Begleitprogramm zur Ausstellung
The Social Collector

Bernhard Post, Weimar: 'Thüringen in Dosen: Wie unser kulturelles Erbgut unter die Erde kommt'

The Social Collector
Abb.: Mount Wilson Observatory, Foto: The Museum of Jurassic Technology (Los Angeles)

The Social Collector

151. Ausstellung der ACC Galerie Weimar, in Zusammenarbeit mit Ronald Hirte (Weimar).

24.10.2005 bis 15.1.2006, ACC Galerie

Erste Eröffnung Sonntag, 23.10.2005, 20 Uhr:
Sammlung "No one may ever have the same knowledge again" - The Museum of Jurassic Technology (Los Angeles);
Sammlung "so geht revolution" - Mediologische Vereinigung (Ludwigsburg);
Heinos Raritätenkabinett (Sieglitz);
Sammlung Rausch (Frankfurt am Main);


Zweite Eröffnung Sonntag, 30.10.2005, 20 Uhr:
Sammlung "Vom Terror zur Unabhängigkeit" - Lettisches Okkupationsmuseum (Riga);
Sammlungen "Vinyl Plastics Collection" und "Kaekko" - Hiroshi Fuji (Fukuoka);
"Russen-Antennen" - Werkbundarchiv - Museum der Dinge (Berlin).


Täglich von 12 bis 18 Uhr, Fr und Sa von 12 bis 20 Uhr und nach Vereinbarung geöffnet. Eintritt 3 EUR, erm. 2 EUR Eintritt 1 EUR für Inhaber des TAFELPASS (Weimarer Tafel)



Führungen (kostenlos) Sa 18 Uhr und So 15 Uhr.

Mit Unterstützung der Kulturstiftung des Bundes, der Kulturstiftung des Freistaates Thüringen, der Stadt Weimar, der Stiftung Federkiel und des ACC-Förderkreises

PRESS RELEASE: The Social Collector

Bernhard Post, Stellv. Direktor des Thüringischen Hauptstaatsarchivs (Weimar).
Vortrag und Gespräch innerhalb des Begleitprogramms zur ACC-Ausstellung "The Social Collector"

Pressemeldung:

Sicherungsverfilmung von Archivalien und Bibliotheksgut in Weimar

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Bereits seit dem Jahr 1961 werden in den staatlichen Archiven der Bundesrepublik Deutschland im Auftrage des Bundes für die deutsche Geschichte bedeutende Archivalien mikroverfilmt. Hierzu zählen mittelalterliche Urkunden wie auch Schriftgut der Regierungen und Verwaltungen seit dem 10. Jahrhundert bis in unsere Tage, weiterhin Dokumente von einem erheblichen kulturellen Wert wie etwa die Akten des Staatlichen Bauhauses in Weimar. Die gesetzliche Grundlage hierfür leitet sich aus der am 14. Mai 1954 von 56 Teilnehmerstaaten unterzeichneten Haager Konvention zum Schutze von Kulturgut ab.

Anfang der 1990er Jahre gab es erste Pläne zur Einrichtung einer Sicherungsverfilmungsstelle in Weimar für die sechs staatlichen Archive in Thüringen sowie Bestände von besonderer Bedeutung in den Archiven der Kommunen und Kirchen. Dies scheiterte damals vor allem an schwierigen Gebäudeverhältnissen. Die Verfilmung thüringischer Archivalien mußte daher in einer gemeinsamen Verfilmungsstelle mit dem Freistaat Sachsen in Kamenz erfolgen, was mit einem erheblichen Transportrisiko und Mehrkosten verbunden war.

Bis zum Ende der 1990er Jahre war es aus technischen Gründen lediglich möglich gewesen, einen Schwarz/Weiß-Mikrofilm als dauerhaftes und kostengünstiges Speichermedium mit einer voraussichtlichen Haltbarkeit von mehr als 500 Jahren herzustellen. Handelsübliche Farbfilme zeigen normalerweise bereits nach wenigen Jahren erhebliche Veränderungen, die sie für eine dauerhafte Lagerung ungeeignet macht. In den letzten Jahren wurde jedoch für die Filmindustrie eine Technik entwickelt, bei der digitalisierte Bildinformationen über einen Laser auf Film ausbelichtet werden können. Dieses Verfahren soll nun auch zum Kulturgutschutz zum Einsatz gebracht werden. Anstatt digital entstandener Filmszenen werden nun gescannte Vorlagen von besonderer Bedeutung wie etwa mittelalterliche Buchmalerei auf einen speziellen Farbfilm mit langer Haltbarkeit gebrannt.

Da sich die Bundesrepublik Deutschland im Zusammenhang mit der Haager Konvention auch zum Schutz des national wertvollen Bibliotheksguts verpflichtet hatte, wurde die Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar im Jahr 2003 beauftragt, die Einsatzmöglichkeiten dieser neuen Farbtechnik in einem Pilotprojekt zu überprüfen. Nach dem erfolgreichen Abschluß dieses Projekts im Dezember 2004 wurde der Entschluss gefasst, erstmals in der Bundesrepublik Deutschland eine gemeinsame Verfilmungsstelle für Archiv- und Bibliotheksgut einzurichten. Der Standort Weimar bot sich an, da hier auf vergleichsweise kleinem Raum eine erhebliche Zahl handschriftlicher und gedruckter Zeugnisse zur deutschen Geschichte und Kultur verwahrt wird. Gute Voraussetzungen für eine Zusammenarbeit bieten die grundhaft sanierten und nahe beieinander liegenden Dienstgebäude des Archivs und der Bibliothek.

Das Bundesamt für Bevökerungsschutz und Katastrophenhilfe hat mit Wirkung vom 1. Oktober 2005 die Gesamtverantwortung für die Leitung der Sicherungsverfilmungsstelle in Weimar der Thüringischen Archivverwaltung im Rahmen der Bundesauftragsverwaltung übertragen. Hier werden künftig Sicherungsfilme von Archivalien und Büchern auf Schwarz/Weiß-Material produziert. Unter der fachlichen Aufsicht der benachbarten Herzogin Anna Amalia Bibliothek steht die Produktion farbiger Digitalisate von kulturgeschichtlich besonders wertvollen Dokumenten und Büchern, die dann in einem zweiten Schritt auf Film gebrannt werden.

Als kostengünstiges Dauerspeichermedium, dessen Informationen ungeachtet technischer Entwicklungen bei der Hard- und Software lesbar bleiben, hat der Mikrofilm seine Existenzberechtigung längst bewiesen. Gleichzeitig ist diese Technik dahingehend zukunftsorientiert, dass sie es Archiven und Bibliotheken künftig möglich macht, ihre Schätze vergleichsweise kostengünstig einem breiten Publikum in digitalisierter Form zur Verfügung zu stellen.

(Bernhad Post)

Donnerstag,12.01.2006, 20:00 Uhr, ACC;
Eintritt: 3 EUR/erm. 2 EUR, Tafelpass 1 EUR