ausstellung

The Culture of Fear - Die Kultur der Angst

The Culture of Fear - Die Kultur der Angst

The Culture of Fear - Die Kultur der Angst

Eine Ausstellung zeitgenössischer Kunst in Weimar mit Kyoko Ebata (Japan), Mandy Gehrt (Deutschland) und Oscar Tuazon (USA)

ACC Galerie Weimar, 22.4. bis 25.6.2006,
Eröffnung am Freitag, dem 21.4.2006 um 20 Uhr

Öffnungszeiten der ACC Galerie Weimar:
täglich 12 bis 18 Uhr, Fr und Sa bis 20 Uhr.
Führungen: Sa 18 Uhr und So 15 Uhr
Eintritt: 3 EUR/erm. 2 EUR/Tafelpass 1 EUR

In Partnerschaft mit der Stadt Weimar.
Förderung: Generalkonsulat der USA Leipzig, The Japan Foundation, Thüringer Kultusministerium, Sparkassenstiftung Weimar-Weimarer Land, Stiftung Federkiel, Förderkreis der ACC Galerie Weimar.

Angst als Gefühlszustand und Konzept ist zu einem allgegenwärtigen Lebenspartner geworden. Ihre Produktion beherrscht ganze Industriekomplexe, macht sie zu einer Schlüsseltechnologie der Macht, verändert unsere Wahrnehmung von Gefahr und schafft ein sich fortwährend wandelndes Konsumverlangen. Als Wirtschaftsfaktor bildet sie einen wesentlichen Schrittmacher und dient als Strategie der steten gesellschaftlichen Erneuerung. Welche Denk- und Handlungsalternativen halten Künstlerinnen und Künstler bereit, um gegenüber der Erzeugung von Angst wachsam zu bleiben? Die Stipendiaten des 11. Internationalen Atelierprogramms des ACC und der Stadt Weimar stellen aus.

Der US-Amerikaner Oscar Tuazon befasst sich mit sparsamen Do-it-yourself-Architekturen und baukünstlerischen Alternativen zum traditionellen Gebrauch von öffentlichen wie privaten Räumen. Die üblicherweise stark reglementierte und von Besitzansprüchen hergeleitete Nutzung dieser Sphären wird hinterfragt und der Einzelne ermutigt, seine Anpassung an vorgegebene Richtlinien aufzubrechen. Als Antwort auf sich häufende, öffentlich wie privat getroffene Arrangements, die der Eindämmung unüblicher, unkontrollierter Nutzungsvorstellungen von Räumen dienen und damit die vieldiskutierte Sicherheit erhöhen sollen, eröffnet Tuazon im ACC neue Wege zur Erschaffung und Verwendung von Raumsituationen. Ein Ausstellungsraum der Galerie wird okkupiert, mit einfachen Mitteln seiner konventionellen Funktion entzogen und in eine eher semi-private, umfassender nutzbare Zone verwandelt: "Wir wollen schlafen oder Liebe machen, allein sein, aber nicht daheim". Das im Rahmen der Publikationsreihe "documenta 12 magazines" von Tuazon und Clementine Dellis herausgegebene Magazin "Metronom No. 10" soll als (maschinengeschriebene) Handbroschüre für alternative und - konträr zum Alltag - minimalistischere Lebensweisen dienen. Das schwarze Wandbild "appear normal or don't appear" ("erscheine normal oder erscheine gar nicht") kann hingegen als Reaktion auf die ablehnende Haltung von Institutionen und der Gesellschaft gegenüber jenen Menschen verstanden werden, die versuchen, den geltenden Normvorstellungen neue Modelle entgegen zu setzen. Schlussendlich wird ein simpler Holztisch durch Zusatz von Stahl-Oktaedern adaptiv zum Prototyp einer möglichen Systemreihe modifiziert.

Mandy Gehrt, Aischa, DVD, ca. 20 min, 2005
Mandy Gehrt, Aischa, DVD, ca. 20 min, 2005

Die Leipzigerin Mandy Gehrt suchte nach einer Phase der theoretischen Auseinandersetzung den Kontakt zu islamischen Bürgern in Leipzig, im Besonderen zu deutschen Konvertitinnen. Mit ihren Arbeiten zur Situation der Muslime in der BRD reagiert sie auf eigene Irritationen und Fragen anders als die meisten von uns und gibt vor allem der Selbstreflexion darüber Ausdruck, wie Ängste und Vorurteile gegenüber der islamischen Kultur hinterfragt und nachvollzogen werden können. Es entstanden die fiktive Figur und der gleichnamige Film "Aischa" - ein Konzentrat aus den Lebensläufen der Frauen, denen sie begegnete und deren Rolle sie annahm. "Drum prüfe, was sich ewig bindet…" schildert u. a. die Hindernisse, die die strukturelle Diskriminierung der Behörden deutschen Frauen und arabischen Männern in den Weg legt, wenn sie eine Ehe eingehen wollen. Die stereotype Darstellung islamischer Frauen in den Medien wird mit der Videocollage "Allahs rechtlose Töchter" transparent. In "So was wie dich…" folgten 32 Frauen Mandy Gehrts Einladung und übernahmen für kurze Sequenzen die Rolle deutscher Musliminnen. "Arabisch" erzählt eine beunruhigende Geschichte aus dem Alltagsleben, in der allein der Klang der Sprache zum Auslöser für Angstzustände wird. Mit ihrem Modelabel ISLAM LOVES PEACE trägt die Künstlerin die Auseinandersetzung mit der inzwischen weit verbreiteten "Islamophobie" als Lifestyle in den Alltag.

Kyoko Ebata, Childhood Story (Serie), 2006
Kyoko Ebata, Childhood Story (Serie), 2006

Kyoko Ebata aus Japan bereiste Deutschland und Europa, um ihr auf Interviews basierendes audiovisuelles Langzeit-Fotoprojekt "Childhood Story" zu verwirklichen. Als Geschichtensammlerin befragte sie eine Vielzahl von Menschen nach angstumwobenen Schauplätzen ihrer Kindheit. Auf diese Weise spürte sie nicht nur idealisierte und intuitive Vorstellungswelten auf, sondern fragte auch nach den Ursachen und Arten der damit verbundenen, teilweise sehr starken Emotionen. Im ACC sind diese Orte in Form von 92 Fotografien dokumentiert, flankiert von den entsprechenden - sowohl realen als auch fiktionalen - Erzählungen und Berichten, die über Kopfhörer zu hören sind.

Am 29. April, 15 Uhr, eröffnet die Stiftung Federkiel (Halle 14) die gleichnamige Parallelausstellung mit unseren Stipendiaten und 21 weiteren internationalen Künstlern (Leipziger Baumwollspinnerei). weitere Informationen ...

Infos zu diesen Stipendiaten / zum 11. Internationalen Atelierprogramm

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Weitere Informationen: