ausstellung

Glück
Annäherungen an das Glück

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Ausstellung mit Arbeiten von 34 Künstlerinnen und Künstlern.

Verschiedene Medien.

Kuratiert vom kunst-buero, München (kunst-buero.de).

Künstlerische Arbeiten von Tina Bara und Alba d' Urbano, Gerhard Blum, Heike Döscher, Jakob Gautel, Ottmar Hörl, Christian Jankowski, Kalaman, Jason Karaïndros, Hyon-Soo Kim, Berit Klasing, Annalies Klophaus, Vollrad Kutscher, Thomas Lehnerer, Cary Leibowitz, M+M / Frances Scholz, Elke Marhöfer, Piotr Nathan, Olaf Nicolai, Anny und Sibel Öztürk, Corinna Schnitt, Monica Studer und Christoph van den Berg, Thomas Thiede, Timm Ulrichs, Matthias Wähner, Susanne Weirich, Carl Emanuel Wolff, Stefan Wischnewski, Rob Wynne Die Ausstellung ist ein Projekt der Luitpold Lounge München (luitpoldblock.de) und wird unterstützt vom Förderkreis der ACC Galerie.

24.01.2004 - 14.03.2004, ACC Galerie

Dienstag bis Sonntag von 12 bis 18 Uhr geöffnet. Eintritt frei! Führungen sonntags 15 Uhr und nach Vereinbarung.

Eröffnung am 23.1.2004, 20 Uhr, ACC Galerie

Die Ausstellungsinformation zu den einzelnen künstlerischen Arbeiten orientiert sich am Rundgang durch die Ausstellung in der ACC Galerie, beginnend an der Hausfassade des ACC, Burgplatz 1.

Ausstellungsinformation

Von unserem Verlangen, unserer Sehnsucht nach dem Glück, dem launenhaften Phänomen, dem rätselhaften Zustand, dem flüchtigen Ereignis erzählt diese Ausstellung. 34 Künstlerinnen und Künstler nähern sich auf unterschiedlichste Weise dem Glück und geben uns eine Ahnung von dem ungreifbaren, eigentümlichen Ding, nach dem wir auf der Suche sind.

Kuratiert von Elisabeth Hartung (kunst-buero, München). Ein Projekt der Luitpold Lounge (München).

Matthias Wähner: <em>Bilder vom Glück</em> (1991)<br />Anny und Sibel Öztürk: <em>A better world lies in front of me - Geçekondu</em> (2003)<br />Annalies Klophaus: <em>Ateliertür</em> (1971)<br />Vollrad Kutscher: <em>Stammhaus der Gesellschaft zur Verwertung und Erhaltung der Idee des Pfennigs</em> (1996). Rouletteabend (von Vollrad Kutscher) zur Eröffnung der Ausstellung in der ACC Galerie am 23.1.2004<br />Christian Jankowski: <em>Telemistica</em> (1999)<br />Cary Leibowitz: <em>Sad ain't bad / Traurig sein ist schlimm</em> (1997)
Matthias Wähner: Bilder vom Glück (1991)
Anny und Sibel Öztürk: A better world lies in front of me - Geçekondu (2003)
Annalies Klophaus: Ateliertür (1971)
Vollrad Kutscher: Stammhaus der Gesellschaft zur Verwertung und Erhaltung der Idee des Pfennigs (1996). Rouletteabend (von Vollrad Kutscher) zur Eröffnung der Ausstellung in der ACC Galerie am 23.1.2004
Christian Jankowski: Telemistica (1999)
Cary Leibowitz: Sad ain't bad / Traurig sein ist schlimm (1997)

Hausfassade

Matthias Wähner: Bilder vom Glück (1991) Glücksschwein, Glücksklee und ein Hufeisen zieren die Außenfassade des ACC, suggerieren auf den ersten Blick eine Werbebotschaft und verweisen lakonisch auf die tausendfach ausgeschlachteten und vermarkteten Glücksymbole. Das vierte Symbol ist das blau-weiße Schutzzeichen, das Gebäude in Kriegszeiten als besonders schützenswerte Denkmäler ausweist. Jedoch sind im Krieg gerade die mit jenem Symbol ausgezeichneten Gebäude die am zügigsten zerstörten. Ein zweifelhaftes Glücksversprechen!

Ausstellung

Anny und Sibel Öztürk: A better world lies in front of me - Geçekondu (2003) Eigene Erfahrungen, Wunschbilder und Erinnerungen der Geschwister bilden oft den Nährboden ihrer künstlerischen Arbeiten. Sie thematisieren das existenzielle Glück, ein Dach über den Kopf zu haben. Mit dem türkischen Wort Geçekondu (wörtliche Übersetzung: Über Nacht gebaut) bezeichnet man in der Türkei Hütten, die vor den Grenzen der Stadt Istanbul täglich zu Hunderten entstehen. Einem türkischen Gesetz zufolge, darf ein Haus nicht mehr abgerissen werden, sobald es mit Dach steht. Das Land, auf dem es steht, gehört dem Erbauer. Viel arme Menschen nutzen dieses Gesetz, um sich das Glück vom Eigenheim zu erfüllen. Fernseher und Sessel laden zum Verweilen ein.

Annalies Klophaus: Ateliertür (1971) ist ein Beispiel ihrer frühen Arbeiten, die man mit Hilfe der Begriffe "skulpturale Malerei" oder "gemalte konkrete Poesie" einzuordnen versucht. In diesem Werk ist die Ateliertür sowohl Hintergrund als auch der Rahmen für die handschriftlich aufgemalten Zeilen. Als Material dient Annalies Klophaus die geschriebene Sprache, die Schrift, mit der sie "malendschreibend" in Form von teils vollständigen, teils fragmentierten Sätzen wesentliche Aussagen zu dem Thema Glück und dem Wesen des Menschen formuliert. Die Hauptaussage "Kunst ist Glück", die auf das Wesentliche reduziert ist, erscheint zuoberst auf der Ateliertür; weiter unten wird sie durch folgende Aussage ergänzt: "Das Wort Glück sähe ich gern als Straße, als begehbaren Weg."

Vollrad Kutscher: Stammhaus der Gesellschaft zur Verwertung und Erhaltung der Idee des Pfennigs (1996) Vollrad Kutscher verknüpft in seinen Arbeiten Fragen von Schönheit, Ethik, Geld und Macht. 1970 gründete er die Gesellschaft zur Verwertung und Erhaltung der Idee des Pfennigs (G.V.E.I.P.) als ironische Antwort auf Frankfurt am Main, einen der führenden Finanzplätze der Welt. Das virtuelle Stammhaus mit Eingangshalle und sieben Stockwerken (mit Kunstsammlung, Fitnessraum, Aussichtsterrasse, Kunsthalle, Kino, Klostergarten u.v.m.) kann per Mausklick betreten werden.

Faites vos jeux (2003) Am Eröffnungsabend waren die Gäste zum Glücksspiel mit Pfennigen eingeladen.

Christian Jankowski: Telemistica (1999) Die Videoinstallationen von Jankowski hinterfragen gängige Klischees und Rituale des Kunstbetriebs. Täglich treten in verschieden italienischen Privatsendern Wahrsager(innen) auf, die den Anrufer(inne)n vor laufender Kamera die Karten legen. Anlässlich der 48. Biennale in Venedig hat Christian Jankowski fünf TV-Wahrsager(innen) in ihrer Livesendung angerufen, um Fragen über den Verlauf seiner künstlerischen Karriere und die Reaktionen des Publikums auf sein aktuelles Werk zu klären.

Cary S. Leibowitz: Sad ain't bad / Traurig sein ist schlimm (1997) Cary S. Leibowitz thematisiert in seiner Kunst häufig Zustände wie Verletzlichkeit, Selbstzweifel oder Elend, die sonst vor der Gesellschaft geheim gehalten werden, aber jedem bekannt und vertraut sind. In seinen künstlerischen Arbeiten benennt er diese Zustände mittels deutlicher und manchmal suggestiver Sätze und Texte. Subtil wird hier auf eine Lebensrealität verwiesen, in der beileibe nicht alles glücklich ist.

Thomas Lehnerer: <em>Weltgesellschaft für Glück</em> (1994-95)<br />Ottmar Hörl: <em>Glück im Koffer</em> (2000)<br />Jason Karaïndros: <em>Eros und Thanatos</em> (2002-03)<br />Timm Ulrichs: <em>Glückswürfel</em> (1965/2002)<br />Vollrad Kutscher: <em>Europan</em>, ehemals Gesellschaft zur Verwertung und Erhaltung der Idee des Pfennigs AG (1994-95)<br />Rob Wynne: <em>Glücksbringer</em> (1999-2003) <br />
Thomas Lehnerer: Weltgesellschaft für Glück (1994-95)
Ottmar Hörl: Glück im Koffer (2000)
Jason Karaïndros: Eros und Thanatos (2002-03)
Timm Ulrichs: Glückswürfel (1965/2002)
Vollrad Kutscher: Europan, ehemals Gesellschaft zur Verwertung und Erhaltung der Idee des Pfennigs AG (1994-95)
Rob Wynne: Glücksbringer (1999-2003)

Thomas Lehnerer: Weltgesellschaft für Glück (1994-95) Der Titel der Arbeit spielt auf jene Weltgesellschaft für Glück an, die Lehnerer 1987 mit Michael Feistle gründete, mit dem Ziel, die Idee des Glücks ins Bewusstsein zu rücken. Die Installation besteht aus drei Vitrinen, in denen sich kleine Figürchen, Zeugnisse verschiedener Kulturen und Naturobjekte befinden. Die Vitrinen umgibt eine Wunderkammeratmosphäre. Was die Figürchen verbindet, ist, dass sie alle Glückssucher, Glücksfinder oder Glücksbringer sind. Jedes Objekt gibt auf seine Weise eine Antwort auf die Frage, wie Glück zu erreichen sei: als Paar, als Mutter, als Krieger, durch Aufopferung, durch Abkapselung, durch Freiheit, durch Leben im Kollektiv, durch Meditation, im Tod.

Ottmar Hörl: Glück im Koffer (2000) Hörl erfindet nicht - er findet vor und macht sich das bereits vorhandene durch seinen künstlerischen Eingriff zu eigen. Das Glück ist verwendbar als Telefonkarte. Jeder Benutzer wird Teilnehmer eines übergreifenden, mehrdimensionalen Ganzen, das seine Impulse aus einem einfachen Wort bezieht: Glück. Die damit verbundenen Wünsche, Erwartungen und Sehnsüchte des einzelnen Teilnehmers bilden zusammen mit den Verteilerstrukturen des Netzwerkes einen imaginären öffentlichen Raum, ein fluktuierendes System menschlicher Begegnungen: Skulptur als lebendiges Ordnungsprinzip.

Jason Karaïndros: Eros und Thanatos (2002-03) Ein großer Teil von Kara?ndros' Werk besteht darin, nicht den Blick des Betrachters einzunehmen, sondern den Betrachter dazu zu bringen, genau hinzuhören. Eros und Thanatos, der Gott der Liebe und der Gott des Todes, besteht aus zwei identischen Flaschen erstklassischen Bordeaux, die keine Etiketten tragen. Einer der Flaschen ist Viagra, der anderen Zyankali beigemischt. Das Werk spielt mit der Suche nach dem sexuellen Glücksmoment, mit dem Prinzip des "russischen Roulette" und der Spannung des Antagonistenpaares Eros und Thanatos.

Timm Ulrichs: Glückswürfel (1965/2002). "Jeder Wurf eine Sechs! 6 Punkte auf jeder Seite - Viel Glück!" Weil der Konzeptkünstler Ulrichs Alltägliches hinterfragt und beim Wort nimmt, sind seine Objekte oft einfach und dennoch raffiniert. Der 1965 erstmals hergestellte Glückswürfel hilft dem Glück auf die Sprünge und führt das Prinzip des Würfelns ad absurdum. Hier gewinnt jeder!

Vollrad Kutscher: Europan, ehemals Gesellschaft zur Verwertung und Erhaltung der Idee des Pfennigs AG (siehe oben) Nach der Einführung des Euros gründete sich die G.V.E.I.P. als Europan neu, die sich fortan der Vermarktung des Euros widmet. In der Vitrine befinden sich verschiedene Gegenstände der Gesellschaft von der Filiale über den Inhaber-Optionsschein bis zur Auszeichnung "Der Pfennig am Band".

Rob Wynne: Glücksbringer (1999-2003) Überdimensioniert Fliegen tummeln sich an der Wand. Auf ihren Rücken sind Worte und Satzfragmente zu lesen. In Amerika umschreibt eine Redewendung das Glück der Fliegen an der Wand damit, dass die kleinen Tierchen überall zugegen sind und aus dem Leben der Menschen allerlei aufschnappen. Rob Wynne macht die Fliegen - diese potentiellen Glücksbringer, denn Sie könnten ja wissen, was der Mensch tatsächlich will - durch die Aufschriften zu entzifferbaren Boten.

Jakob Gautel: <em>Glückssamen</em> (1993/2003)<br />Tina Bara und Alba d'Urbano: <em>Siegerehrungen</em> (2003), Detail, ACC Galerie<br />Thomas Thiede: <em>Glücksritter</em> (2003), Detail<br />M+M/ Frances Scholz: <em>Tango Project</em> (1999)<br />Hyon-Soo Kim: <em>Kleine Mütter</em> (2003)<br /> Annalies Klophaus: <em>Glücklicht</em> (2003)
Jakob Gautel: Glückssamen (1993/2003)
Tina Bara und Alba d'Urbano: Siegerehrungen (2003), Detail, ACC Galerie
Thomas Thiede: Glücksritter (2003), Detail
M+M/ Frances Scholz: Tango Project (1999)
Hyon-Soo Kim: Kleine Mütter (2003)
Annalies Klophaus: Glücklicht (2003)

Jakob Gautel: Glücksamen (1993/2003) Die Arbeiten von Gautel entwickeln ihre eigentlichen Dimensionen meist im direkten Dialog mit den Betrachtenden. Der Künstler durchwandert die Welt und hinterlässt seine Spuren. Er kreiert Interventionen, Performances und ortsbezogene Installationen. Er verfälscht und verändert Objekte des Alltags, wie Fotos, Texte und Gegenstände. Bereits 1993 versand Gautel des Glück in Form von Samen. Diese Gewürzpflanze ist sehr widerstandsfähig und wächst auf schwierigsten Böden. Zum Mitnehmen!

Tina Bara und Alba d'Urbano: Siegerehrungen (2003) Bara und d'Urbano setzen sich in ihrer Kunst mit dem Verhältnis von Körper, Gesellschaft und Medien auseinander. Die Siegerehrungen handeln vom vergänglichen Glück des sportlichen Erfolgs. Die zehn Portraitfotografien zeigen ehemalige Leistungsschwimmerinnen der DDR, die in ihrer Jugend große Erfolge erzielten. Das kleine Land versuchte sich durch sportliche Leistungen als einen erfolgreichen, gesunden Staat darzustellen. Die Bilder zeigen die gealterten Sportlerinnen noch einmal in der Pose der damaligen Erfolge.

Thomas Thiede: Glücksritter (2003) Thomas Thiede führt seit zwei Jahren ein Assoziationstagebuch. Er notiert sich täglich ein Wort und ein Bild, welches er in eine Zeichnung umsetzt. Dieses dient ihm als Pool für seine Bilder und Objekte. Groovetiere sind Kopfgeburten, die sich komplett aus Thiedes sinnlicher Wahrnehmung rekrutieren. Sie sind Vehikel, deren ideale Nutzoberfläche mit allen Sinnen ausgestattet ist, und die mit multiplen Sensoren, Tentakeln, Saugnäpfen, Augäpfeln ausgerüstet, anzapfen, einschleusen, aufsaugen. Mit diesen Werkzeugen wandert der Glücksritter durch die alltägliche Informationsflut.

M+M/ Frances Scholz: Tango Project (1999) Das Künstlerduo M+M und Frances Scholz gingen 1999 im Zentrum Roms eine Luxuswohnung suchen. Die Wohnung sollte idealer Weise ein Ort einer Affäre sein, wie sie in Bertoluccis Film "Der letzte Tango" stattfindet. Sie erlangten in Anzügen und fremdländischem Akzent das Vertrauen eines italienischen Immobilienmaklers und schossen hunderte Fotos verschiedener Interieurs. Zwei Fotos und ein Filmstill aus "Der letzte Tango" werden mit Aufnahmen von Telefongesprächen mit dem Makler und dem Soundtrack des Films unterlegt. Eine Luxuswohnung in Rom und eine prickelnde erotische Affäre erscheinen als Ausdruck höchsten Glücks, der jedoch durch das tragische Ende des Films und die leere Schäbigkeit der Räume gebrochen ist.

Hyon-Soo Kim: Kleine Mütter (2003) Die gesamte Arbeit von Hyon-Soo Kim ist eine Metamorphose. Die einzelnen Werke sind eingebettet in einen beständig fortschreitenden Arbeitsprozess. Ihre Stoffskulptur thematisiert das Glück neuen Lebens, die sich darin erneuernde Hoffnung, aber auch das Glück des Kindes, das von der Mutter geliebt und geschützt wird.

Annalies Klophaus: Glücklicht (2003) (siehe oben) Auch das zum Bild modifizierte Wortspiel "Glücklicht" bewegt sich zwischen Poesie und bildender Kunst. Die Lichtinstallation wirkt durch die Feinheit des Schriftzugs und das angenehme Leuchten erfreulich auf die Betrachtenden.

Piotr Nathan: <em>Grünes Collier</em>, aus der Reihe <em>Im Park der Erinnerungen</em> (1997)<br />Carl Emanuel Wolff: <em>Kartenspiel</em> (2001) und <em>Skaterzwerg 2</em> (2003)<br />Gerhard Blum: <em>Angellion, der König im Glück und Kirinon, der König im Unglück</em> (2003)<br />Olaf Nicolai: <em>Enjoy survive enjoy</em> (2000)<br />Monica Studer und Christoph van den Berg: <em>Bergrestaurant</em> (2002) und <em>Gletscher </em>(2002)
Piotr Nathan: Grünes Collier, aus der Reihe Im Park der Erinnerungen (1997)
Carl Emanuel Wolff: Kartenspiel (2001) und Skaterzwerg 2 (2003)
Gerhard Blum: Angellion, der König im Glück und Kirinon, der König im Unglück (2003)
Olaf Nicolai: Enjoy survive enjoy (2000)
Monica Studer und Christoph van den Berg: Bergrestaurant (2002) und Gletscher (2002)

Piotr Nathan: Grünes Collier, aus der Reihe Im Park der Erinnerungen (1997) Piotr Nathan erschafft Metaphern für Zwischenstadien existenzieller menschlicher Erfahrung, in denen sich Lebenslust und Vergänglichkeit, Poesie und Abgrund die Hand reichen. Das üppige Schmuckstück erweckt Assoziationen zu beneidenswerten Reichtum. Doch nur an der Oberfläche. Das Collier ist untragbar, mit vollem Gewicht hängt es an der Wand. An der Stelle eines smaragdgrünen Steines ist ein Zeitungsartikel eingefasst, der den Tod eines Fötus verkündet, der im Leib der tödlich verunglückten Mutter einige Wochen überlebte.

Carl Emanuel Wolff: Kartenspiel (2001) und Skaterzwerg 2 (2003) Die Arbeiten von Wolff sind erzählerisch und beziehen fast immer Protagonisten aus Fabel- und Märchenwelt mit ein. Häufig sind es Zwerge, die sich wundern über die Dinge, die sich abspielen. So wie die schwere, nach einem aus Papier gefalteten Modell geschaffene Bronzeskulptur in der Ausstellung Glück, die sich von einem aus Spielkarten zusammengesetzten Bild abwendet, als wundere sie sich über die fabelhafte Welt der individuell vom Künstler entwickelten Spielkarten.

Gerhard Blum: Angellion, der König im Glück und Kirinon, der König im Unglück (2003) Die künstlerische Welt von Gerhard Blum ist ein poetischer, sehr individueller Kosmos. Häufig tragen seine Figuren Züge aus Märchen und Erzählungen. Die beiden Skulpturen aus Stoff und Leder sind bis ins Detail gleich gearbeitet, zum Verwechseln ähnlich. Lediglich in den Farben Rot und Schwarz unterscheiden sie sich. Das Glück und das Unglück liegen nahe beieinander.

Olaf Nicolai: Enjoy survive enjoy (2000) Die Wurzeln von Nicolais Arbeit liegen in der Annäherung von Hoch- und Popkultur, durch die die Ästhetik nicht länger von anderen Lebensbereichen getrennt ist, sondern Ausdruck eines Lebensgefühls ist. Die runden poppigen Aufkleber sind in unlimitierter Auflage im Umlauf. Sie spielen mit dem Fetischcharakter der Popkultur, den Postulaten des Konsums und deren Vergänglichkeit. Der Ruf nach Vergnügen ("Enjoy") wird immer wieder mit dem ermahnenden Survive ("Überleben") gebrochen.

Cary S. Leibowitz: Bitter thoughts be gone / Die traurigen Gedanken sind weg (2001) (siehe oben)

Monica Studer und Christoph van den Berg: Bergrestaurant (2002) und Gletscher (2002) In ihrer Arbeit "Vue des Alpes" widmen sich Monica Studer und Christoph van den Berg dem Urlaubsglück, den erträumten Idyllen und dem virtuellen Raum. Sie erschufen ein virtuelles Kurhotel, dass man ohne Reiseaufwand im Internet besuchen kann (www.vuedesalpes.com). In der Ausstellung präsentieren sie digital geglättet Bilder zwischen Reisekatalogidylle und Klischee, deren eigentümliche Künstlichkeit zugleich an die glücksverheißenden Bilder der Werbung erinnert.

Berit Klasing: <em>Schlüssel zum Glück</em> (1999)<br />Elke Marhöfer: <em>das ist die Idee</em> (2002-03) (2 Bilder)<br />Corinna Schnitt: <em>Living a Beautiful Life</em> (2003)<br />Stefan Wischnewski: <em>Glück auf der zweiten Haut</em> (2003)<br />Susanne Weirich: <em>Silverturf - Rubbellos</em> (2003)<br />Heike Döscher: <em>Bulb</em> (2003)
Berit Klasing: Schlüssel zum Glück (1999)
Elke Marhöfer: das ist die Idee (2002-03) (2 Bilder)
Corinna Schnitt: Living a Beautiful Life (2003)
Stefan Wischnewski: Glück auf der zweiten Haut (2003)
Susanne Weirich: Silverturf - Rubbellos (2003)
Heike Döscher: Bulb (2003)

Berit Klasing: Schlüssel zum Glück (1999) Berit Klasings Beitrag zur Ausstellung schließt das Thema mit einer einfachen und poetischen Arbeit auf: Sie gab der alten Redewendung anschauliche Gestalt und bietet Schlüssel zum Glück an. Die Schlüssel sind aus Schokolade gegossen, die ja durch ihre besondere chemische Zusammensetzung glücklich machen soll. Teil der Arbeit ist die persönliche Präsenz der Künstlerin, die während der Eröffnung selbst in der eigens gebauten Theke stand und mit Spitzenschürze die Schlüssel anbot. In der Rolle der vertrauenserweckenden Verkäuferin spricht sie mit ihrer Kundschaft über die Dinge der Welt und eben über das Glück.

Elke Marhöfer: das ist die Idee (2002-03) Zu sehen ist eine Serie von Bleistiftzeichnungen, auf denen "Kollektivkörper", heterogene Gruppierungen von Personen zu sehen sind, denen ein spezifisches Verlangen, eine Sehnsucht, eine ähnliche Nachdenklichkeit und Frustration gemein ist. Die aus Buchillustrationen nachgezeichnete Versammlungs- und Gemeinschaftsszenen halten politische Momente aus der Zeit der Endsechziger des letzten Jahrhunderts dokumentarisch fest. Die Künstlerin fragt nach der Repräsentationspolitik eines versuchten gesellschaftlichen Umbruchs - welcher heute seltsamerweise naiv erscheint - ein Umbruch in eine andere, befreite, unbürgerliche, glückliche Zukunft.

Corinna Schnitt: Living a Beautiful Life (2003) Der Film von Schnitt nimmt sich anscheinend naiv populärer Vorstellungen vom Glück an. Scheinbar dokumentarisch berichten abwechselnd ein Mann und eine Frau, beide gut aussehend, aus ihrem Apartment von ihrem Glück, alles zu haben, was man sich für ein glückliches Leben meint zu brauchen. Die Litanei des totalen Glücks, kontemplativ in wohlkomponierten Szenen, provoziert den Zuschauenden, ohne ihn zu erlösen.

Stefan Wischnewski: Glück auf der zweiten Haut (2003) Immer wieder zitiert Stefan Wischnewski die ästhetischen Standards und Materialien des Kleinbürgers. Er arbeitet mit Originalmaterialien, seine Eingriffe sind minimal. Hier thematisiert Wischnewski sein ganz persönliches Liebesglück. Seine Lieblingsjeansjacke, die ihm gleichsam zur zweiten Haut geworden ist, versah er mit einem Tattoomotiv und dem Namen seiner Geliebten: Sarah. Fotos zeigen die Herstellung des Symbols, das Nähen auf die Jacke, wobei der Künstler sie niemals ablegte.

Kalaman: o.T. - happiness (2003) Sucht man einen gemeinsamen Nenner für Kalamans vielfältiges Wirken, dann ist es dieser: Die ironische Brechung, der Schalk, der Spaß - das ist Kalaman in seiner künstlerischen Intelligenz, die den schönen Schein stets hinterfragt und es nicht lassen kann, ihn dennoch zu vergöttern.

Susanne Weirich: Silverturf - Rubbellos (2003) Die große Tafel ist mit speziellem silberfarbenem Lack überzogen, der sonst in Werbesendungen genutzt wird, um potentiellen Kunden das Glücksgefühl des Findens zu vermitteln, das sich letztendlich meist doch als Niete erweist. Hinter diesem Rubbellos steckt keine Geheimniskrämerei. Die Betrachtenden werden zum aktiven Part auf der Suche nach dem Glück. Das Glück liegt allein im Moment des Rubbelns und des Hinterlassens von Spuren.

Heike Döscher: Bulb (2003) Die Künstlerin nutzt für ihre Installationen Gebrauchsmaterialien wie Klebeband, Tapete, Holz oder wie hier Verpackungsfolie. Diese kombiniert sie mit Foto- oder Videoarbeiten. Dadurch wirken sie oft einfach, spröde und fragil. Das Video zeigt zu Boden sinkende und zerplatzende Seifenblasen - ein poetisches Bild von der Vergänglichkeit und Kurzlebigkeit des Glücks.

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