ausstellung

16Beaver Group

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Was ist 16 Beaver?

16 Beaver Street ist die Adresse einer von Künstlern/innen betriebenen Initiative, einer losen Gemeinschaft als offene, dauerhafte Plattform, die seit 1999 im Finanzdistrikt von Lower Manhattan beheimatet ist. Initiiert und betrieben zur Präsentation, Produktion und Diskussion einer großen Bandbreite von künstlerischen, kulturellen, ökonomischen, politischen, philosophischen und aktivistischen Projekten und Veranstaltungen, operiert die 16Beaver Group auf verschiedenen Ebenen: einer Lesegruppe, einer 16-Beaver-Lunchtime, Podiumsgesprächen/politischen Diskussionen, Filmvorführungen/Künstlervorstellungen/Vorträgen und einem Internetangebot.

16Beaver Group ( Ayreen Anastas, Rene Gabri, Paige Sarlin), Treffen mit Weimarer, Jenaer und Leipziger Künstlern und Kulturarbeitern vor Eröffnung der Ausstellung, ACC Galerie, 25.7.2003
16Beaver Group ( Ayreen Anastas, Rene Gabri, Paige Sarlin), Treffen mit Weimarer, Jenaer und Leipziger Künstlern und Kulturarbeitern vor Eröffnung der Ausstellung, ACC Galerie, 25.7.2003

Unhierarchisch und unabhängig von einer festgelegten Mitgliedschaft oder der geschlossenen Gesellschaft eines Stammkreises, treffen sich ein Dutzend Leute oder mehr regelmäßig montagabends in ihrem Domizil unweit des ehemaligen World Trade Centers, um "Zeit miteinander zu verbringen, einen offenen Dialog zu führen und Verbindungen untereinander herzustellen". Ausgangspunkt ist dabei der Wunsch zahlreicher Künstler/innen, Kurator/innen, Denker/innen und Aktivist/innen, unabhängig, auf "autonomem Gebiet" und außerhalb eines institutionellen oder kommerziellen Rahmens Ideen zu diskutieren und Fragen aufzuwerfen. An diesen Gesprächsrunden kann prinzipiell jeder teilnehmen. Aus den kontinuierlichen Begegnungen jener Kommunikationsgemeinschaft und einer damit verbundenen wie beabsichtigten osmotischen Verschmelzung von privater und öffentlicher Sphäre entwickeln sich neue Themen, die in den Diskurs aufgenommen werden.

In der Montags-Reading-Group werden Texte von allgemeinem Gruppeninteresse diskutiert, deren Thematisierung vorher aus der Gruppe heraus vorgeschlagen wurde. Der zu besprechende Text wird ca. eine Woche vorher über das Internet verbreitet (www.16beavergroup.org), wo man sich unter der Rubrik, für die man sich interessiert ("Veranstaltungen" und "Allgemeines") auf einer E-mail-Liste einschreiben kann. Jeder kann diesen Text erhalten, jeder kann mitdiskutieren. Manchmal orientiert sich die Besprechung nahe am vorgegebenen Wortbeitrag, manchmal ist sie lediglich Sprungbrett zu weiterführenden Gesprächen zu jüngsten politischen und sozialen Fragen. Zu den besprochenen Texten zählen neben vielen anderen: Roland Barthes: "Fragmente einer Sprache der Liebe", Eqbal Ahmad, Slavoj Zizek: "Welcome to the desert of the real", Saskia Sassen: "Global Cities", Jacques Derrida: "Politics of friendship", Gilles Deleuze & Felix Guatari: "A Thousand Plateaus", Paul Virilio: "Desert Screen", Hannah Arendt: "Eichmann in Jerusalem", Jean-Luc Nancy: "War and Sovereignty" und Rosalind Deutsch: "Evictions".

Filmvorführungen/Künstlervorstellungen/Vorträge finden je nach Angebot und Bedarf in losem Rhythmus statt. In jedem Falle schließen sich an die Präsentationen Diskussionen an. Diese Veranstaltungen können auch seriellen Charakter haben, wie die Filmreihe "Verbotene Filme" oder eine Serie zu Palästina. Die "Prison Series" (mit Tommy Trantino, Trevor Paglen und Mark Dow) befasste sich mit Aspekten des Gefängnis-Industrie-Komplexes, die "Radioactive Series" (mit Tanya Leighton, Sara Reisman und Craig Buckley als Kuratoren der "Homeland"-Ausstellung des Whitney-Programms und mit Jim Costanzo und anderen) mit Aspekten der Sicherheit und Verteidigung der "Heimat" und dem Heimatbegriff im Allgemeinen. Gegenstand des Interesses ist dabei ein bestimmtes Thema oder eine bestimmte Person. Folgende Filme wurden beispielsweise aufgeführt: "Chronicle of a Disappearance" von Elia Suleiman, "Happy Birthday Mr. Mograbi" von Avi Mograbi, "Everything and Nothing" von Jayce Saloum, "Meet the People" von Shelly Silver, "War and Peace" von Anand Padwardhan, "White Balance" von Francois Bucher, "dial H-I-S-T-O-R-Y" von Johan Grimonprez. In Einzelpräsentationen sprachen u.a. die Künstler/innen Luis Camnitzer, David Kareyan, Alia Hassan Khan, Susan Kelly, Renee Green, Rene Cox, Carola Dertnig, Ulrike Müller, Paul Chen, Walid Raad, Katrin Pesch, Ricardo Domingo und Seppo Renvall.

Die Freitags-"Lunchtime" wurde von dem in Mexiko aufgewachsenen Künstler Peter Lasch initiiert. Sie ist der Versuch, im Financial District bzw. im selben Gebäude wie 16Beaver arbeitende Leute einzubeziehen, indem sie in den Raum eingeladen werden. Gerade im arbeitenden Manhattan ist die Mittagspause zu einem biologisch notwendigen Übel, einer Fast-Food-Aktion ohne Interaktion aber mit dem Ziel, möglichst schnell zur Arbeit zurück zu kehren, verkommen. Die Mittagspause bei 16Beaver zu verbringen, ist der Versuch, etwas daraus zu machen. Kulturelle Angebote wie Performances (z.B. einer Vorführung von sportlichen Hantelübungen durch Richard Gabri), Konzerte (elektronische Musik von Angel Nevarez), die Präsentation des Videokollektivs El Tepeyac oder Videomixing (von Paul Clay) paaren sich dabei mit einem Essensangebot (zubereitet z.B. von einem darauf angesprochenen Restaurant oder verschiedenen Bäckereien oder von einem der Mitglieder des El Tepeyac Videokollektivs, das Tamalis zubereitete).

Das reichhaltige Internetangebot der 16Beaver Group (www.16beavergroup.org) beinhaltet u.a. zwei E-mail-Listen, (eine mit allgemeinen Textbeiträgen und eine mit Veranstaltungen), für deren automatische Zusendung man sich anmelden kann, wenn man die Webseite besucht. Diese Listen dauerhaft zu erhalten bedeutet nicht nur, dass man Informationen zugeschickt bekommt, sondern auch, dass man aktiv an dem, was sie beinhalten, teilhaben kann. Verschiedene Artikel, die die Netzwerkteilnehmer an 16Beaver senden, werden z.B. gesammelt, geordnet und weitergeleitet. Darüber hinaus enthält das Internetangebot einen Veranstaltungskalender, in dem Ausstellungseröffnungen, politische Diskussionsrunden, Demonstrationen, Konzerte u.a. angekündigt werden.

Podiumsdiskussionen können auch in einem größeren Raum stattfinden, wenn der Platz nicht ausreicht. Es werden Leute eingeladen, die zu einem bestimmten Thema kurze Ausführungen machen. Das Panel zum Thema "Their plan versus our plan" mit Martha Rosler, Nina Felshen, Clark Kissinger, Rev. Billy und Steven Duncombe setzte sich z.B. mit den seit mehr als zehn Jahren bestehenden Plänen der US-amerikanischen Regierung ("The project for the New American Century") auseinander, die deren hegemonialen Machtanspruch verdeutlichen, strategisch präzisieren und die kein Zufall sind und fragte nach, was "wir als Kulturarbeiter" dem in Form eines eigenen Planes entgegen zu setzen haben. Die Diskussion "Should I stay or should I go" thematisierte mögliche Veränderungen in der Kunstlandschaft Österreichs nach der Wahl Haiders.

16Beaver Group, (v.l.) Paige Sarlin, Ayreen Anastas, Präsentation anlässlich der Eröffnung der Ausstellung, ACC Galerie, 26.7.2003
16Beaver Group, (v.l.) Paige Sarlin, Ayreen Anastas, Präsentation anlässlich der Eröffnung der Ausstellung, ACC Galerie, 26.7.2003

"Operation How, Now, Wow. A Festival of Dissent" (www.operationhow.org), ist ein von der 16Beaver Group initiiertes Projekt, das sich mit dem derzeitigen politischen Klima in den USA auseinander setzt. Weltweit wurden Künstler/innen und Aktivist/innen aufgerufen, während eines bestimmten Zeitraumes (einem Wochenende im April 2003) ihre eigenen Projekte zu entwickeln und aufzuführen. Gruppen wie "Artists against the war" (Dread Scott und Mark Lepson) haben innerhalb dieser Woche eine Ausstellung organisiert, die den Irak-Krieg thematisiert. Ausgehend von 16Beaver wurden verschiedene Veranstaltungen, Diskussionen, Filme und Aktionen in New York unternommen.

Die 16Beaver-e-mail-Liste ist für deren Nutzer die wichtigste Form des Nachrichtenaustauschs mit weltweitem Aktionsradius. Wie gut sie funktioniert, wurde deutlich, als im Rahmen des Projekts "Radioactive" ein elektronischer Brief in Umlauf gebracht wurde, der darüber Auskunft gab, dass eine von Ayreen Anastas und Rene Gabri - zwei zutiefst mit 16Beaver verbundenen Künstlern - geplante Ausstellung in der White Box Galerie in Chelsea (Manhattan) nicht stattfinden könne, weil deren Eröffnung am 11. September 2002 vom "Kulturbüro des Ministeriums für Heimatsicherheit" ("Homeland Security Cultural Bureau") untersagt worden wäre. 16 Beaver diente auch als Diskussionsraum für die Unruhe, die dieses Projekt mit sich brachte. Es war nicht möglich, die Diskussion in White Box weiter zu führen, da der Vorstand der Galerie Druck ausübte und einige prominente artikulierte Künstler/innen wie Nancy Spero, Leon Golub and Yvonne Rainer u.a. das Projekt als unverantwortlich hielten. (http://www.16beavergroup.org/radioactive) (http://www.hscb.org) Darüber hinaus ist Spaß ein sehr wichtiges Merkmal von 16Beaver: Parties, Picknick, kleine und größere Ausflüge, Frühstück, Abendessen -¦ es handelt sich um die Freundschaft, die sich über die Zeit bildet.

16beaver: 1. Schnelle, treibende Bewegung. <fig.> Begeisterung, inneres Feuer, mitreißende innere Kraft. 2. Verantwortlich fühlen, durch hinweisenden Einfluss lenken. 3. a. starke Zuneigung, starkes Gefühl des Hingezogenseins, opferbereite Gefühlsbindung. b. gefühlsbetonte Beziehung zu einer Sache, Idee 4. Ablauf des Geschehens, Nacheinander des Erlebens; Aufeinanderfolge der Ereignisse, bestimmter Abschnitt dieses Ablaufs, Zeitraum, Zeitalter. 5. <Adj.> vielfältig, vielgestaltig, vielartig, reich an Formen, abwechslungsreich. 6. <sw. V.> ohne ein bestimmtes Ziel langsam spazieren gehen an einem Ort, an dem man andere sehen kann u. selbst gesehen wird. 7. Kraftwirkung; Produkt aus Kraftstärke u. Abstand des Punktes von der Angriffslinie der Kraft; <fig.> Merkmal, (wichtiger) Umstand, Gesichtspunkt; Umstand, der etwas bewirkt (Spannungs~) 8. a. voneinander abweichend, Unterschiede aufweisend, sich voneinander unterscheidend. b. mehrere, einige, manche. c. einiges, manches, dieses u. jenes 9. Lärm, Aufregung, freudiges od. überraschtes Durcheinander, Stimmengewirr. 10. a. <f.> das Anlegen von Kapital bzw. von Werten, die sich in Kapital umwandeln lassen. b. <m.> volkswirtschaftl. System, dem das Gewinnstreben des Einzelnen u. das freie Unternehmertum zugrunde liegen u. in dem die Arbeiter in der Regel nicht Besitzer der Produktionsmittel sind. 11. ich freue mich, du freust dich, er freut sich, wir freuen uns, ihr freut euch, sie freuen sich. 12. <m.> Hirsch mit 16 Enden am Geweih. 13. a. bewirken, verursachen, dass jmd., etw. seine Lage, Stellung Verändert. b. <16+sich> seine Lage verändern; nicht in einer bestimmten Position, and einer bestimmten Stelle o.ä. veharren. c. <16+sich> sich and einen anderen Ort begeben, den Ort stetig (in einer bestimmten Richtung, auf einem bestimmten Weg) wechseln. 14. Heiligenerzählung, Sage von frommen Menschen. 15. durch Einübung, eingehende Beschäftigung, häufigen Umgang o.ä mit jmdm., etw. vertraut machen. 16. <fig.> Ort der Freude, der Glückseligkeit; bes. schöner Ort. Abkürzungen: 16 = 16 Beaver, Adj. = Adjektiv, f = femininum, weiblich, fig. = figürlich, bildlich, m = männlich, o.ä. = oder ähnliche[s], ähnlichem, sw. V. = schwaches Verb.

16Beaver - photo by Sally Boon
16Beaver - photo by Sally Boon

Die 16Beaver Group ist eine von Künstlern/innen 1999 gegründete, offene, dauerhafte Kommunikations- und Aktionsplattform. Unabhängig, unhierarchisch, auf "autonomem Gebiet" (der 16 Beaver Street im Finanzdistrikt von Lower Manhattan) und außerhalb eines institutionellen oder kommerziellen Rahmens werden z.B. in der Monday-Reading-Group Texte von allgemeinem Gruppeninteresse diskutiert. Die zu besprechenden Text werden ca. eine Woche vorher über das Internet verbreitet (www.16beavergroup.org). Jeder kann diesen Text erhalten, jeder kann mitdiskutieren. Manchmal orientiert sich die Besprechung nahe am vorgegebenen Wortbeitrag, manchmal ist sie lediglich Sprungbrett zu weiterführenden Gesprächen über aktuelle politische und soziale Fragen. Textbeispiele: Roland Barthes: "Fragmente einer Sprache der Liebe", Slavoj Zizek: "Welcome to the desert of the real", Saskia Sassen: "Global Cities", Jacques Derrida: "Politics of friendship", Gilles Deleuze & Felix Guatari: "A Thousand Plateaus", Paul Virilio: "Desert Screen".