Vortrag und Gespräch

plus:Judith Siegmund, Künstlerin, Berlin:
Warum aus der Wahrnehmung unserer Erinnerungen die Gegenwart nicht ausgeschlossen werden kann

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Mit Bettina Allamoda, Peter Bauer, Laurenz Berges, Amanda Dunsmore, Nina Fischer / Maroan el Sani, Jean-Luc Godard, Katharina Hohmann / Stefan Dornbusch, Birger Jesch, Peter Kees, Herwig Kipping, Anne König / Axel Doßmann / Jan Wenzel, Wiebke Loeper, Cornelius Mangold, David Mannstein, Maix Mayer, Peggy Meinfelder, Marcel Ophüls, Felix Ruffert, Pavel Schnabel, Shelly Silver und Katja Heseler / Anja Hoppe, Jens Rudolph, Gundula Ulonska / Ursula Meyer, Sibylle Windisch / Nicole Wolf (Projekt 'Erfahrungsaustausch')

15.05.2004 - 27.06.2004, ACC GAlerie Weimar

Eröffnung am Freitag, 14.5.2004, 20 Uhr. Di und Do von 12 bis 21 Uhr, Mi, Fr bis So von 12 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung geöffnet. Führungen sonntags 15 Uhr. Eintritt frei!

Eine Ausstellung des ACC in Kooperation mit Katharina Tietze und Ronald Hirte. Mit freundlicher Unterstützung des Thüringer Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst, der Stadt Weimar, des ACC-Förderkreises.

verlängert bis : 27.6.2004

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Fragt man nach der Wahrnehmung der DDR, gespiegelt in der Kunst, hat man die Frage meines Erachtens falsch gestellt. Eine Wahrnehmung in der Einzahl gibt es nicht, auch wird ernstzunehmende Kunst zu diesem Thema mehr bieten als eine Spiegelung aktueller von Medien kreierter Trends. Diejenigen, die ihre Wahrnehmung der Geschichte zeigen, erinnern sich aus ihrer konkreten Situation heraus, waren sie nun Teilnehmer dieser Epoche oder nicht - sie können den Gegenstand des Erinnerns nicht von ihren bisherigen Erfahrungen lösen. So schlage ich vor, die Ausgangsfrage in zwei Teilfragen aufzulösen: Erstens: Wie war die Kunst in der DDR - dazu befragen wir die Werke, die in ihr entstanden sind. Und zweitens: Wohin führte die DDR, welche spezifischen Gedanken, Gefühle und Handlungen, die sich von denen anderer Kontexte (DDR-loser Kontexte sozusagen) unterscheiden, können wir heute zeigen? Ich behandle im Vortrag über die Projekte SOZIALE GERÄUSCHE sowie im gleichnamigen Buch die zweite Frage. In dem Dia- und Videovortrag über Kunstprojekte zum Thema Alltagsrassismus, die ich an zwei Grenzen: einer ehemaligen Ost/Ost-Grenze (der deutsch-polnischen) und an einer ehemaligen Ost/West-Grenze (der österreichisch-slowenischen) durchführte, werde ich recherschiertes Material präsentieren. Ferner stelle ich die Frage, ob und wie die Existenz verschiedener Formen des Sozialismus in der DDR, in Polen und in Slowenien einen Einfluß auf die Geschichte der Fremdenfeindlichkeit in den verschiedenen Gebieten nahm und mit welchen anderen Geschichtserfahrungen sie sich bereits vermischte.

Judith Siegmund

Das Buch SOZIALE GERÄUSCHE von Judith Siegmund Soziale Geräusche - Szumy spolecznosci - Socialna sumenja in deutscher, polnischer und slowenischer Sprache Herausgeber Forum Stadtpark, Graz 2003 Übersetzung ins Polnische: Ewa Maria Slaska, ins Slowenische: Romana Sustar

Je nach Fragestellung und Thema verwendet Judith Siegmund (geb. 1965) heute Texte und Schriften, Fotografien, Dia- und Videoproduktion, Scherenschnitte und Methoden der Installation. Immer geht es bei ihren Arbeiten um konkrete Fragen, die unterschiedliche Erkenntnisbereiche betreffen, so etwa soziologische Fragen ("Pionier des Tourismus", Art-Acker Berlin, 1996), philosophische Aspekte ("Kant und Kunst", Institut für Philosophie der FU Berlin 1996), oder das Thema der Alltagssprache ("soziale Geräusche" Stuttgart 1994, Plüschow 1995) Judith Siegmund greift mit solchen Arbeiten und Untersuchungen auf konstruktive Weise und mit den Mitteln der Ästhetik in Bereiche ein, die der Kunst ursprünglich verschlossen waren, um neue neue und andere Erkenntnis- und Kommunikationsformen zu installieren. Ziel ihrer Arbeit ist dabei eine Verrückung von scheinbar selbstverständlichen Sichtweisen und die Infragestellung unhinterfragter Expertendomänen. (Dr. Peter Funken, Berlin)

Sonntag,20.06.2004, 20:00 Uhr Uhr, ACC Galerie