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plus: Clemens Friedrich (München):
Ein philosophischer Blick auf das Glück

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Vortrag + Gespräch, plus zur ACC-Ausstellung Glück

Clemens Friedrich (München): "In Fragen des Glücks läßt sich niemand gerne dreinreden, schon gar nicht von einer Philosophie, die man im Elfenbeinturm vermutet. Da fällt es schon eher dem Unglücklichen ein, dieser Philosophie über die Art sein Leben glücklich zu führen Fragen zu stellen. Kann die Philosophie also mehr bieten als altväterliche Ratschläge?"

Die Philosophie der Gegenwart tat sich lange schwer, die Frage nach dem Glück des menschlichen Lebens als eine legitime anzuerkennen, mit der sie sich auseinandersetzen müßte. Worin sich Tradition und Gegenwart aber einig sind, ist die Annahme, dass das Glück darin besteht, das Leben bewußt nach eigenen Plänen und Vorstellungen, Wünschen zu führen, ihm die Form zu geben, die man sich wünscht. Das heißt vor allem, dass man allen zufälligen und von außen aufgezwungenen Verhältnissen und Zwängen entkommen will und an ihrer Stelle die eigenen Plänen realisieren will. Was jedoch die Antike und die Gegenwart unterscheidet, ist die Frage, ob es ein für alle Menschen verbindliches Bild oder Vorbild geglückter Existenz geben kann. Während die Antike daran festhielt, dass es möglich wäre, die Umrisse einer solchen glücklichen Existenz zu zeichnen, wenigstens die Formen davon anzugeben, weisen die modernen Philosophen eine solche Vorstellung als "Paternalismus", als unzulässige Bevormundung des bei jedem Menschen individuell geformten "pursuit of happiness".

Wenn die moderne Philosophie keine konkreten Ratschläge zur Eroberung des Glückes nach Art des Aristoteles, die Extreme zu meiden und die goldene Mitte zu suchen, geben will, so hat doch erst der bürgerliche Individualismus der Neuzeit die Erfüllung des Glücks der Individuen zum Hauptzweck der gesellschaftlichen Entwicklung gemacht. "Jeder werde nach seiner Façon selig", so lautet gerade heute sein Credo. Die eigene Existenz aus eigener Kraft erschaffen ist das höchste Ideal der Gegenwart. Der Selfmademan ist das Ideal der gegenwärtigen Existenz schlechthin, wenn auch weiter gefaßt als nur ökonomische Selbständigkeit. Es geht darum, sich in Fragen der Lebensgestaltung von niemandem dreinreden zu lassen, keiner gesellschaftlichen und universalen Verpflichtung unterworfen zu sein, die man nicht mehr als legitim für alle geltend nachweisen könnte. (...) Clemens Friedrich

Freitag,20.02.2004, 20:00 Uhr, ACC