ausstellung

Die Subversion des Stillstands - The Subversion of Standstill

Die Subversion des Stillstands - The Subversion of Standstill
Claudia Hardi (CH), Lene Berg (S/N), Patrick Ward (GB)
31.3. bis 27.5.2007
Eintritt: 3 € / erm.: 2 € / Tafelpass: 1 €

Eröffnung am Freitag, 30.3.2007, um 20 Uhr in der ACC Galerie Weimar, Burgplatz 1+2. Es spricht Fritz von Klinggräff (Pressesprecher der Stadt Weimar).

Förderer: das Thüringer Kultusministerium, die Kulturstiftung des Freistaates Thüringen, die Stadt Weimar, das Office for Contemporary Art in Norway (OCA), das International Artists Studio Program in Sweden (IASPIS), die Pro Helvetia Schweizer Kulturstiftung und der Förderkreis der ACC Galerie.

Parallel zur Ausstellung finden zusätzliche Veranstaltungen statt.

Claudia Hardi (CH), Lene Berg (S/N) und Patrick Ward (GB).

Was Konjunkturritter, Wirtschaftsplaner und Futurologen verunsichert oder gar beängstigt, führt bei vielen anderen zur Entlastung von den Zumutungen des Lebens und des geschichtlichen Prozesses: der Stillstand, das Null-Wachstum. Wer wollte schon mehr Kriege, Krankheiten und Seuchen, Verelendung und Ängste, Rüstungspotenziale und Armutsraten? Stillesein, Stillhalten, Innehalten werden zu Tugenden im persönlichen Umgang der Individuen, die ihrer eigenen Ratlosigkeit überdrüssig geworden sind. Zur Ruhe kommen, das Nicht-so-weiter-Machen sind Sehnsüchte in einer beschleunigten Zivilisation des immer Schneller, Höher, Weiter. Und bedarf nicht die Reflexion über das eigene Leben und das der Gesellschaft immer auch des Stillstehens, Anhaltens und sich Gewahrwerdens? Wo Kunst den Blick still stellt, entsteht nicht Langeweile, sondern Einfühlung und Präzision des Erkennens - eine Subversion aus der Geschwindigkeitsverweigerung. Die Stipendiaten des 12. Internationalen Atelierprogramms (IAP) des ACC und der Stadt Weimar stellen aus.

Der Schwerpunkt der Arbeiten von Claudia Hardi beruht auf Forschungsreisen durch das Internet, wobei sie die Beziehungen von Pop-Kultur, Computerwissenschaften, Comic- und Gamekultur, Netzwerkgemeinschaften und kulturelle Aspekte von Technologien in den Blickpunkt rückt. Im ACC zeigt Claudia Hardi ihre Datenbank- und Dokumentationsarbeit g.a.s. Ausgangspunkt für dieses Projekt war Hardis Interesse an einer Kultur, deren Protagonisten die stetige Wissensaneignung, die zu einer Kultur der freien Wirtschaft gehört, in ganz eigene Interessenkanäle umleiten. Besonderer Vorzug gilt Charakteren wie "Otakus" (fanatische Sammler von Mangas und Animes) oder "Hackern" (im Sinne des ursprünglichen Terms Computerprogrammierer). Deren Formen von Hyperaktivität und Wissensaneignung bestimmt die Künstlerin als eine ähnliche Reaktion wie das Stillstehen oder besser als permanenten Zustand einer Überreaktion - eine Überreaktion, die an der Dynamik unserer modernen Gesellschaft vorbeigeht.

Die Frage nach Sinn und Funktion von Bildern und der Sprache, mit denen Geschichte geschrieben wird, scheint das fundamentalste Wesensmerkmal der investigativen Kunst von Lene Berg zu sein. Mit The Weimar Conspiracy, einer Videoarbeit, deren Konzept im Rahmen des 12. IAP entwickelt und realisiert wurde, spielt Lene Berg mit unterschiedlichen Geschichts-, Erzähl- und Tourismuskon-zepten und untersucht dabei, wie unser kulturelles Gedächtnis funktioniert und strukturiert ist und wie es sich entwickelt. Vor dem Hintergrund der Tourismusstadt Weimar, mit seinen zahlreichen Denkmälern und Gedenktafeln, stellte sie sich die Frage, inwiefern altbewährte Formen des Andenkens tatsächlich noch ihrer Funktion gerecht werden, wenn ein Betrachter diese nicht versteht. Ist das Kommunikationskonzept "Denkstätte" unter solchen Voraussetzungen noch erfolgreich, wenn nur noch ein gewisser Stolz auf ein kulturelles Erbe verbleibt, der durch die simple Symbolik von Anzahl und Größe der Monumente vermittelt wird?

Patrick Ward sucht in seinen Arbeiten nach einem imaginären Raum, der auf Erfahrungen des Verlo-renen, Fehlenden und Vergessenen verweist. Ähnlich wie Lene Berg interessiert auch er sich für den Entwicklungsaspekt von Geschichte. Seine Strategie ist u.a., bestimmte zum Kontext gehörende In-formationen akribisch auszuradieren und so auf Möglichkeiten zu verweisen, wie mit Erzählstruk-turen Populärkultur und Geschichte konstruiert und vermittelt werden kann - so auch in den digital bearbeiteten Fotografien unidentified backgrounds. Der Betrachter wird nicht aufgefordert, eine definitive Erkenntnis oder Aussage zu erlangen, sondern ist gehalten, sich über Umwege auf die Suche nach Bedeutungsstrukturen zu begeben.

Das Programm basiert auf Idee und Konzept der Tagung "Stehende Gewässer. Medien und Zeitlich-keiten der Stagnation" des Graduiertenkollegs "Mediale Historiographien", der Bauhaus-Universität Weimar, der Universität Erfurt und der Friedrich-Schiller-Universität Jena (gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft), die Ende April 2006 stattfand, und des 12. Internationalen Atelierprogramms der ACC Galerie Weimar und der Stadt Weimar, das im Januar 2007 endete.

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