvorstellungen von Idealpanik und ortsspezifisch "angewandter" Panik ab. Das Critical Art Ensemble zeichnet mit seinen Arbeiten zu politischen Aspekten der Biotechnologie das mikroskopische Bild einer Kultur der Angst, in der Strafbehörden willkürlich diejenigen verfolgen, die durch staatliche Institutionen beschützt werden sollten. Luc Delahaye dokumentiert bewegende Ereignisse in fotografischen Tafelbildern, die suggestive Kraft seiner Arbeiten durch digitale Bearbeitung noch steigernd. Christoph Draeger untertitelt sein footage-gespeistes Remake einer Katastrophensimulation mit Fragmenten aus George W. Bushs zweiter Präsidentschaftsantrittsrede. Kyoko Ebata befragte 100 Menschen nach angstumwobenen Schauplätzen ihrer Kindheit. In "No time to fall" verwandelt Maria Friberg George W. Bushs "Rede zur Lage der Nation" in dessen gesammeltes Schweigen - einen Katalog vielsagender Gesten. Mandy Gehrt reagiert auf Ressentiments gegenüber Muslimen und darauf, wie Ängste vor und Vorurteile gegenüber dem Islam verstanden werden können. Auf Videostills von Johan Grimonprez sind Flugzeugentführer porträtiert, die gemeinsam eine verstörende Ahnengalerie der Verblendung bilden. Philipp Lachenmann befasst sich mit Bildern, die aufgrund ihrer massenmedialen Verbreitung den wahren Gehalt der Ereignisse oft verfälschen und so zur Vorurteils- und Mythenproduktion beitragen. Lucas Lenglet versperrt den vorgefundenen Raum installativ und erzeugt damit Sinnbilder der Aus- und Eingrenzung von Menschen. Der Kasache Yerbossyn Meldibekov entwirft den im postsowjetischen Zentralasien angesiedelten Staat "Pastan" - dessen Basis bilden die Identitätskrise der früheren Sowjetkolonien und die Übernahme des Islam als Staatsreligion. Durch Kiosk NGO kommen Jugendliche aus dem Grenzgebiet zwischen Serbien und dem Kosovo zu Wort und geben der Hoffnung Ausdruck, dass das Sprechen über die erlebten Konflikte zum versöhnlichen Austausch wird. Trevor Paglen konzentriert sich auf räumliche Aspekte militärischer Geheimhaltung und nutzt astrofotografische Technik zur Aufnahme von Testarealen und Flugzeugen von CIA und US Army. Um die von ihren Eltern geplante Hochzeit und das patriarchalisch vorbestimmte Leben einer Georgierin zu umgehen, sah Nino Sekhniashvili nur im Banküberfall einen Ausweg. Austin Shull entwickelt Überlebenssysteme zur Infektionsvermeidung unter dem Slogan "Die Epidemie kommt bestimmt, KAUF JETZT!" Efrat Shvily dokumentiert, wie die Bevölkerung Israels sich mittels festungsartig anmutender Wohngebäude in unwirtlichem und höchst unsicherem Territorium zu behaupten sucht. Nedko Solakov antwortet auf das weltweite Interesse, sich das Gesicht eines Propheten vorzustellen, mit einem Besucherangebot. The Yes Men betreiben Kommunikationsguerilla mittels "Identitätskorrektur" und treten als gefakete Repräsentanten auf den Konferenzen internationaler Firmen, Institutionen und Verbände auf, deren Ziele sie bloßstellen. Noboru Tsubaki ruft zur gemeinsamen praktischen Behebung lokaler wie globaler Missstände auf, beginnend mit der Untersuchung von Verständnis- und Vermittlungsschwierigkeiten im Umgang mit Umweltproblemen und ihrer öffentlichen Darstellung. Die Do-it-yourself-Architektur von Oscar Tuazon eröffnet Alternativen zur konventionellen öffentlichen wie privaten Raumnutzung. Mit der Astrologin "Makara" gestaltet Peter Wächtler einen idealen Entspannungs- und Heilungsort für Menschen, die unter Zukunftsängsten und sich daraus ergebenden pathologischen Zuständen leiden. Fortschreitende Entindividualisierung und die Verformung persönlicher Beziehungen in Diktaturen und unter der Ideologie des Marktes thematisiert Wang Jianwei im Videozyklus "Spider".

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