ausstellung

WELTALL*ERDE*MENSCH

WELTALL*ERDE*MENSCH

WELTALL*ERDE*MENSCH
im Zeitalter von Teilchenbeschleuniger und Weltraumtourismus
22. November 2008 bis 11. Januar 2009

Eröffnung: 21. November 2008, 20 Uhr

Maria Thereza Alves (BR), Henrike Daum (DE), Renaud Auguste-Dormeuil (FR), Beate Engl (DE), Katrin Gassmann (DE), Anna Gierster (DE), Florian Gwinner (DE), G-Lab (LT), William Kentridge (ZA), William Lamson (US), Lucien Pelen (FR), radioqualia (AU), Markus Wüste (DE)

ein Projekt in Zusammenarbeit mit dem Erfurter Kunstverein e.V. und dem ACC Weimar kuratiert von Tely Büchner, Erfurt und Silke Opitz, Weimar

Für ihre freundliche Unterstützung danken wir den Künstler/innen sowie den Leihgebern SMPK Berlin, Hamburger Bahnhof; Information Centre of Lithuanian National Gallery of Art; PIEROGI Leipzig; Galerie IN SITU, Paris und besonders herzlich den Förderern Kulturstiftung des Freistaates Thüringen, Thüringer Kultusministerium, sowie der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen.

im Zeitalter von Teilchenbeschleuniger und Weltraumtourismus

Im Zeitalter von Weltraumtouristik und Teilchenbeschleuniger mutet der Titel WELTALL*ERDE*MENSCH für eine Ausstellung zeitgenössischer Kunst nicht unbedingt schwerelos und vielleicht sogar anachronistisch an. Noch dazu, wenn man weiß, dass es sich eigentlich um den Titel eines Buches handelt, das einst 14Jährigen anlässlich ihrer Jugendweihe von offizieller, DDR-staatlicher Seite aus überreicht wurde. So fiel es den rituell Beschenkten nicht nur schwer, ab sofort "erwachsen" zu sein. Allein der Schritt von der Gegend hinter dem eisernen Vorhang hinaus in die Welt war einfach zu vermessen, wenngleich sich manche Sterne mit etwas Phantasie auch von dort aus erobern ließen. Demgegenüber verlief jedoch die real-sozialistische Weltraummission der Ostdeutschen 1978 ganz nach Plan. Während sich der westdeutsche (gleichwohl in Greiz geborene) Ulf Merbold 1977 auf eine Stellenanzeige bei der ESA (Europäische Raumfahrtagentur) beworben hatte und dann auch tatsächlich, aber eben erst 1983, ins All startete, erhielten Sigmund Jähn und der ewige Zweite Eberhard Köllner als hochrangige Genossen Piloten der Nationalen Volksarmee schlicht Befehl. Während Köllner daher recht gelassen in der kasachischen Steppe sitzen blieb, hob Jähn am 26. August 1978 als erster Deutscher in der sowjetischen Sojus-Rakete ab und wurde - ob nun gewollt, oder nicht - schlagartig zum Helden des sozialistischen Vaterlandes. Doch wie wir spätestens seit dem Revival von Frank Schöbel wissen, hatte die DDR auch richtige "Stars", nämlich Sterne am Schlagerhimmel, deren Glanz noch lange nicht verloschen ist. Lag der Schwerpunkt des bis 1975 überreichten Buchpräsentes jedenfalls auf populärwissenschaftlichen Beiträgen, weist sich Thüringen auch heute nicht nur gern als "grünes Herz Deutschlands", sondern zudem als "Bundesland der Wissenschaften" aus.

Interessant erscheint nun aber, im Rahmen der Ausstellung WELTALL*ERDE*MENSCH die künstlerische Aneignung bzw. den eben speziellen Umgang mit dem komplexen Thema jenseits von Astrofotografie und Satellitenbildern dezidiert VON DER ERDE AUS zu beobachten. So geht es weniger um die perfekte Simulation einer orbitalen Sternenfahrt als Resultat von Pseudoforschung oder Technikfaszination. Denn diese Reise ist ja heutzutage - und demnächst "noch günstiger" mit Virgin Galactic - grundsätzlich jedem solventen Touristen möglich. Auch Raumfahrtästhetik, Design und Mode entsprechender Flugobjekte wie Kleidung werden nicht fokussiert. Vielmehr ist es das ambivalente Verhältnis des Menschen zu und in jenem "offenen Raum", in dem sowohl (Berufs-) Felder oder Disziplinen wie Naturwissenschaft und Technik, Natur und Kultur, Religion, aber natürlich auch Astrologie, Science Fiction, das Übersinnliche und Mystische assoziiert, bedient und miteinander verbunden werden können. Die Bedeutung und Nichtigkeit des Erdenbürgers als Allbewohner steht im Mittelpunkt der Schau. Oder wie es Moby singt: We are all made of stars. Und so schaffen wir uns unser Universum dann auch selbst, mit hausgemachten Mitteln. Die eingeladenen Künstler/innen nutzen dann aber doch unterschiedliche Formate und Techniken, wobei Fotografie und Video bezeichnender Weise als am (vermeintlich) objektivsten und real-authentischsten überwiegen. Sie bedienen sich zudem diverser Strategien, um "ihren Kosmos" zu erschaffen oder aber den "wirklichen" inklusive MENSCH*ERDE*WELTALL zu kommentieren. (SO)

Markus Wüste<br/>Zurück zur Erde/Back to Earth<br />2008, blaugrauer Granit, ca. 105 x 65 cm<br />Courtesy the artist
Markus Wüste
Zurück zur Erde/Back to Earth
2008, blaugrauer Granit, ca. 105 x 65 cm
Courtesy the artist

Renaud Auguste-Dormeuil, <br />The Day Before_Star System, 2004 (series of 12 inkjet prints on photographic paper)<br />The Day Before_Nagasaki_ August 8, 1945_23:59, 170 x 150 cm<br />Courtesy Galerie In Situ, Paris
Renaud Auguste-Dormeuil,
The Day Before_Star System, 2004 (series of 12 inkjet prints on photographic paper)
The Day Before_Nagasaki_ August 8, 1945_23:59, 170 x 150 cm
Courtesy Galerie In Situ, Paris

G-Lab (Laura Garbštienė & Arturas Bumšteinas)<br />Our Sky, 2003, video projection; still<br />Courtesy the artists
G-Lab (Laura Garbštienė & Arturas Bumšteinas)
Our Sky, 2003, video projection; still
Courtesy the artists

William Lamson<br />Levitation Exercise, 2005-2006, video, 2'33 min (sound); still<br />Courtesy Gallery Pierogi, Brooklyn/Leipzig
William Lamson
Levitation Exercise, 2005-2006, video, 2'33 min (sound); still
Courtesy Gallery Pierogi, Brooklyn/Leipzig

Lucien Pelen<br />Encre #1, 2007, 34 x 95 cm, inkjet print<br />Courtesy Galerie Aline Vidal, Paris
Lucien Pelen
Encre #1, 2007, 34 x 95 cm, inkjet print
Courtesy Galerie Aline Vidal, Paris

Anna Gierster<br />Niederfrequenzempfänger (mit ohrumschließendem Kopfhörer)<br />2008, 34 x 27 x 17 cm<br />Karton, Papier, Heißkleber, Holzleim<br />Courtesy the artist
Anna Gierster
Niederfrequenzempfänger (mit ohrumschließendem Kopfhörer)
2008, 34 x 27 x 17 cm
Karton, Papier, Heißkleber, Holzleim
Courtesy the artist

Maria Thereza Alves<br />Il sole (The sun), 2006, video, 5'22; still<br />Courtesy the artist
Maria Thereza Alves
Il sole (The sun), 2006, video, 5'22; still
Courtesy the artist

Florian Gwinner, /Das Modell/, 2006, video, 6'14, still
Florian Gwinner, /Das Modell/, 2006, video, 6'14, still

Beate Engl<br />Space is a place. Der öffentliche Raum ist eigentlich auch eine Fiktion,<br />2004, Videoanimation, Deckenprojektion, 12 min 38 sec<br />Foto: Urbanscape, Fotoauskopplung aus Videoanimation,<br />Courtesy the artist
Beate Engl
Space is a place. Der öffentliche Raum ist eigentlich auch eine Fiktion,
2004, Videoanimation, Deckenprojektion, 12 min 38 sec
Foto: Urbanscape, Fotoauskopplung aus Videoanimation,
Courtesy the artist

Henrike Daum<br />fast forward,  2008<br />Video-Projektion, DVCAM auf DVD,  Loop<br />Courtesy the artist
Henrike Daum
fast forward, 2008
Video-Projektion, DVCAM auf DVD, Loop
Courtesy the artist


download die Einladungskarte als pdf-Dokument

Weitere Informationen: