Begleitprogramm zur ACC-Ausstellung 'Außen vor - On the Outside'

Guillaume Paoli, Berlin: Demotivationstraining

Außen vor - On the Outside Außen vor - On the Outside
9.6. bis 12.8.2007


Teilnehmende Künstler: Ulf Aminde, Christoph Büchel, Peter Fend, Manoa Free University, Guillaume Paoli, Reinigungsgesellschaft & Miklós Erhardt, Oliver Ressler, Cornel Wachter, Michael Zinganel/Michael Hieslmair/Maruša Sagadin u.a.

Eine Ausstellung der ACC Galerie in Zusammenarbeit mit Knut Birkholz, Autor und Kurator, Rotterdam

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Warum tun wir etwas, und nicht nichts? Die Entsorgung des Inneren.

In allen Bereichen der Gesellschaft tobt der Kampf um unsere Motivation. Sind wir wirklich so untauglich und willenlos? Oder liegt es nicht eher daran, dass die uns vorgeführten Motive zu schwach sind, um uns zu bewegen? Ständig werden uns Doppelaufträge erteilt, die sich gegenseitig widersprechen. Mindere deine Lohnansprüche und steigere deinen Konsum. Sei kreativ und gib zu, dass es keine Alternative gibt. Sei uns treu und akzeptiere, dass wir dich jederzeit entlassen können. Entfalte deine Individualität und füge dich ins Team ein. Sei geizig und schäme dich für deine Mitnahmementalität. Genieße und verzichte. Darum sind Erfolg und Scheitern bloß zwei Seiten derselben Unmöglichkeit.

Wenn Motivation eine zentrale Stelle in der Systemreproduktion einnimmt, dann ist es nur logisch zu folgern, dass Demotivation ebenso grundlegend für eine Gegenbewegung ist. Mit Gegenbewegung soll aber nicht eine Bewegung verstanden werden, die nach einer anderen Richtung trachte, und folglich andere Motivationsstrategien benötige. Gegenbewegung ist bloß Bremsung nach dem physikalischen Gesetz: Auch Trägheit ist eine Kraft.

Die hier skizzierte Hypothese könnten wir nennen: der tendenzielle Fall der Motivationsrate. Damit ist im Gegensatz zur marxistischen Auffassung gemeint, dass die kapitalistische Entwicklung von keiner harten, objektiven Grenze aufgehalten werden kann (bis auf die absolute Grenze des biologischen Weiterlebens natürlich), vielleicht aber doch von einer weichen, subjektiven Grenze, nämlich der Identifikationskraft der Beteiligten.

Guillaume Paoli, Jahrgang 1959, französischer Staatsbürger korsischer Abstammung, lebt seit 1992 als freier Schriftsteller in Berlin.

Mitbegründer der Initiative "Die Glücklichen Arbeitslosen" und deren Zeitschrift "müßiggangster". Hat 2003 eine Ich-AG als Demotivationstrainer gegründet. Zahlreiche kulturkritische Essays u.a. für die FAZ und die taz, Interventionen im Kunstbereich.

Mittwoch, 20.06.2007, 20:00 Uhr, ACC Galerie Weimar
Eintritt: 3 € / erm.: 2 € / Tafelpass: 1 €