Begleitprogramm zur ACC-Ausstellung 'Die Subversion des Stillstands - The Subversion of Standstill'

Michael Barchet: Räume des Wartens: Das Kino, die Kleinstadt und der Tod

Die Subversion des Stillstands - The Subversion of Standstill
Claudia Hardi (CH), Lene Berg (S/N), Patrick Ward (GB)
31.3. bis 27.5.2007
Eintritt: 3 € / erm.: 2 € / Tafelpass: 1 €

Eröffnung am Freitag, 30.3.2007, um 20 Uhr in der ACC Galerie Weimar, Burgplatz 1+2. Es spricht Fritz von Klinggräff (Pressesprecher der Stadt Weimar).

Förderer: das Thüringer Kultusministerium, die Kulturstiftung des Freistaates Thüringen, die Stadt Weimar, das Office for Contemporary Art in Norway (OCA), das International Artists Studio Program in Sweden (IASPIS), die Pro Helvetia Schweizer Kulturstiftung und der Förderkreis der ACC Galerie.

Parallel zur Ausstellung finden zusätzliche Veranstaltungen statt.

Michael Barchet
Michael Barchet

Immer länger muss das moderne Subjekt auf seinen Tod und damit die Erlösung von den Zumutungen des Daseins warten. Kein Wunder also, dass spätmoderne Kulturen immer mehr Anordnungen bereit stellen, deren verräumlichte Zeit die potenziellen gesellschaftlichen Wunden heilen, die ein Überfluss an verfügbarer Lebenszeit unter den Bedingungen eines eklatanten Mangels an sinnvollen Handlungsmöglichkeiten unweigerlich reißen muss. Wartezimmer, holding patterns, Warteschleifen und die immer längeren (Warte)listen von Ereignissen auf deren Eintreten in der Angstlust möglicher Vergeblichkeit gewartet werden darf (der Anschluss, die Arbeit, das Schwangerwerden) sind keineswegs nur Symptome der unvermeidlichen Desynchronisation zunehmend inkompatibler Beschleunigungen in ausdifferenzierten Systemzeiten. Es handelt sich vielmehr um Ausbildungsverhältnisse: Ausgebildet- ganz im Sinne des heiligen Foucault - trainiert und diszipliniert wird dort genau jenes Subjekt, das nur als handelndes gesellschaftlich brauchbar ist und das sich nur als handelndes konstituieren kann. Gerade die Unerträglichkeit des Wartens, die Krise der Stillstellung, der Schmerz des Entzugs von Handlungsmöglichkeiten sind es, die hier als Disziplinarmaßnahmen wirken, denn sie konfrontieren das Subjekt mit der durchlebten Situation seines Erlöschens - seines virtuellen Todes. Es entspricht dieser disziplinarischen Logik und ihrer Tendenz zur mikroskopischen Diffusion, dass das Warten sich längst nicht mehr an architektonische Räume kultureller Geografien hält - auf den Anruf der mein Leben ändert darf und muss ich längst überall und immer warten.

Aber:

Bitte bleiben Sie ruhig und warten Sie auf weitere Anweisungen!

Denn noch gibt es sie, die guten Dinge, die emanzipativen Räume des Wartens, die Ökonomien des lustvollen Aufschubs, die Produktivkräfte der Stillstellung und die taktilen Konturen des Spiels mit der Unterwerfung: Das Kino, die Kleinstadt und den Tod mit anderen Worten. Gerne würde ich Ihnen das näher erläutern - mit gewählten Worten, bewegten und stillen Bildern, unterstützt von sonoren soundscapes und dargeboten in der Haltung eines zögernden Geöffnetseins für den Dialog .

Biografie:

Michael Barchet ist Kultur- und Medienwissenschaftler. Seine Promotionsschrift beschäftigte sich mit amerikanischem Dokumentarfilm und er hat unter anderem über Film, Fotografie, Stadtplanung und Kulturtheorie publiziert. Nach langjähriger Tätigkeit in universitärer Forschung und Lehre an der Johann-Wolfgang-Goethe Universität Frankfurt und der Friedrich-Schiller-Universität Jena, lebt er jetzt bei Frankfurt am Main und betätigt sich als freier Autor, Übersetzer und Vortragskünstler.

Dienstag, 24.04.2007, 20:00 Uhr, ACC Galerie Weimar
Eintritt: 3 € / erm.: 2 € / Tafelpass: 1 €