vernissage:

vernissage (1): The Social Collector

The Social Collector
Abb.: Mount Wilson Observatory, Foto: The Museum of Jurassic Technology (Los Angeles)

The Social Collector

151. Ausstellung der ACC Galerie Weimar, in Zusammenarbeit mit Ronald Hirte (Weimar).

24.10.2005 bis 15.1.2006, ACC Galerie

Erste Eröffnung Sonntag, 23.10.2005, 20 Uhr:
Sammlung "No one may ever have the same knowledge again" - The Museum of Jurassic Technology (Los Angeles);
Sammlung "so geht revolution" - Mediologische Vereinigung (Ludwigsburg);
Heinos Raritätenkabinett (Sieglitz);
Sammlung Rausch (Frankfurt am Main);


Zweite Eröffnung Sonntag, 30.10.2005, 20 Uhr:
Sammlung "Vom Terror zur Unabhängigkeit" - Lettisches Okkupationsmuseum (Riga);
Sammlungen "Vinyl Plastics Collection" und "Kaekko" - Hiroshi Fuji (Fukuoka);
"Russen-Antennen" - Werkbundarchiv - Museum der Dinge (Berlin).


Täglich von 12 bis 18 Uhr, Fr und Sa von 12 bis 20 Uhr und nach Vereinbarung geöffnet. Eintritt 3 EUR, erm. 2 EUR Eintritt 1 EUR für Inhaber des TAFELPASS (Weimarer Tafel)



Führungen (kostenlos) Sa 18 Uhr und So 15 Uhr.

Mit Unterstützung der Kulturstiftung des Bundes, der Kulturstiftung des Freistaates Thüringen, der Stadt Weimar, der Stiftung Federkiel und des ACC-Förderkreises

PRESS RELEASE: The Social Collector

Erste Eröffnung Sonntag, 23.10.2005, 20 Uhr:
Sammlung "No one may ever have the same knowledge again" - The Museum of Jurassic Technology (Los Angeles);
Sammlung "so geht revolution" - Mediologische Vereinigung (Ludwigsburg);
Heinos Raritätenkabinett (Sieglitz);
Sammlung Rausch (Frankfurt am Main);

Sammlung No one may ever have the same knowledge again - The Museum of Jurassic Technology (Los Angeles)

Mt. Wilson Observatory, <br />Foto: The Museum of Jurassic Technology
Mt. Wilson Observatory,
Foto: The Museum of Jurassic Technology

Das Museum of Jurassic Technology in Los Angeles ist eine Kreuzung aus einzigartigem Bildungsinstitut für Naturgeschichte und Künstlerinstallation und als solches der Erweiterung des Wissens über die frühe Jurazeit bis heute gewidmet. Über die Erfahrung eines Spaziergangs in die Vergangenheit und unter Verwendung von Mitteln der zeitgenössischen Kunst funktioniert das von Museumsgründer und -kurator David Wilson betriebene Privatmuseum wie ein Zaubertrick: Man ist sich nie ganz sicher, was Wahrheit und was Illusion ist.

Die Ausstellungen erkunden Phänomene, die denkbar, wenn auch nicht immer wahrscheinlich sind. Zu ihnen gehört eine Sammlung von circa dreißig Briefen, die seit 1911 bis heute von gebildeten wie ungebildeten Zeitgenossen aus aller Welt an die Mount Wilson Sternwarte in der Sierra Madre nahe Pasadena / Kalifornien gerichtet werden. Brachten viele Briefe einfach die Würdigung und Ehrfurcht vor der geleisteten Arbeit der Astronomen zum Ausdruck, hatten eine weitere Anzahl von Briefen Personen verfasst, die vermeinten, wichtige Erkenntnisse zu haben, auf die sie über Experimente, Beobachtungen oder Eingebungen gestoßen waren und die sie mit den Astronomen teilen müssten. Ausnahmslos alle hatten ein starkes Bedürfnis danach, ihre Ermittlungen dringend gegenüber den professionellen Beobachtern vom Mount Wilson Observatorium kommunizieren zu müssen. Generationen von Astronomen gaben diese Briefe aneinander weiter. Nun sind sie als Sammlung No one may ever have the same knowledge again ("Niemand wird je wieder dasselbe Wissen haben") Bestandteil des Museum of Jurassic Technology.

Sammlung so geht revolution - Mediologische Vereinigung (Ludwigsburg)

Aus der Sammlung so geht revolution - Mediologische Vereinigung
Aus der Sammlung so geht revolution - Mediologische Vereinigung

Commandante Che Guevara fordert dich auf, an einem Salsa-Tanzkurs teilzunehmen und Karl Marx wirbt im Format A2 für den Kauf einer Office-Software: "Die Werktätigen müssen die Produktionsmittel besitzen". Heutige Botschaften aus der glitzernden Werbewelt fordern dazu auf, schwarz zu fahren, blau zu machen oder es heißt ganz einfach: "Radikalisier das Leben!" Folgerichtig finden sich auf den T-Shirts modebewusster junger Menschen auch eindeutige Botschaften: "Disarm now!", "Protest", "Rebellion" oder auch "Prada-Meinhof". Linke Themen und die "Helden" der Bewegung sind erneut, wenn auch verändert, in unseren Alltag zurückgekehrt. Der Ludwigsburger Kulturwissenschaftler Rudi Maier sammelt seit langer Zeit Werbeanzeigen und TV-Spots, die von Straßenschlachten und den Pop-Ikonen der Linken handeln. Einhundert dieser Anzeigen rund um die Themen Freiheit, Radikalisierung und Revolution aus den Jahren 1967 bis heute gewähren einen Einblick in diese Sammlung.

Heinos Raritätenkabinett (Sieglitz)

Heinos Raritätenkabinett, Foto: Claus Bach
Heinos Raritätenkabinett, Foto: Claus Bach

Im Plattenbau einer ehemaligen sozialistischen Dorfschule in Sieglitz / Sachsen-Anhalt betreibt der Pensionär Heino Kirbst mit Frau Christel Heinos Raritätenkabinett aus dreißig thematischen Räumen zur deutschen Alltagskultur. Dieses öffentliche Nahweltmuseum (eine Führung dauert 90 Minuten) zeigt den Tiefengrund der beruflichen, schulischen und privaten Bereiche, die die Grundlage einer sozialgeschichtlich erfassbaren Lebenswelt bilden. Die Räume tragen Bezeichnungen wie "alles über Sägen und Holz", "Weben, Stricken & Spinnen", "Poststelle 70er Jahre", "209 Nähmaschinen", "Telefone & Funkgeräte", "alles über Tabak, Zigaretten & Zigarren", "Schuss- & Jagdwaffen & z. Z. 100 Bügeleisen" oder "Mus- & Sirupherstellung". Nebenher sammelt Familie Kirbst Kinderspielzeug, Traktoren und Oldtimer. Die Präsentation der Sammlung Kirbst konzentriert sich auf besondere Maschinen und Apparate wie die Pfannkuchenspritze, den Rasierklingenschärfer, die Gebisskautschukpresse, die Kirschentkernmaschine, das Brieftaubenzählgerät, das Wühlmausfanggerät, die Tablettenvernichtungsmaschine, die Eintastschreibmaschine oder die Hutkrempennähmaschine.

Heinos Raritätenkabinett, Foto: Claus Bach
Heinos Raritätenkabinett, Foto: Claus Bach

Heinos Raritätenkabinett, Foto: Claus Bach
Heinos Raritätenkabinett, Foto: Claus Bach

Sammlung Rausch (Frankfurt am Main)

Hartmut und Helga Rausch, Foto: Beatrix Pohle-Stiehl
Hartmut und Helga Rausch, Foto: Beatrix Pohle-Stiehl

"Denk dran, du gehst bald, dass etwas hier bleibt!" pflegt der Hausmeister an der Städelschule die Studierenden zu erinnern. Seit zwölf Jahren, als zwei damalige Absolventen Hartmut Rausch zum 50. Geburtstag je ein Werk schenkten, wächst die Sammlung junger zeitgenössischer Kunst des Ehepaares Rausch. Aus dem Wohnzimmer wurde ein Kunstzimmer, es entstand ein bewohnter Ausstellungsraum mit einer hochkarätigen Sammlung aus mittlerweile etwa einhundert Arbeiten von Studierenden und Lehrenden der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste in Frankfurt am Main. Durch ihren Beruf lernen die Rauschs - selbst weder Kunstexperten noch kommerziell Interessierte - viele Künstlerpersönlichkeiten verschiedenster Nationen kennen, Menschen, die ihnen vertraut sind und deren Geschichten sie kennen. Etablierte Namen wie z.B. Ayse Erkmen, Christa Näher, Hermann Nitsch, Thomas Bayrle, Per Kirkeby oder Peter Angermann sind ebenso vertreten wie viele andere, die man vielleicht noch kaum gehört hat. Die Sammlung Rausch, offen und vielschichtig-verspielt, begründet sich stets aus sich selbst. Dies unterscheidet sie grundlegend von anderen Kunstsammlungen, die doch meist konkrete Leidenschaften und entsprechend eigene Sehgewohnheiten der Sammler widerspiegeln.