ausstellung

GET RID OF YOURSELF

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Krieg ohne Ende, Überwachung ohne Ende, Gefängnisse ohne Ende. Obdachlosigkeit, Grundstücksspekulation, Homeland Security, (Anti-)Globalisierung. Was tun? Und vor allem wie? Die 13. Sommerausstellung der ACC Galerie GET RID OF YOURSELF (Werd' dich selbst los) vereint zehn zeitgenössische Initiativen und Projekte aus New York, Chicago, Los Angeles und San Francisco, unter ihnen unabhängige Kunstzeitschriften und Künstlerkooperativen, fiktive Künstlerunternehmen, selbstorganisierte Leseplattformen und netzwerkende Konzeptkünstler/innen.

Interagierende Künstlerkollektive und Aktivist/innen gehören in den von polizeistaatlichen und hegemonialen Absicherungsbestrebungen gekennzeichneten USA wie auch in Europa mehr denn je zur Praxis der Kunstproduktion - ihre Zahl scheint angesichts der kontinuierlichen Streichungen staatlicher Sozialprogramme anzusteigen. Welche Wirkungskraft und welchen Handlungsspielraum haben kooperierende Künstler/gruppen in Zeiten der politischen Verflachung ins Absurde? Wie unabhängig nehmen sie ihre Verantwortung in einer Gesellschaft wahr, in der soziale Fürsorge und politische Verantwortung durch Warenkonsum und wirtschaftlichen Egoismus abgelöst werden?

(Selbst-)Sarkasmus, Ausweglosigkeit, Ohnmacht und Depression, aber auch verstärkter Protest, konstruktive Offensive und Widerstandsbereitschaft speisen die Strategien der teilnehmenden Gruppen und Künstler/innen. Sie geben ihre individuelle Position auf, arbeiten im außerinstitutionellen Rahmen, sind bewusst undercover tätig, intervenieren im öffentlichen Raum, kollaborieren mit nicht-künstlerischen Initiativen und grenzen sich von den Marktgebaren des konventionellen Kunstbetriebs ab. Sie nutzen das Internet oder Piratensender als Werkzeuge für einen aktiven Nachrichtenaustausch mit globalem oder lokalem Aktionsradius oder unterwandern subversiv die technologischen Vorgaben der Computerspiele-Industrie. Sie vereint ihr permanentes Hinterfragen eigener Strukturen, Praxen und Produktionsbedingungen, ihr kritischer, autonomer Zugang zu gesellschaftlichen Zusammenhängen und ihr Wissen, dass es ein "Außerhalb des Systems" nicht geben kann.

Ein großer Teil von ihnen kommt aus New York, einer Stadt, die seit dem 11. September 2001, spätestens aber seit dem Irak-Krieg durch ein bislang ungekanntes Maß an Überwachungsaufgebot und Sicherheitsmanagement ihr Gesicht verändert hat. Von hier gingen Mitte der 1960er Jahre Counter-Culture und politische Protest- aber auch Kunstströmungen wie die Fluxus-Bewegung aus, verbunden mit einem passiven Widerstand gegenüber existierenden Marktstrukturen. Was ist von diesem Protestpotenzial geblieben, was unterscheidet es von heutigen Positionen, was ist reaktivierbar?

Erstmalig kooperiert die ACC Galerie mit dem neuen Kunstraum Halle 14 im sozio-urbanen Biotop der Leipziger Baumwollspinnerei. Für die Betreiberin dieses Präsentations- und Produktionsortes, die Stiftung Federkiel, ist GET RID OF YOURSELF nach dem Symposium Wie Architektur sozial denken kann das zweite öffentliche Projekt.