ausstellung

LE SOUVENIR

LE SOUVENIR Le Souvenir
26.8. bis 28.10.2007


Eine Ausstellung des Kunstfestes Weimar in Zusammenarbeit mit dem Museum für Angewandte Kunst Frankfurt (Main) und der ACC Galerie Weimar Mit freundlicher Unterstützung der Hessischen Staatskanzlei und der Ambassade de France en Allemagne

verschiedene Künstler

Kult. Kitsch. Kunst

Erinnerung in Dingen

Sie sind Prestige- und Kultobjekte, Selbstbespiegelungen, libidinös besetzte Gegenstände. Ob ausgefallen oder alltäglich - zu allen Zeiten drängte es uns, Dinge mit Erinnerungen an Orte, Ereignisse und Menschen aufzuladen, aus ihnen kostbare Andenken zu machen. Eine Erkenntnis, der sich - im Rahmen der "pèlerinages" - die gemeinsame Ausstellung des Museums für Angewandte Kunst Frankfurt und der ACC Galerie Weimar widmet. Konzeptueller Ausgangspunkt ist die viel beachtete Frankfurter Schau "Der Souvenir. Erinnerung in Dingen von der Reliquie zum Andenken" aus dem Jahr 2006. Ein Kuratorenteam von Kunstmuseum und Kunstgalerie spürt nun erneut dem Phänomen der Erinnerungswut und den Erweiterungsmöglichkeiten des Souvenirbegriffs nach. Hunderte von Erinnerungsstücken aus internationalen Sammlungen treten in den Räumen der ACC Galerie in den Dialog mit über zwanzig zeitgenössischen Kunstwerken.

Von der Reliquie zum Andenken

Der zeitliche Rahmen der Ausstellung reicht von der frühen Christenheit bis in die Gegenwart: vom mittelalterlichen Pilgerwesen und Kreuzfahrertum bis zum neuen Ichbezug in Renaissance und Humanismus, von den Bildungsreisen ins barocke Rom über die zärtlich-intimen Erinnerungen des 18. und 19. Jahrhunderts bis zum banalen Reise-Souvenir des modernen "homo mobilis" und der traumatischen Erinnerung an Holocaust und Deportation. Vom Wallfahrtsandenken über die Locke Albrecht Dürers bis zu den romantischen Angebinden aus Echthaar, vom Mosaik en miniature als Rom-Souvenir des 19. Jahrhunderts bis zur Schneekugel der Gegenwart zieht sich der Spannungsbogen. Ein Ausflug nach Fernost schließlich weist auf die Andenken "Made in China" - im Spiegel von Tradition und Diktatur.

Positionen zeitgenössischer Künstler

Zudem lud die ACC Galerie internationale, vorwiegend junge Künstler ein, eigene Arbeiten zu diesem Themenkreis vorzustellen: Eine Sammlung von Audiobeschreibungen aus der globalen Museumslandschaft erinnert an berühmte Exponate, während eine Kollektion aus Tonbandsalat ins Gedächtnis ruft, welche Musik zu welcher Zeit an welchem Ort gehört wurde. Fundstücke aus Popkultur und Buddhismus vereinen sich in einem Schrein. Memorabilien der UNO vergegenwärtigen Hoffnungen wie Versagen dieses Weltinstituts. Visuelles Material aus dem World Wide Web dient dazu, fiktive Familiengeschichten zu komponieren. Selbst ein ins kollektive Gedächtnis eingebrannter Satz kann als Souvenir interpretiert werden.

Folgende zeitgenössische Künstler sind an der Ausstellung beteiligt: Constantin Boym (USA), Pina Delvaux (Lux), Ulrika Erdes (S), Corey Escoto (USA), Sibylle Feucht (CH), Martina Florians (NL), Aurélien Froment (F), Jochem Hendricks (D), Ik-Joong Kang (Südkorea), Raffi Kaiser (Israel), Katinka Kaskeline (D), Nina Katchadourian (USA), Burgi Kühnemann (D), Eva Kwiatkowski (D), Martha Laugs (B), Ivan Moudov (Bulgarien), Lisl Ponger (A), Rayah Redlich (Israel), Miriam Visaczki (D), Ulrich Wagner (D), Carola Willbrand (D).

Wie komplex das Phänomen der Erinnerung in Dingen ist, eröffnen die unterschiedlichen Abteilungen der Schau. Grenzziehungen und Kategorisierungen werden erschwert: Was ist Kitsch? Was ist Kunst? Thematisch wie atmosphärisch wird eine Kulturgeschichte der Andenken entfaltet - Schiffbrüche, Erlösung und Schneegestöber unter Palmen inbegriffen.

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