ausstellung

Überreichweiten: Zur Wahrnehmung der DDR in der aktuellen Kunst

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Mit Bettina Allamoda, Peter Bauer, Laurenz Berges, Amanda Dunsmore, Nina Fischer / Maroan el Sani, Jean-Luc Godard, Katharina Hohmann / Stefan Dornbusch, Birger Jesch, Peter Kees, Herwig Kipping, Anne König / Axel Doßmann / Jan Wenzel, Wiebke Loeper, Cornelius Mangold, David Mannstein, Maix Mayer, Peggy Meinfelder, Marcel Ophüls, Felix Ruffert, Pavel Schnabel, Shelly Silver und Katja Heseler / Anja Hoppe, Jens Rudolph, Gundula Ulonska / Ursula Meyer, Sibylle Windisch / Nicole Wolf (Projekt 'Erfahrungsaustausch')

15.05.2004 - 27.06.2004, ACC GAlerie Weimar

Eröffnung am Freitag, 14.5.2004, 20 Uhr. Di und Do von 12 bis 21 Uhr, Mi, Fr bis So von 12 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung geöffnet. Führungen sonntags 15 Uhr. Eintritt frei!

Eine Ausstellung des ACC in Kooperation mit Katharina Tietze und Ronald Hirte. Mit freundlicher Unterstützung des Thüringer Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst, der Stadt Weimar, des ACC-Förderkreises.

verlängert bis : 27.6.2004

Laut einer politikwissenschaftlichen Studie der Friedrich-Schiller-Universität Jena aus dem Jahr 2003 plädieren 23 Prozent der Thüringer für eine Rückkehr zur sozialistischen Ordnung. Und 58 Prozent schätzen die DDR eher positiv als negativ ein. Dabei ist vom Denkraum DDR und seinem ideologischen Stützapparat nach Prozessen der historischen Entladung, Klärung und Erneuerung nur seine Aura geblieben. Die Rezeption der DDR wandelte sich im Zeitraum von 1989 bis heute mehrfach. Beginnend mit Schock und Erleichterung, über Freude und Euphorie, Ernüchterung und Zorn bis hin zu Verlustängsten verschoben sich die Wahrnehmungen. Im Ergebnis dessen entsteht das Gedankenkonstrukt eines "verlorenen Landes", das es so nie gab. Eine Auseinandersetzung mit ihm scheint aktuell und notwendig zu sein. Wie spiegelt sich jener Wahrnehmungsprozess in der Kunst?

Anfang der 1990er Jahre richtete sich der Blick vornehmlich auf die Dinge, die man im Begriff war, reihenweise wegzuwerfen und die doch eine reizvolle Schönheit oder Exotik besaßen. In diese Zeit gehören auch Fotodokumentationen von brachliegenden Werksgeländen, Kulturhäusern oder Kasernen der NVA und der Roten Armee. Später kommt zu dieser zeitgenössischen Praxis des Spurensicherns, Sammelns und Dokumentierens eine Neukontextualisierung der DDR-Motive hinzu. Sie werden beispielsweise westdeutschen Alltagserfahrungen gegenübergestellt oder treten in Zusammenhängen auf, die ihre Herkunft verschleiern. Erst langsam beginnt sich der künstlerische Blick vom Gewesenen der DDR - Erinnerungsbruchstücken, traditionellen Bezugsgrößen, mehr oder weniger subtilen Erbe-Metaphern - zu lösen und das Bestehende oder künftig Mögliche vor dem Erfahrungshorizont DDR in Betracht zu ziehen. Denn zeitgenössische Kunst kann Vergessenes wieder ins Gedächtnis holen, ohne rückwärtsgewandt Jahrestage zu feiern, kann Entwertetes mit aktuellem Gehalt versehen, ohne Mythen zu reproduzieren. Sie verfolgt biografische Linien, ohne Erfahrungen zu verklären oder Schmerz, Wut und Absurdität zu negieren.

Zwei Dutzend Positionen aus fünfzehn Jahren (1989-2004) belegen die gesellschaftliche Kampfkraft der Kunst. Bettina Allamoda nähert sich über den weiten Umweg der sowjetischen und amerikanischen Raumfahrt der DDR, Peter Bauer bevorzugt die direkte Oral History, um eine DDR-Vergangenheit herbei zu zitieren. Laurenz Berges hält eine andere, die verlassene Kasernenwelt, fotografisch fest, deren Inneres revitalisiert Amanda Dunsmore. Nachbilder von der zentralen Repräsentationsarchitektur der DDR produzieren Nina Fischer und Maroan el Sani. Film-Denkbilder nahm Jean-Luc Godard in der Zeit des Mauerfalls auf dem Weg nach Westen auf. Den Ausverkauf des Ostens bannen Katharina Hohmann und Stefan Dornbusch auf Plakate. Birger Jesch nimmt kartografisch Spitznamen ernst und offenbart DDR-Männersehnsüchte über die fallende innerdeutsche Grenze hinweg. Die deutsch-deutsche Demarkationslinie zehn Jahre nach ihrem Fall beschallt Peter Kees. Herwig Kipping malt filmisch den dörflichen Alltag im fiktiven Stalina der frühen DDR. Von der aktuellen Transformation einer städtischen Großwohnsiedlung erzählen Anne König, Axel Doßmann und Jan Wenzel anhand von fünfzehn Biografien. Autobiografisch zeigt Wiebke Loeper den Wandel der Plattenbauten Ostberlins. Aus in Plattenbauten geborgenen Lichtschalterabdeckungen stellt Cornelius Mangold funktionale, unikate Souvenirs her. David Mannstein macht die Worte eines Weimarer Schriftsetzers leuchtend sichtbar. Maix Maier spielt mit original kopierter, an Walter Womackas "Junges Paar am Strand" orientierter Kunst im Interieur deutscher Wohnzimmmer. Gegenstände, die sich DDR-Bürger vom Begrüßungsgeld kauften, trägt Peggy Meinfelder zusammen. Marcel Ophüls relativiert dokumentarfilmisch die Wiedervereinigungseuphorie der Deutschen, Felix Ruffert beschäftigt sich mit Violett, der Lieblingsfarbe von nur einem Prozent der Deutschen und Haarfarbe Margot Honeckers. Die weilte anlässlich von Goethes 150. Todestag in Weimar, wo auch Pavel Schnabels Langzeitdokumentation über den DDR-Alltag und die Irritation nach dem rasanten Wandel gedreht wurde. Dessen New Yorker Kollegin Shelly Silver hingegen befragt Ost- und Westberliner nach Phrasen wie Demokratie, Sozialismus, Heimat.

Angeschoben wurden die Überreichweiten mit dem Projekt "Erfahrungsaustausch" an der Bauhaus-Universität Weimar, von dem vier ausgewählte Positionen in die Ausstellung aufgenommen wurden: Katja Heseler und Anja Hoppe bewerben im ostdeutschen Reklamestil das damals beliebteste Duftschaumbad. Das für seine Gehirnwäsche-Methoden berüchtigte, kafkaeske Stasisystem metaphorisiert hingegen Jens Rudolph, wenn er einige der 180.000 Meter gefüllter Aktenregale des Geheimdienstes per Kamerafahrt passiert. Gundula Ulonska und Ursula Meyer machen die Worte des besagten Weimarer Schriftsetzers hörbar und koppeln sie mit den Ergebnissen ihrer biografischen Recherche im zeitgemäßen SMS-Format. Die Biografie eines kubanischen Gastarbeiters in der DDR veranlasste Sibylle Windisch und Nicole Wolf zu dessen Fotoportraitreihe vor heimischer Kulisse.

Im Folgenden wird der erste Teil der künstlerischen Arbeiten vorgestellt (zweiter Teil im Juni)

Bettina Allamoda

Pre-futurhistoric Slab Series<br />(Caspian Black) Über dem Kaspischen Meer, 1992
Pre-futurhistoric Slab Series
(Caspian Black) Über dem Kaspischen Meer, 1992

Bettina Allamoda zeigt Arbeiten aus dem Ausstellungsprojekt "1990 - eine Archäologie der Gegenwart" (1992) im ehemaligen "Haus der Sowjetischen Wissenschaft und Kultur", Berlin Mitte. Als eine Art fiktives Museum sind darin Aufnahmen und Dokumente US-amerikanischer und sowjetischer Raumfahrtgeschichte von der Künstlerin zu neuen Objekten verbunden und in strenger Anbindung an Geschichte und räumliche Begebenheiten des Orts installiert. Allamodas Arbeit "Pre-futurhistoric Slab Series" besteht aus fotografischen Abbildern sowjetischer Aufnahmen der Erde, die beim ersten (DDR-)Deutsch-Sowjetischen Raumflug 1978 mit der Multispektral- kamera gemacht wurden, übertragen auf archaische, skulpturale Formen. So entstanden - wie aus einer vergangenen Zukunft - neue, plastische Landkarten eines Territoriums, der Sowjetunion, die gerade zum Zeitpunkt der Ausstellung nicht mehr existierte.

Peter Bauer

Was bleibt, 2004<br />Rollbild, 90 x125 cm
Was bleibt, 2004
Rollbild, 90 x125 cm

"Der Wunsch nach Verbindlichkeit führt zum Plakat - oder auch nicht." Im Zentrum von Peter Bauers Werkschatz stehen Installationen, Objekte und Betrachtungen, die nach deutscher Identität schürfen und verschiedene Formen des Alltagserlebens erhalten bzw. wieder entstehen lassen sollen. Initial seiner "Rollbilder der Geschichte" ist die Oral History, sind mündlich überlieferte Wortbeiträge, die Bauer auch im Rahmen so genannter Talkperformances - wie jener namens "Oraler Raum - Ferne Signale" im Januar 2004 im ACC - zur Aufführung bringt. Darin stellte Bauer die Frage, ob DDR-Gegenstände, wie sie gesammelt und liebevoll gepflegt werden, überhaupt geeignet sind, noch Signal aus der Vergangenheit zu sein und kam zu dem Schluss, dass das erzählte Wort ein dafür eher geeignetes Medium sei. Auf den Rollbildern taucht es in Zitaten wieder auf. Diese stammen von zur DDR-Vergangenheit befragten Interviewpartnern und von Briefauszügen aus einem verflossenen Alltag, die mit grafischen und typografischen Elementen sowie Zitaten aus der Bilderwelt aktueller Design- und Lifestylemagazine u.ä. kombiniert sind, um sie in der Gegenwart zu platzieren Briefauszug auf einem Rollbild: Die Zeit rast. Trotzdem, Liebster, ein paar Zeilen noch an Dich. Nach diesem (wieder einmal wunderschönem) Wochenende wieder per Postkutsche nach Stolpen. Ich liebe Dich sehr, freue mich schon auf den Mittwoch. Seltsam sich vorzustellen, dass ich heute noch einmal nur ein paar Schritte von Dir entfernt sein werde, ohne Dich zu sehen. Zwei Bitten noch! a) Kaufe Dir ein Stück Butter (dafür die 2 Mark)! b) Kannst Du meine Turnschuhe (aber nur wenn Du Zeit hast) säubern? Bis Mittwoch einen lieben Kuss Deine N.

Laurenz Berges

Welzow I, 1993
Welzow I, 1993

"Nüchtern sind sie, die Fotografien von Laurenz Berges, dem Meisterschüler Bernd Bechers / Düsseldorf von 1996. Sachlich, schlicht, kühl aber nicht unterkühlt. Sie lassen eine Distanz zum Gegenstand erahnen, die für die Jahre 1992 bis 1995, in denen die Fotos entstanden, erstaunlich scheint: eingefangen in alten Russenkasernen, u.a. in Welzow, Stahnsdorf, Berlin-Karlshorst und Rathenow, zeichnen die Fotografien sehr klar ein Stück Zeitgeschichte. Völlig unnostalgisch, historisch ist sein Blick, ohne Pathos. Er gleicht eher der Inventur einer Geschichte, die soeben noch Gegenwart war. Es war Leben in ihnen, doch nun ist die Zeit eine andere, die sich im Verfall des Raumes zeichnet. Zu sehen ist wenig und doch sehr viel: Leere Räume, Tapeten, Türen, Ecken, Flure. Die Methode der Darstellung ist ganz vom "Reinheitsgebot" durchdrungen: der Intention nämlich, von jeglicher Vorstellung, von allem Wissen, durch welches das Bild vermittelt werden könnte, zu abstrahieren, um so der bloßen Wahrnehmung den Vortritt zu geben. Die Atmosphäre aber regt an, in der dargestellten Abwesenheit noch das Leben zu vermuten, die Prosa des Alltags noch sprechen zu hören. Berges liefert mit seinen Fotografien Anstöße für "erinnerndes Eingedenken", wagt einen unverstellten Blick auf das Vergangene, das er nicht ungesehen dem Vergessen anheim fallen lassen will." (Auszug, Ulrich Bischoff "Räume aus Licht und Geschichte", Katalog "Fotografien 1991 1995, Laurenz Berges")

Amanda Dunsmore

Peripherie (1997-2004)
Peripherie (1997-2004)

"Peripherie" (DVD, s/w, Standbildanimation für Flatscreen-TV, montiert auf Wand, Endlosschleife, Dauer 5min und Audioeinspielung, Endlosschleife, Dauer 20 min) besteht aus animierten Schwarz-Weiß-Fotografien, die an einer spezifischen Ortssituation am Rande Weimars aufgenommen wurden. Auf dem Gelände befand sich ein Gebäudekomplex, der ursprünglich 1940 von der deutschen Armee gebaut wurde. Seit ihn1945 die Rote Armee übernahm, war einheimischen Zivilisten bis nach 1989 der Zutritt verwehrt. Gegenwärtig befinden sich die meisten der Gebäude in einem verfallenen Zustand, einige wurden zerstört, andere in Wohnungen umgewandelt. "Peripherie" (1997-2004) ist eine Arbeit, die aus einer Auswahl von Dokumenta- tionsfotografien entstanden ist. Es gibt keine Außenaufnahmen der Gebäude, lediglich Fotos aus ihrem Inneren. Die Räume und Flure sind uns vertraut, doch auch fremd und scheinen aus einer anderen Zeit zu stammen. Die Soldaten sind gegangen, die Gebäude geblieben.

Nina Fischer / Maroan el Sani

'PdR-Weißbereich', Doppel-Video Projektion
'PdR-Weißbereich', Doppel-Video Projektion

"PdR. Nachbild vom Verschwinden des Palastes der Republik", Objekt mit Projektionen (Nachbild: Phänomen aus der Wahrnehmungstheorie: Nach einer Projektion eines Bildes bleibt dem Betrachter nach Erlöschen desselben ein Nachbild. Er sieht im dunklen Raum, auf der leeren Wand, ein Nachbild der gesehenen Projektion.) "Der Palast hat seine Rolle als Repräsentationsgebäude mit zentraler Bedeutung für die DDR gespielt und sieht nach erfolgreicher Asbestsanierung und zahlreichen Diskussionen über eine eventuelle zukünftige Nutzung jetzt seinem Abriss entgegen, der für das kommende Jahr geplant ist... Im Herbst gibt es die erste und letzte Gelegenheit zur kulturellen Zwischennutzung. Zeit für eine Spurensuche in der Gegenwart. Für diesen Zeitraum planen wir eine Aktion am Palast der Republik. Auf der Glasfassade wollen wir Filmbilder von der Eröffnung des Palastes 1976 projizieren. Was entsteht, ist eine Art Afterglow des Palastes. Für kurze Zeit, bevor er gänzlich verschwindet, werden die Passanten mit einem 'Nachbild' konfrontiert. Die Projektionen sind der Afterglow. Das Nachbild. Das Nachbild vom Verschwinden des Palasts der Republik.

'PdR-Weißbereich', Doppel-Video Installation
2001 haben wir den Arbeitszyklus zum Palast der Republik begonnen und eine Art Bestandsaufnahme der verbliebenen Hülle des Gebäudes und des Leerraums gemacht: Eine Installation zur imaginären Rekonstruktion des PdR mit zwei Film-Loops: Kamerafahrten im entkernten Volkskammersaal: 'Weißbereich'. Die beiden siebenminütigen Videos werden auf zwei gegenüberliegende Wände projeziert und erzeugen ein Gefühl der Desorientierung, während man sich durch den mit Hilfe der Bilder künstlich konstruierten Raum bewegen kann. Die Perspektive der einen Kamera zeigt das Rauminnere, die der anderen die Fensterfront. Beide Aufnahmen bewegen sich parallel zueinander und simultan, so dass man das Innen und Außen gleichzeitig sehen kann. Die einzigen Geräusche, die man gelegentlich hört, stammen vom dumpfen Lärm der Asbestbeseitigung im anderen Teil des Palastes."

Jean-Luc Godard

In seinem TV-Film "Allemagne neuf zero" (1991) lässt Jean-Luc Godard Lemmy Caution (Eddie Constantine) als ehemaligen Westagenten nach dem Mauerfall durch die verschwindende DDR irren und den Weg nach Westen suchen. "Was mich am meisten frappiert hat zwischen den beiden Deutschlands ist ein gewisses historisches Licht, in dem man noch das alte Ostdeutschland sieht, das sich nicht verändert, nicht bewegt hat seit 1945. Man sieht noch das alte Deutschland, und man sieht das neue Deutschland, das zutiefst amerikanisch ist, und das alte war preußisch. Und das eine wird das andere bewegen. Was ich machen wollte, war, dieses gegenseitige Bewegen, dies Ereignis zu filmen." Mit "Deutschland Neu(n) Null" kam ein fintenreicher Streifen voller Bild-, Wort- und Musikmontagen zustande, der ausgiebig Bilder deutscher, italienischer und russischer Filmgeschichte verschichtet und nicht zuletzt gerade so die Einsamkeit der DDR zeigt.

Katharina Hohmann / Stefan Dornbusch

Plakattext: Grundstück mit Bungalows. 15233 Röppisch (Erholungsgrundstück). 2 Ferienbungalows, Südhang, mit je ca. 41 m2 Fläche und 3 m breiter Terasse, vermietet bis 2/02, Bestandsschutz, Trinkwasser- und Elt.- Zuleitungen erneuert 1992. Jahreskaltmiete (brutto ohne Betriebskosten) DM 442,00. Herrlicher Rundumblick über das Vogtland. Grundstücksgröße ca. 4000 m2. Mindestgebot (Auktionslimit) Euro 2000.- *. Röppisch liegt südlich von Gera an der B2. <br />* zzgl. Auktions-Courtage auf den Zuschlagspreis
Plakattext: Grundstück mit Bungalows. 15233 Röppisch (Erholungsgrundstück). 2 Ferienbungalows, Südhang, mit je ca. 41 m2 Fläche und 3 m breiter Terasse, vermietet bis 2/02, Bestandsschutz, Trinkwasser- und Elt.- Zuleitungen erneuert 1992. Jahreskaltmiete (brutto ohne Betriebskosten) DM 442,00. Herrlicher Rundumblick über das Vogtland. Grundstücksgröße ca. 4000 m2. Mindestgebot (Auktionslimit) Euro 2000.- *. Röppisch liegt südlich von Gera an der B2.
* zzgl. Auktions-Courtage auf den Zuschlagspreis

"rix rax immoreal"
Inspiriert von vierteljährlich erscheinenden Immobilien- Versteigerungskatalogen, die den Ausverkauf von Grundstücken und Gebäuden aller Art in der ehemaligen DDR vornehmen, begeben sich Katharina Hohmann und Stefan Dornbusch seit Winter 2001 auf die Reise. Immer wieder fahren sie über das Land und suchen die meist unspektakulären und brachliegenden "Niemandsländereien" aus den Katalogen auf. Sie fotografieren die Landschaften und unbebauten Flächen, die auf sie hinsichtlich gestalterisch künstlerischer und dysfunktional architektonischer Maßnahmen große Suggestivkraft besitzen. Immer wieder erleben sie auch entsprechende Auktionen - die Vermischung von Wertlosigkeit und Anspruch, von Besitzgier und Spekulationsgeist fasziniert sie. Im Stil der Auktionskataloge entwerfen sie fiktive Werbeplakate, die den Auftakt einer komplexen künstlerischen Intervention bieten.

Birger Jesch

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LUMPI - HIPPI - KRASSI, Multimediainstallation, 2004
Die überlieferten Spitznamen von 47 Jugendlichen der Tramper-Szene aus dem Sachsen der 1970er Jahre erscheinen auf einer Landkarte zwischen Flur- und Ortsnamen, in hektographierten Stasi-Akten sowie in der Ton-Bild-Text-Montage "Kundenkartei" auf einem Monitor.

SAMMLUNG ANNA BLUME, Aktion / Spurensicherung,
1989 / 2001. Ausschnitte aus Briefen, im Siebdruck reproduziert, sowie Relikte einer Kontaktsuche zeigen männliche Sehnsüchte nach einer west-deutschen Märchenfee im Spätstadium der DDR.

Peter Kees

klangmauer, Toninstallation an der 1391 km langen alten Grenze zwischen Deutschand und Deutschland.
klangmauer, Toninstallation an der 1391 km langen alten Grenze zwischen Deutschand und Deutschland.

"klangmauer, Toninstallation an der 1391 km langen alten Grenze zwischen Deutschand und Deutschland." Ein L.O. aus Beständen der NVA mit der Aufschrift "Labor für Demokratie" fuhr 1999 die einstige deutsch-deutsche Demarkationslinie ab. Vom Dach des Fahrzeuges beschallten orangefarbige Druckkammerlautsprecher Menschen und Orte mit Toncollagen zu den Ereignissen um die deutsch-deutsche Wiedervereinigung: Interviewausschnitte von Menschen aus der gesamten Bundesrepublik aus der Sicht eines zehnjährigen Abstandes. Die dabei sehr unterschiedlichen, von der jeweiligen persönlichen Subjektivität geprägten Einzelinterviews hat Kees collagiert und mit musikalischen Elementen und Statements von Politikern verbunden. Entlang des einstigen Grenzverlaufs hinterließ er an 21 Orten Ton-Installationen, die durch Bewegungsmelder ausgelöst, jeweils einen Ausschnitt aus der Gesamtinstallation hörbar machten. Die ehemalige deutsch-deutsche Demarkationslinie wurde so zehn Jahre nach ihrem Wegfall akustisch nachgezeichnet.

Herwig Kipping

Titelsequenz zu 'Das Land hinter dem Regenbogen'
Titelsequenz zu 'Das Land hinter dem Regenbogen'

Herwig Kippings DEFA-Debüt "Das Land hinter dem Regenbogen" (1991) spielt Anfang der 1950er Jahre in Stalina, einem Dorf in der DDR. Der Großvater des Regenbogenmachers will in der LPG das Paradies errichten. Der Junge liebt die schöne Marie, in deren Augen der Traum vom Regenbogenland leuchtet. Das großväterliche Paradies hingegen entpuppt sich als Vorhof zur Hölle, in dem die Vertreter des Sozialismus über Leichen gehen und in grotesken Ritualen den Götzen Stalin anbeten. Der Film wirft in malerischen Tableaus einen Blick zurück in Schmerz, Haß, Liebe, Zorn und Trauer - auf einen Alltag, der trotz dröhnender Worte und ausladender Gesten geprägt ist von Dumpfheit, Schmutz und Egoismus.

Anne König / Axel Doßmann / Jan Wenzel: "Das Schweigen von Alice Schmidt wird unterbewertet"

links: Die Hallenser Großwohnsiedlung Silberhöhe, Bausituation aus den 1980er Jahren<br/ >rechts: Die Hallenser Großwohnsiedlung Silberhöhe, 2003. Fotos rechts: Jan Wenzel
links: Die Hallenser Großwohnsiedlung Silberhöhe, Bausituation aus den 1980er Jahren
rechts: Die Hallenser Großwohnsiedlung Silberhöhe, 2003. Fotos rechts: Jan Wenzel

"Die Hallenser Großwohnsiedlung Silberhöhe wurde in Sichtweite zum ehemaligen Chemiekombinat Buna erbaut. Gerade als der letzte Wohnblock den Mietern übergeben wurde, kam die Wende und der Wegzug der Bewohner begann. Die Baugeschichte von Silberhöhe erzählt exemplarisch von den Turbulenzen, mit denen eine zunehmend unbeherrschbar gewordene sozialistische Stadtplanung seit den späten 1970er Jahren zu kämpfen hatte. Andererseits ist der Stadtteil, der seit 1990 mehr als die Hälfte seiner Einwohner verloren hat, auch ein Indiz für den politisch ungelösten Strukturbruch in Ostdeutschland. Deökonomisierung, Bevölkerungsrückgang und Suburbanisierung sind Faktoren, die die Zukunft des Stadtteils mehr und mehr in Frage stellen. Die Dia-Installation erzählt anhand von 15 Geschichten, die als Folge von kurzen Textsequenzen und Bildern montiert sind, von der mentalen Ebene eines komplizierten Transformationsprozesses."

Wiebke Loeper

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"Moll 31"
Matthias Harder schrieb anlässlich der Ausstellung "Portrait:Berlin" in der Plaza Gallery, Tokyo, 2002: "Wiebke Loeper zeigt den Wandel Berlins, insbesondere des Ostteils der Stadt, mit einer autobiographisch geprägten Gegenüberstellung früher Aufnahmen des Vaters. Diese Dokumentation ihrer Kindheit konfrontiert sie mit eigenen, aktuellen Blickwinkeln, vom selben Ort, einer leer geräumten Wohnung, kurz vor dem Abriss des Elternhauses. So schafft sie ein Symbol für die strukturelle Veränderung der Gesellschaft und eines Individuums im Zeitraum von zwei Dekaden."

Marcel Ophüls

Novembertage : Stimmen und Wege
Produktion Regina Ziegler/Arthur Cohn/BBC-TV/RTL/Deutscher Fernsehfunk 1989, 130 min, Farbe

Marcel Ophüls, Novembertage, Filmstill,<br />(v.l.) Egon Krenz, Marcel Ophüls
Marcel Ophüls, Novembertage, Filmstill,
(v.l.) Egon Krenz, Marcel Ophüls

Am 9. November 1989 öffnete die DDR die bis dahin unüberwindbare Berliner Mauer. Die Bilder der Begegnung von Menschen aus beiden deutschen Staaten gingen um die ganze Welt. Der Regisseur Max Ophüls hat diese Bilder zum Anlass und als Ausgangspunkt seines Dokumentarfilms Novembertage genommen, den er 1990 im Auftrag der BBC über den Fall der Mauer und den Zusammenbruch der DDR drehte: Eine Dokumentation über die deutsche Vereinigung 1989 aus britisch-französischer Sicht; lehrreich und komisch zugleich. Ophüls hat Menschen befragt, die an diesen Ereignissen teilgenommen haben, darunter Beate Uhse, aber auch Politiker der DDR wie Egon Krenz. Mit distanziert-kritischem Blick vergleicht er als Kind jüdischer Emigranten die Situation im Frühjahr 1990 mit den Verhältnissen im Deutschland der Nachkriegszeit, nimmt aber auch die nationalistischen Untertöne in Deutschland während der deutschen Revolution wahr und erinnert daran, dass der 9. November das Datum der Kristallnacht war. Bing Crosby, Irving Berlin und George Gershwin bringen Ständchen. Ein herzerfrischender Film, der vom unverstellten, unvoreingenommenen Blick von außen lebt. Marcel Ophüls empfindet den Mauerfall uneingeschränkt als Geschenk. Er reist voller Freude und Neugierde nach Deutschland, spricht mit den Protagonisten der Wende, mit einfachen Leuten auf der Straße, mit Bürgerrechtlern wie Bärbel Bohley und Werner Fischer und mit Funktionären wie Günther Schabowski und Markus Wolf. Er entlockt den schon oft Befragten mit seiner unkonventionellen Fragetechnik neue Aussagen, er lockt seine Zeitzeugen aus der Reserve - ein sehr unterhaltsames, unmittelbares Zeitdokument. Ophüls ist ein streitbarer Filmemacher, der sich oft mit seinen Streifen unbeliebt machte. Und dennoch bekam er für seine ganz eigene Radikalität und Orginalität 1988 für Hotel Terminus einen Oscar. "Eigentlich mag ich Dokumentarfilme nicht", definierte Ophüls vor einigen Jahren sein Credo. "Ich bin aus Versehen in diese Branche geraten. Daher dachte ich von Anfang an: Wenn schon ernste Themen, wenn schon alte Nazis, wenn schon Archivaufnahmen von Gräueltaten, dann doch bitte auch ein wenig Leichtigkeit. Nicht nur, damit die Leute sich nicht langweilen. Sondern auch, damit man den Duft des 20. Jahrhunderts in die Nase bekommt, der zum Glück nicht nur aus grauen Wochenschauen besteht, sondern auch aus Capra, Lubitsch, Fred Astaire - und meinem Vater Max Ophüls". Als sein einziges Vorbild benennt Ophüls (vielleicht ein wenig kokett) den Fernsehkommissar Columbo. Man wisse eigentlich immer schon, was gewesen ist, und dann gehe der Columbo hin, und alle lügen ihm was vor. Genauso sind auch die Filme von Marcel Ophüls aufgebaut. Und darum sind sie bei allem Schrecken und Elend auch oft extrem komisch. Ophüls ist nicht nur in seiner Montage alles andere als ein friedliebender Gutmensch. Und er ist (wie Columbo) ein begnadeter Fragensteller.

Shelly Silver

Former East/Former West
Dokumentarfilm, 58min, englisch und deutsch, Farbe

Shelly Silver, Former East/Former West, Filmstill
Shelly Silver, Former East/Former West, Filmstill

Nach der Wiedervereinigung gedreht, konzentriert sich dieser Film auf Fragen der nationalen Identität in Deutschland nach dem Kalten Krieg. Shelly Silver hat in verschiedenen Teilen Berlins hunderte von Straßeninterviews durchgeführt, in denen die Befragten ganz spontan und persönlich von ihrem Leben, ihrer Stadt und ihrem Land erzählen - drei Jahre nach dem Fall der Mauer und zwei Jahre nach der Wiedervereinigung. 45 Jahre lebten die Bewohner der geteilten Stadt radikal unterschiedliche Leben, ideologisch wie im Alltag. Der Film macht persönliche und ideologische Konzepte der deutschen Grenzen deutlich und stellt dabei die schwierige Frage, wer sich innerhalb dieser Grenzen befindet und wer nicht. Silver hinterfragt die gemeinsame Sprache, indem sie auf das unterschiedliche Verständnis gleicher Begriffe aus politischen und ökonomischen Zusammenhängen (Demokratie, Freiheit, Kapitalismus, Sozialismus) sowie auf Wörter, die Nationen und Identität beschreiben (Nationalität, Deutschland, Geschichte, Ausländer, Heimat) fokussiert.

Pavel Schnabel

Brüder und Schwestern
Dokumentarfilm, 95min, 16 mm, Farbe, 1991

Pavel Schnabel, Brüder und Schwestern, Filmstill
Pavel Schnabel, Brüder und Schwestern, Filmstill

Pavel Schnabel, Brüder und Schwestern, Filmstill
Pavel Schnabel, Brüder und Schwestern, Filmstill

"...und dass Kohl jetzt unser Kanzler ist, daran muss man sich erst gewöhnen!": O-Ton Ost, ein paar Wochen nach der Vereinigung, in einer Zeit voller Hoffnungen und Fragen nach der ungewohnten Zukunft. Ein Anlass, auch über die Vergangenheit nachzudenken, über die DDR und ihre Vorgeschichte. Schon im Frühjahr 1988 drehte der Filmemacher Pavel Schnabel in Weimar, freilich nur mit den Bürgern, die von den alles bespitzelnden Behörden sorgfältig ausgewählt wurden, damit sie die Deutsche Demokratische Republik würdig und zuverlässig vor der West-Kamera repräsentieren. Was für ein glücklicher Umstand, dass nach dem Zusammenbruch der DDR gerade diese Protagonisten wieder mitgemacht haben: Eine spannende Betrachtung einer deutschen Wende über Jahre hinweg ist möglich geworden. Der Film zeigt die alte DDR und die Irritation nach dem rasanten Wandel und vermittelt Alltägliches aus den beiden so verschiedenen Welten in atmosphärisch dichten Bildern.

Cornelius Mangold

System 80/25 Ein Souvenir

Cornelius Mangold, System 80/25, ACC Galerie
Cornelius Mangold, System 80/25, ACC Galerie

Im Sommer 2003 demontierte Cornelius Mangold Bauelemente, die ihm zur Herstellung eines Souvenirs verwendungswürdig schienen, aus einem leer stehenden Plattenbau in Halle-Neustadt. Nach wochenlangen Prüfungen der Fundstücke und Recherchen stand das Ergebnis fest:: die für die DDR typischen Lichtschalterabdeckungen der Installationsgeräteserie System 80 wurden zu Bilderrahmen veredelt und SYSTEM 80/25 genannt. Von den Millionen, die seit 1967 vom VEB Sonneberg Oberlind hergestellt wurden, demontierte und kennzeichnete Mangold mit der kanadischen Industriedesignerin Leila El-Kayem 1000 Stück. Jedes Unikat wurde mit einer Herkunftskennzeichnung versehen. Ein Stück Originaltapete füllt den Rahmen und kann später beispielsweise durch ein Passfoto vom liebsten Schatz getauscht werden. Die innen liegende Acrylscheibe des Souvenirs SYSTEM 80/25 ist in 14 verschiedenen Farben erhältlich. Während der Ausstellung ist der Bilderrahmen in einer handkonfektionierten Faltschachtel für 12 € käuflich zu erwerben. Ebenfalls sind sie im Internet unter http://www.superclub.de und im Museumsshop der Deutschen Guggenheim, Berlin erhältlich.

Cornelius Mangold, System 80/25
Cornelius Mangold, System 80/25

Maix Mayer

tune_up

Maix Mayer, tune_up, 200, (Installation, Wohnzimmer, eingerichtet von der Weimarer Firma Möbelhaus Helmreich GmbH)
Maix Mayer, tune_up, 200, (Installation, Wohnzimmer, eingerichtet von der Weimarer Firma Möbelhaus Helmreich GmbH)

Der Tuner hat die Aufgabe, aus der von der Antenne aufgenommenen Vielzahl von Wellen die gewünschte Senderwelle auszusuchen, die meist sehr schwachen Signale zu verstärken und in eine für die weitere Verarbeitung notwendige Zwischenfrequenz umzusetzen. (H. D. Naumann: RFT. ABC der Fernsehempfangstechnik, Kultur im Heim - Heft 2, 1970, S.35) In dem Ausstellungsbeitrag tune_up treffen sich zwei Auftragsarbeiten, die durch den Künstler Maix Mayer ausgelöst wurden. Einen Auftrag realisierte die seit 90 Jahren in Weimar ansässige Firma Möbelhaus Helmreich GmbH, die die Möblierung eines Musterzimmers in der ACC Galerie übernahm. An den Leipziger Maler Uwe Kowski wurde der zweite Auftrag zur Herstellung eines Ölbildes vergeben. Als Vorlage diente eine Reproduktion im Kunstmagazin art 12/03, auf der das Bild Am Strand von Moritz Götze abgebildet ist. Diese Arbeit bezieht sich explizit auf Walter Womackas Gemälde Am Strand von 1962, welches im Staatsratsgebäude der DDR hing. Moritz Götze befindet sich hierbei im Trend der Postmoderne, die auf Zweit- und Drittverwertung von allen gesellschaftlichen Bereichen setzt. ("...neue Historienbilder aus dem Geist der Pop Art..., verstaubte Klassiker, radikal saniert...", art 12/03). Bei dieser Methode setzt man auf neue "transformierte" Originale, welche zur Wertsteigerung schon mal kräftig aufgeblasen werden (Vergleich: Womackas Am Strand, 94 x 113cm, Götzes Am Strand, 140 x 180cm). Uwe Kowski bekam den Auftrag, das neue Bild Am Strand in seine Ausgangsgröße zu transformieren. Dieses Bild wurde als 1:1 Reproduktion im Musterzimmer mit "eingerichtet". Für die Reproduktion wurde das neueste Verfahren (XXL-Scanner) verwendet. Das Ölbild wird dabei direkt auf den Scanner gelegt, was sich in der Qualität der Reproduktion wiederspiegelt. Im Gegensatz zu der am Kunstmarkt zelebrierten Aura des Originals, die ausschließlich der Wertmaximierung dient und von der Autonomie des Künstlers und des Kunstwerkes ausgeht, verweigert sich eine Reproduktion diesen Mechanismen bis zu einem gewissen Grad. Nicht der Künstler oder die ACC Galerie, sondern das Möbelhaus Helmreich wies dem reproduzierten Kunstwerk einen Platz im Musterzimmer zu. Dem Konzept des White Cube und der Autonomie des Kunstwerkes wird hier widersprochen. Der Musterraum mit der platzierten Reproduktion wird fotografiert. Diese Dokumentation ist als Reproduktion für die Verwendung in Wohnzeitschriften und Einrichtungskatalogen vorgesehen. Damit wird die Kunst aus dem Kunstraum in den Raum des Alltags zurück überführt. tune_up verschiebt den durch die gesellschaftliche Praxis in den ehemaligen sozialistischen Ländern stark politisierten Begriff der Auftragskunst, in dem nicht das auratische Original das Ziel der Kunstproduktion ist, sondern die massenhafte Verwendung und Verfügbarkeit als Reproduktion. Hier knüpft Maix Mayer an seine Arbeit tuning_70 an, die als Reprint der Rubrik Das Bild der DDR Zeitschrift Kultur im Heim erschien. "... neben den Bildern für öffentliche Gebäude werden Werke für die private Sphäre benötigt. Stilleben und Landschaften möchten sich unsere Menschen gern in ihre Wohnung hängen. Das zeigt auch der Verkauf von Reproduktionen unserer Kunstverlage." Walter Womacka (1963)

David Mannstein

... vorausgesetzt, dass er noch dort ist, LED-Laufschrift mit dem Briefwechsel des Emil Ulbrich 1946-1950, Installation an der Fassade des ACC, 1000x15 cm, 2004.

David Mannstein, '... vorausgesetzt, dass er noch dort ist', LED-Laufschrift mit dem Briefwechsel 1946-1950 des Emil Ulbrich, Installation an der Fassade des ACC, 1000 x 15 cm, 2004
David Mannstein, '... vorausgesetzt, dass er noch dort ist', LED-Laufschrift mit dem Briefwechsel 1946-1950 des Emil Ulbrich, Installation an der Fassade des ACC, 1000 x 15 cm, 2004

David Mannstein, '... vorausgesetzt, dass er noch dort ist', LED-Laufschrift mit dem Briefwechsel 1946-1950 des Emil Ulbrich, Installation an der Fassade des ACC, 1000 x 15 cm, 2004
David Mannstein, '... vorausgesetzt, dass er noch dort ist', LED-Laufschrift mit dem Briefwechsel 1946-1950 des Emil Ulbrich, Installation an der Fassade des ACC, 1000 x 15 cm, 2004

Der Briefwechsel des Emil Ulbrich, der jahrzehntelang unbeachtet auf dem Dachboden des Burgplatz 1 lagerte, ist ein bewegendes Stück Zeitgeschichte. Emil Ulbrich selbst hatte Kopien der eigenen zusammen mit den eingegangenen Briefen in Aktenheftern archiviert. Er war nach dem Krieg allein mit seiner Frau nach Weimar gekommen. Seine Kinder und andere Verwandte, mit denen er sich austauscht, leben teils noch in der alten "Heimat", teils in anderen Besatzungszonen. "Deutschland ist ein armes Land" schreibt er und zeichnet ohne Absicht der Nachwelt ein Bild, das nicht nur auf eine materielle Armut schließen lässt. Es ist kalt "trotz Heizens nur 5 bis 6 Grad Wärme" ... "und da kann ich wirklich keine Briefe schreiben." David Mannstein verleiht den Worten Ulbrichs ein neues Gesicht, indem er sie in elektronisch erzeugter Schrift auf der Fassade des ACC leuchten lässt. Inhalt und Präsentationsform stehen im Kontrast zu den serifengewaltig dargebrachten Äußerungen der großen Meister im klassizistischen Weimar. Ulbrichs Briefen eigener sanfter, nicht ungebrochener Schwermut wirkt zwischen ihnen nicht deplatziert. Und gerade durch die Anwesenheit der berühmten Denker (Goethe z.B. lebte ein Jahr im Gebäude der Galerie) ist der Leser bereit, die einfachen aber klaren Sätze aufzunehmen und ihnen ihre Bedeutung zu entlocken. David Mannstein studierte in Weimar Freie Kunst und lebt in Berlin. In der jüngsten Zeit entstand eine Reihe von Arbeiten unter Verwendung von LED-Laufschriften mit Texten von Novalis.

Peggy Meinfelder

Peggy Meinfelder, Tennisschläger <br />(Projekt 'Meine ersten 100,- Westmark')
Peggy Meinfelder, Tennisschläger
(Projekt 'Meine ersten 100,- Westmark')

In ihrem Projekt Meine ersten 100,- Westmark beschäftigt sich Peggy Meinfelder mit genau jenem Moment, als die Bürger der ehemaligen DDR sich zum ersten Mal mit dem für sie neuen marktwirtschaftlichen System und damit einer schier überwältigenden Fülle von Waren konfrontiert sahen. Sie trägt Gegenstände zusammen, die sich die Menschen vom Begrüßungsgeld gekauft haben. Diese Artikel werden archiviert, alle tragen Beschriftungen, auf denen Angaben zum Namen und Geburtsjahr des Käufers sowie seine Motivation für die Anschaffung des Produktes und dessen späteren Gebrauch festgehalten sind. So entsteht eine Sammlung, die als eine Art Bestandsaufnahme von Erfahrungen - geknüpft an eine noch konkret vorhandene Materialität - fungiert.

Peggy Meinfelder, Meine ersten 100,- Westmark, Installation, 2004, ACC Galerie
Peggy Meinfelder, Meine ersten 100,- Westmark, Installation, 2004, ACC Galerie

Felix Ruffert

light violet. 26.
22.03.1982. Margot Honecker auf dem Theaterplatz in Weimar anlässlich der Goetheehrung zum 150. Todestag.

Felix Ruffert , light violet. 26., 2004
Felix Ruffert , light violet. 26., 2004

"Violett. Lieblingsfarbe von nur 1 Prozent der Deutschen. Dagegen lehnen 12 Prozent diese Farbe strickt ab. Violett, Rosa und Gold sind die Farben der Eitelkeit, zu schön und harmlos, um Sünde zu sein. Violett wird empfunden als Farbe der Extravaganz. Violett ist unkonventionell und originell. Wer Violett trägt, will auffallen. Trotz seiner Kühle ist es eine laute Farbe, durch seine Seltenheit aufdringlicher als Rot. Es gilt als typische Modefarbe. Man assoziiert Kurzlebigkeit, Verschwendung und Gefallsucht. Violett wird mit Oval verbunden, Sinnlichkeit und Geist, Gefühl und Verstand, Liebe und Entsagung. In der indischen Symbolik ist Violett die Farbe der Seelenwanderung. Violett symbolisiert die unheimliche Seite der Fantasie, die Sehnsucht, unmögliches möglich zu machen. Der Jugendstil ist die einzige Epoche, die Violett als Raumfarbe schätzte. Violett ist die unsachlichste und zweideutigste aller Mischfarben. Je nach Licht ändert sich der Farbeindruck ins bläuliche oder rötliche. Daher gilt sie als Farbe der Täuschung und Untreue. Es ist die Farbe mit der größten Ambivalenz. In den 1970ern ist sie die Farbe der feministischen Frauenbewegung geworden. Symbolfarbe der neuen Weiblichkeit, Abgrenzung vom hilflosen Rosa. Je mehr Schwarz und Violett mit Rot kombiniert wird, desto sichtbarer wird das Unmoralische. Lila, das durch weiß geschwächte Violett, gilt als altjüngferlich. Früher war es die Farbe unverheirateter Frauen, die für Rosa schon zu alt waren. Als altjüngferlich gelten auch die typisch violetten Düfte Lavendel, Veilchen und Rosmarien. Mit den gedeckten Farben Grau, Braun und Schwarz kombiniert gehört es zum Farbklang des Alten und Altmodischen, ist es die Farbe des Introvertierten und Verdorbenen." (Felix Ruffert)

Jens Rudolph

(Bauhaus-Universität Weimar, Projekt Erfahrungsaustausch, 2003-04)

Jens Rudolph, staats_SICHERHEIT, Filmstill
Jens Rudolph, staats_SICHERHEIT, Filmstill

"Der Staatssicherheitsdienst der DDR war Schild und Schwert der Staatspartei, der SED. Er sicherte durch Terror, Unterdrückung und Überwachung der eigenen Bevölkerung die Diktatur der SED. In den Akten des MfS finden sich Berichte über Menschen, die im Dienst der Stasi ihre Mitmenschen bespitzelt und verraten haben; aber auch Beispiele für Zivilcourage, für den Mut vieler Menschen und ihrer Sehnsucht nach Freiheit. Die Akten zeigen Marianne Birthler, die Bundesbeauftragte für Stasiunterlagen. Mein Film staats_SICHERHEIT beschäftigt sich mit dem mächtigsten Staatsorgan der ehemaligen DDR, der Staatssicherheit. Für seine Hauptaufgabe, die Sicherung des Sozialismus, bediente er sich aller legalen wie auch illegalen Mittel. Jegliche Art von Widerstand wurde vom Geheimdienst, mit seinen am Ende 91.000 hauptamtlichen und 180.000 inoffiziellen Mitarbeitern, verfolgt und zum Teil auch mit der Todesstrafe verurteilt. In der Arbeit sind gefüllte Aktenregale zu sehen, die einen Teil der, stellte man sie aneinander, insgesamt 180 Kilometer langen Regalreihe zeigen und die enorme Quantität der Arbeit der Stasi symbolisieren. Die langsame Kamerafahrt ermöglicht es dem Zuseher, sich auf die Lyrik zu konzentrieren, die wiedergibt, wie sich die Menschen in diesem Überwachungsstaat möglicherweise gefühlt haben. Sie erzählt von Misstrauen, Angst, dem Wunsch nach Freiheit, Einsamkeit, der (Un)Treue gegenüber sich selbst und anderen, von Gefangenheit, Mut und Unmut, Eingeschlossensein in sich selbst und in einem System, von Verfolgung und von der Hoffnung, Hilfe zu bekommen. Untermalt wird die erzeugte Stimmung durch eine langsame, melancholische Musik." (Rudolph)

Katja Heseler / Anja Hoppe

(Bauhaus-Universität Weimar, Projekt Erfahrungsaustausch, 2003-04)

Katja Heseler / Anja Hoppe, Plakat , <br />Werbekampagne für das Duftschaumbad <br />Badusan der Firma Gerana
Katja Heseler / Anja Hoppe, Plakat ,
Werbekampagne für das Duftschaumbad
Badusan der Firma Gerana

Gegenstand dieser Projektarbeit ist eine neu entwickelte Werbekampagne für das Duftschaumbad Badusan der Firma Gerana - ein zu DDR-Zeiten beliebtes Produkt, welches noch heute erhältlich ist. In der Kampagne finden sich typische Elemente damaliger DDR-Werbung wieder, welche sich mit aktuellen Werbestrategien vereinigen. So sollen die Wurzeln des Produktes in der DDR hervorgehoben, aber auch dessen Aktualität aufgezeigt werden. http://www.forum-frei.com/badusan/

Gundula Ulonska / Ursula Meyer

(Bauhaus-Uni Weimar, Projekt Erfahrungsaustausch, 2003-04) Emil und die Detektivinnen

Rauminstallation, Zwei Dutzend Hör-Briefe <br />und die museale Präsentation einer Auswahl <br />von Briefen, ACC Galerie, 2004
Rauminstallation, Zwei Dutzend Hör-Briefe
und die museale Präsentation einer Auswahl
von Briefen, ACC Galerie, 2004

In einer Dachkammer des Gebäudes Burgplatz 1 wurden 1990 unter einem Schnellhefter mit der Bezeichnung 'Marxismus-Leninismus / Günther Zorn' sieben Mappen mit Briefen entdeckt, die offenbar aus dem Nachlass des ehemaligen Hausbewohners Emil U. stammten. Emil U., seit 1946 Schriftsetzer in Weimar, setzte seine Privatkorrespondenz in den Raucherpausen der Zeitungsdruckerei, in der er arbeitete, in Blei. Von ihm angefertigte Kopien dieser Briefe - die sich gleich ihrem Original wie eine Tageszeitung lesen - bilden einen Teil jenes penibel gesammelten und nach Briefpartnern geordneten Textkonvoluts. Mit Vorliebe brachte Emil U. auch das heute als cut + paste bezeichnete Prinzip des Kopierens und Wiederverwendens von Daten zur Anwendung. Themen wie Gesundheit/Krankheit, Ernährung/Versorgungslage, Vertreibung/Umsiedlung, Heimat/Heimatlosigkeit, die Ungewissheit über das Schicksal von Familienangehörigen in der Nachkriegszeit oder die Zerrissenheit der Familie durch die Existenz der Zonengrenzen bilden den Kern des ca. 1.000 Seiten starken Briefarchivs. Gundula Ulonska und Ursula Meyer haben die Lektüre zwischen Emil U. und seinen Verwandten, die sie als "Rede mit einer abwesenden Person" bezeichnen, monatelang studiert und analysiert. Neben den individualhistorischen Hintergründen und den narrativen, deskriptiven und reflexiven Qualitäten des Briefes als wichtiger literarischer Gebrauchsform war es die mediale Verarbeitung privaten, geistigen Guts und dessen heutige Reflexion, die das Initial von Emil und die Detektivinnen bildete. Im Ergebnis steht die museale Präsentation einer Auswahl von Briefen, die einen perspektivischen Überblick über die Bandbreite des schriftlichen Gedankenaustauschs innerhalb einer deutschen Familie seit der Besatzungszeit gibt. Zwei Dutzend Hör-Briefe und das monotone Geräusch einer Setzmaschine bilden das auditive Zentrum der Rauminstallation, während die Künstlerinnen in einem an die Themen der Originalkorrespondenz angelehnten, computeranimierten SMS-Ping-Pong als moderner Form der Verständigung den Erarbeitungsprozess ihres Projekts detailliert beschreiben.

Rauminstallation, Zwei Dutzend Hör-Briefe und die museale Präsentation einer Auswahl von Briefen, ACC Galerie, 2004
Rauminstallation, Zwei Dutzend Hör-Briefe und die museale Präsentation einer Auswahl von Briefen, ACC Galerie, 2004

Sibylle Windisch / Nicole Wolf

(Bauhaus-Universität Weimar, Projekt Erfahrungsaustausch, 2003-04). Der Bildband OSSI-VEGA porträtiert den Kubaner Osvaldo Vega, der Mitte der Achtziger als Gastarbeiter in die DDR kam und noch heute in Deutschland lebt. Seine Geschichte, erzählt durch Fotografien auf der Vorderseite und Zitate/Interviewauszüge auf der Rückseite, wirft einen ganz persönlichen Blick auf sein Leben in der DDR, die Zeit der Wiedervereinigung und das Leben danach. Zentrales Requisit ist eine Fototapete mit Karibikmotiv in einem ehemaligen DDR-Volkshaus. Die Tapete in Wechselwirkung mit dem Standort symbolisiert sein ganz persönliches Konstrukt von alter und neuer Heimat.

OSSI-VEGA, Titel des Bildbands. <br/>Klappentext: 'Über 30.000 Kubaner absolvierten als Gastarbeiter in der DDR eine Ausbildung, basierend auf dem Abkommen von 1978 über '... die Beschäftigung kubanischer Werktätiger im Prozess produktiver Arbeit'. Die engen Beziehungen der sozialistischen Bruderländer wurden 1980 durch einen weiteren Vertrag über 'Freundschaft und Zusammenarbeit' gefestigt. Zur Zeit der Wiedervereinigung lebten zirka 8.000 Kubaner in der ehemaligen DDR, ungefähr die Hälfte blieben. Einer von ihnen ist Osvaldo Rodriguez Vega.
OSSI-VEGA, Titel des Bildbands.
Klappentext: 'Über 30.000 Kubaner absolvierten als Gastarbeiter in der DDR eine Ausbildung, basierend auf dem Abkommen von 1978 über '... die Beschäftigung kubanischer Werktätiger im Prozess produktiver Arbeit'. Die engen Beziehungen der sozialistischen Bruderländer wurden 1980 durch einen weiteren Vertrag über 'Freundschaft und Zusammenarbeit' gefestigt. Zur Zeit der Wiedervereinigung lebten zirka 8.000 Kubaner in der ehemaligen DDR, ungefähr die Hälfte blieben. Einer von ihnen ist Osvaldo Rodriguez Vega.

OSSI-VEGA, Bildband, Postkarte 2. Rückseite:'Ich war 22 und hatte Lust auf ein großes Abenteuer
OSSI-VEGA, Bildband, Postkarte 2. Rückseite:'Ich war 22 und hatte Lust auf ein großes Abenteuer

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