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Das Ausstellungsprogramm der ACC Galerie im Jahr 2005

Im 17. Ausstellungsjahr der ACC Galerie Weimar organisiert das ACC sechs Ausstellungen und ein Internationales Atelierprogramm. Dabei werden folgende Themen angesprochen: Angst, Sprache, Ironie, Sammeln, Erotik, Bauhaus und Natur. Zwei wichtige Jubiläen - die Ausstellung des 10. Internationalen Atelierprogramms und die 150. Ausstellung im Sommer 2005 - werden in Weimar, dessen Bedeutung als Standort für zeitgenössische Kunst derzeit im Rückzug begriffen ist, entsprechend zelebriert. Als Kooperationspartner treten in Erscheinung: die Stadt Weimar, die Stiftung Federkiel Leipzig, das Kunstfest Weimar und der Kunstverein MAERZ Linz.

Vik Muniz & Janaina Tschäpe (beide Brasilien/USA), 10.12.2004 bis 30.1.2005

Take care, Sylvie Boisseau & Frank Westermeyer (beide Weimar/Genf), Retrospektive und neue Arbeiten, Partner: Sylvie Boisseau & Frank Westermayer, 11.2. bis 3.4.2005

Take care meint "Mach's gut" aber auch "Pass auf Dich auf". Dieses Take care zum Abschied gesagt zu bekommen, gab dem Künstlerpaar immer das Gefühl, freundliches Terrain zu verlassen und sich in nicht-freundliches Gebiet zu bewegen. Der Abschiedsgruß ist ein Warnhinweis in einer Frontier-Gesellschaft, in der die eigene Community, die "good neighborhood", Vertrautheit und Sicherheit bietet, während gleich nebenan unvertraute und gefährliche Zonen lauern, die es sicher zu durchschreiten gilt. Take care ist die erste Einzelausstellung von Sylvie Boisseau und Frank Westermeyer und vereinigt ebenfalls zum ersten Mal die Video- und In-Situ-Arbeiten. Hinzu kommen drei neue Arbeiten, die sie während eines dreimonatigen Arbeitsaufenthalts in Chicago realisierten. Eine Konstante in der Arbeit der beiden ist die Unmöglichkeit von Kommunikation und der Gebrauch der Sprache zu deren Verhinderung. Die neuen Arbeiten widmen sich der Wahrnehmung von Gemeinschaft (Community).

"Die Ironie ist tot. Es lebe die Ironie!", Kristina Leko (Zagreb/Kroatien), Tea Mäkipää (Lahti/Finnland), Martin Sastre (Montevideo/Uruguay), Partner: Stadt Weimar / Co-Kuratorin Christiane Haase (Weimar), 15.4. bis 5.6.2005

Ausstellung zum 10. Internationalen Atelierprogramm der ACC Galerie und der Stadt Weimar. Der Begriff der Ironie, der wie ihre schillernde, spielerische Natur selbst viele Facetten kennt, entzieht sich einer eindeutigen Definition. Erwähnt wird oft die "sokratische Ironie" - eine geheuchelte Unwissenheit als scheinheilige Pose, die der griechische Philosoph vor mehr als zwei Jahrtausenden einzunehmen liebte: Im Kern das Gegenteil von dem zu sagen, was man meint bzw. was wahr ist, um die Wahrheit zu unterstreichen - sich der Lüge zu bedienen, um die Lüge zu entlarven. Wie auch immer, das Ironische scheint neben dem Absurden unser ständiger Alltagsbegleiter, aber auch als Überlebensvehikel, Strategie und Streitkraft so unumgänglich wie nie zuvor zu sein. Gibt es überhaupt so etwas wie neue Strategien und Konzepte der Ironie in der Kunst, die deren Vorreiterrolle gerecht werden und die Realsatire der kapitalistischen Wertegesellschaft hinterfragen? Zunehmend ist es die Ironie um ihrer selbst willen - belanglos und frei von Ansichten, unfähig, irgend- etwas ernst zu nehmen oder Bedeutung zu transportieren - die uns potenziert im Fernsehen und anderen Medien begegnet. Was passiert, wenn diese Form der Ironie lebensbestimmend ist und Dinge wie Vertrauen, Glauben, unverfälschte Hinwendung, offene Aussagen und Ernsthaftigkeit ihrer scheinbaren Wirkungslosigkeit wegen ersetzt? Die zur Ironie in Weimar entstandenen Arbeiten der drei Künstler werden in dieser Ausstellung vorgestellt.

The Social Collector, Museum of Jurassic Technology (Los Angeles/USA), Sammlung Federkiel (München), Heinos Raritätenkabinett (Sieglitz bei Camburg), Museum der Okkupation (Estland) und Gedenkstätte der Opfer des Kommunismus/Gedenkstätte des Widerstands (Rumänien), Zeitgenössische Archäologie (Ronald Hirte), Hiroshi Fuji (Fukuoka, Japan),
Partner: Stiftung Federkiel/Halle 14 Leipzig und Co-Kurator Ronald Hirte (Weimar), 17.6. bis 7.8.2005

Das Sammeln ist offensichtlich eine allzeit nahe liegende Tätigkeit, ein grundlegendes Bedürfnis und eine existenzielle Eigenschaft des Menschen, der Sammeltrieb eine teils unterbewusste, angeborene Überlebensstrategie. Das Horten von Nahrung, Fellen und Knochen, das Einsammeln der Ernte trug zu Ansehen, Reichtum, Einfluss, Macht bei und war damit ein wichtiger Aspekt menschlicher Evolution. Die Sammlung wurde zum Statussymbol in der Gemeinschaft/Gesellschaft, zur Wertanlage, zum Tauschwert. Erbauung an der Ästhetik des gesammelten Objekts, Zeitvertreib, Entspannung, Weiterbildung und Kommunikation kamen als weitere Aspekte der Sammelleidenschaft hinzu. Auf unerwartete Ereignisse, Zufälle, neue Bedingungen antworten stets die Tätigkeiten des Sammelns - Sammeln trägt Sinn, Ordnung, Begrenzung und Bedeutung in das Zufällige, Bedrohliche, Unübersichtliche oder Fragmentierte. Sechs soziale und politische Motive des Sammelns sollen in entsprechender Exponateauswahl zur Sprache kommen:

"Chimären der Lust - Exzesse des Kopfes/Exzesse des Körpers", 150. Ausstellung der ACC Galerie Weimar, Partner: Kunstfest Weimar, Co-Kurator: Michael Farin (München), 19.8. bis 9.10.2005

Eine Ausstellung über das Phantasma des Begehrens. Das Begehren geht oft seltsame Wege. Zumeist führen sie in künstliche Welten, entspricht die Wirklichkeit doch nur selten dem Wunsch. Oft sind es Kopfgeburten, monströse Weiterungen des körperlich Leistbaren, aufregende, jede Realität sprengende Phantasien, Manifestationen wildester sich in und um sich selbst drehender Obsessionen. Die Ausstellung "Chimären der Lust" ist konzipiert als eine Tour d'Horizon. Beginnend im 18. Jahrhundert mit Thérèse Philosophe, einem unumstrittenen Hauptwerk erotischer Literatur und Buchillustration, bis hin zu zeitgenössischen Videoinstallationen des 21. Jahrhunderts ermöglicht sie einen unvoreingenommenen Zugang zu noch immer tabuisierten Zonen, gibt Aufschluss über ursprüngliche Triebimpulse und entführt in feinste Verästelungen der Liebesphilosophie. Ob herausragendes Kunstwerk und Zeitdokument der besonderen Art, die Exponate dieser Ausstellung zeigen die Vielfalt der Auseinandersetzung mit dem wohl aufregendsten Bereich unserer Existenz, erzählen von überschäumender Sinneslust bis hin zu morbiden Phantasien perverser Wünsche.

"I did it my way - The Bauhaus Top Fifteen", Fünfzehn Künstler/innen der Bauhaus-Universität Weimar, Partner: Co-Kurator David Mannstein (Berlin), 21.10. bis 4.12.2005

Die Wiedergeburt des Bauhauses als Kunstakademie fand 1993 statt, als der Fachbereich Freie Kunst (neben Produktdesign und Visueller Kommunikation) der Fakultät Gestaltung unter Lucius Burckhardt an der Bauhaus-Universität Weimar gegründet wurde. Damit setzte man inhaltlich einen deutlichen Gegenpol zum überkommenen Kunstbegriff der DDR. Die Fakultät ist inzwischen aus der deutschen Hochschullandschaft nicht mehr wegzudenken. Zahlreiche Preise krönen ihr allgemein hohes Ansehen. Seit sieben Jahren verlassen jährlich zahlreiche Kunststudiumsabsolventen den Bildungsträger und damit oft auch Weimar (Richtung Berlin), um ihr Glück als freie Künstler zu versuchen. Die nach unserer Einschätzung fünfzehn besten künstlerischen Arbeiten seit Bestehen der Fakultät sollen in den fünfzehn räumlichen Situationen der ACC Galerie Weimar erstmalig für längere Zeit zu sehen sein. Die ausgestellten Künstler, Designer, Kommunikatoren und Medienstrategen haben alle das Diplom der Bauhaus-Universität Weimar in der Tasche.

"Das Rohe und das Gekochte", Partner: Kunstverein MAERZ Linz und Co-Kurator Norbert Hinterberger (Berlin/ Weimar), 11.12.2005 bis 29.1.2006

"Die Kunst verhält sich zur Natur wie der Wein zur Traube." In diesem Aphorismus steckt das wesentliche Element kultureller Leistungen, nämlich das Wissen um die speziellen Eigenschaften von Rohprodukten, die - vermischt mit anderen Ingredienzien - einem Prozess der Verfeinerung unterworfen werden. Das Geheimnis dieses alchimistischen Vorganges zeitigt dabei, dass das Resultat stets mehr als die Summe der Einzelteile kann. Nun kann man alles verfeinern, das Essen, Trinken, Laufen, Wohnen, Kleiden, Lieben, das Denken, die Intrige ... Begriffe wie Sublimation oder Raffinesse bezeichnen eine solche Kulturleistung. Letztlich geht es dabei um das Erzeugen von Unterschieden, die eben kulturell von Belang sind; paradigmatisch dafür ist das Sammeln. In der Ausstellung soll nun diese Vorgangsweise des Sammelns von Einzelobjekten und der Möglichkeiten ihrer Kombination untereinander thematisiert werden, wobei die Bandbreite von alltäglichen Vorgängen wie der Essenszubereitung bis zur so genannten Hochkultur - der Kunstproduktion - bespielt werden kann.