ausstellung

eteam

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Quick Click - Schnelles Knipsen

Die Mitglieder des eteam sind Video-, Performance-, Installations- und Computergrafik-Künstler/innen (www.meineigenheim.org), die oft unter Beteiligung eines Publikums (das zur Weiterbildung, Unterhaltung oder Mitwirkung gewonnen wird), nach Erfindungen streben, die das Alltagsleben verbessern. Diese Suche gipfelt in einer Serie von How-To-Videos und ortsspezifischen Installationen. In "Quick Click" machte das E-Team (damals Hajoe Moderegger, Franziska Lamprecht, Daniel Seiple) von einem Miet-Hubschrauber aus Fotos von Personen, die in einem länglichen Fenster im 91. Stock von Tower 1 des World Trade Centers standen und hinaus in die Stadtlandschaft schauten. Das im Film dokumentierte Kurzzeitprojekt dauerte zwanzig Minuten und fand am Tag der offenen Tür ("Open Studios") des World-Views-Atelierprogramms vom Lower Manhattan Cultural Council am Sonnabend, dem 31. März 2001, statt. Um 16.30 Uhr erreichten zwei E-Team-Mitglieder die abgesprochene Stelle und schwebten draußen vor der Fensterfassade der Twin Towers in der Luft, woraufhin ein drittes Mitglied im Inneren die Beteiligten der Performance in einer Schlange zum reibungslosen Ablauf formierte. Mittels Walkie-Talkie koordinierte das E-Team die Aufnahmen der Kamera mit dem Posieren der "Fotomodels". So betrat eine Person nach der anderen das beleuchtete Fenster, um vom Helikopter aus portraitiert zu werden. Nach zwanzig Minuten waren ungefähr sechzig Leute fotografiert worden. Am zweiten Tag der "Open Studios" konnten die Mitwirkenden der Aktion wieder kommen, um kostenfrei ihre Ergebnisse des Shootings in Empfang zu nehmen. Das Erlebnis, im 91. Stock des World Trade Centers zu sein, war überwältigend, obwohl der Innenraum hermetisch abgedichtet war, die Fenster allzeit verschlossen blieben und keine Tür nach draußen führte. Wenngleich dieser Blick nach draußen befreiend war, hatte die Unmöglichkeit, irgendein Fenster zu öffnen, etwas Einschränkendes, Zwanghaftes. Aufgrund der Gebäudehöhe war es zudem praktisch unmöglich, von draußen hinein zu schauen, man konnte nur in eine Richtung - von drinnen nach draußen - sehen. Das E-Team wollte einerseits dieses Verhältnis umkehren und das Abbild des Turmes wieder nach drinnen reflektieren, andererseits seinen zeitlich und räumlich begrenzten Atelierraum erweitern.

EMPTY OFFER - Leeres Angebot

Ein "leeres" Ausgangsbild, projiziert auf die Stirnseite des Ausstellungsraumes (im ehemaligen Frauenwaschraum des 3. Geschosses von Halle 14, der sich in eine Rauminstallation mit minimalistischer Wüstenei verwandelt hat), zeigt ein 1,1 Acker (oder Morgen, etwa 4.450 qm) großes Wüstengrundstück im US-Bundesstaat Utah ("1.1 Acres Flat screen" lautet der Titel einer Referenzarbeit), das im September 2002 vom eteam über das Internet-Auktionshaus ebay zum Preis von 456 Dollars erworben werden konnte und seitdem auf unterschiedliche Weise genutzt wird. Den Leipziger Besuchern wurde das Landgut als gastfreundliches, wenn auch "leeres Angebot" am Eröffnungsabend von GET RID OF YOURSELF und tags darauf für eigene Aktivitäten zur Verfügung gestellt. Selbst mittels Taschenlampengürtel und leuchtendem Sombrero im Lichte erstrahlend, konnten sie das Land "betreten" und sich dort in eigener Pose fotografieren lassen. Nach jeweils fünf Minuten wurde ihr Zeugnis belebten Wüstenlandes eingeblendet. Die Projektionsaufnahme der ersten portraitierten Person oder Gruppe ersetzte das vormals "leere" Wüstenbild und wurde damit zu Ausgangspunkt, Mutmacher und inspirierendem Moment für die nächsten Besucher, die sich mit dem projizierten Vorgänger arrangieren musste. Nach und nach wurde das Landstück mittels Fotoperformance und durch Publikumsbeteiligung "besiedelt", füllte sich mit Leuten, deren Vorgänger (und mit ihnen die Wüste) um so mehr verschwanden, je "älter" die Fotografie wurde. Auf einer Großwandprojektion ist in einer 45-Minuten-Dauerschleife das Erscheinen und Verschwinden von dreißig Leipziger Gästen dokumentiert, während ein kleiner Monitor Wüstenbesucher zeigt, die im Juli 2003 in gleicher Art und Weise das Land von New York aus betreten hatten.

eteam (Franziska Lamprecht und Hajoe Moderegger), 1.1 Acre Flat Screen (Part I), 2003, Land, Studio Program, Train Stop, Auction. Installation und Video (25 min). Train Stop, Videostill, ACC Galerie
eteam (Franziska Lamprecht und Hajoe Moderegger), 1.1 Acre Flat Screen (Part I), 2003, Land, Studio Program, Train Stop, Auction. Installation und Video (25 min). Train Stop, Videostill, ACC Galerie

1.1 Acre Flat screen

Das 25-minütige Einkanal-Video mit Installation (dessen Titel als "1,1 Morgen Flachbildschirm" übersetzt werden könnte) ist die detaillierte Beschreibung dieser Landaneignung und -kultivierung. Das eteam (hier Hajoe Moderegger, Franziska Lamprecht) aus Brooklyn erzählt die Geschichte von der Ersteigerung, der Unterzeichnung des Kaufvertrags, den Vorbereitungen zur Lokalisierung in der Wüste (per Satellitenaufnahmen), der Anreise sowie der Landvermessung vor Ort ebenso wie die vom damit verbundenen Künstleratelierprogramm, einem geplanten Eisenbahnstopp und einer anberaumten Auktion. Das "Foto der Grundstücksfläche" des Online-Anbieters namens "Land and Lights" zeigte weites, ebenes Land in der Mitte von Nirgendwo, unwirtlich, unberührt, eher lebensfeindlich, nur spärlich von dürrem Gras und Salbeibüschen bewachsen, im Hintergrund die blaue Silhouette der Berge. Die Beschreibung lautete: "Grundstück sehr flach und bebaubar. Bzgl. Flächennutzung von Grund und Boden keinerlei Baubeschränkungen" und tönte werbewirksam und preistreibend vom geeigneten Land "...to build the perfect Ranch of your Dreams". Um eine Farm zu bauen, muss man zunächst wissen, wo sich der Grundbesitz befindet und wie man dort hin gelangt. Ein Schritt-für-Schritt "How-To"-Video "Wie ich mein Grundstück finde", das am nächstgelegenen Flughafen beginnt, von wo aus sich Grundstücksfahnder ihrem ungesehenen Land nähern, bietet sich da an. So dachte das eteam und näherte sich - sorgfältig dokumentierend, schrittweise und nachvollziehbar - seinem neuen Besitz, den Teilstücken 11 & 14, T34S, R18W in der Garden Valley Ranchos Unit im Escalante Valley nahe Modena in Utah. Mit zugesandter Flurstückskarte und vom Internet runtergeladenen Satellitenbild konnte zunächst eine virtuelle Ortsbestimmung vorgenommen werden. Als charakteristisches Orientierungsmerkmal fiel ihnen ein kleiner schwarzer Fleck auf dem Satellitenbild auf, der sich später als künstlich geschaffenes Wasserloch für Kühe entpuppte. Entsprechend lautet der 3. Schritt der "Wegbeschreibung: Schmutzige Straße - Eisenbahn - Heist": "Nimmst du den schmutzigen, rechten Weg, erreicht jener bald die Union Pacific Eisenbahn (das einzige, was an Zivilisation erinnert) und verläuft dann parallel zu den Gleisen. Folge den Schienen, bis du éHeist' erreichst, eine kleine graue Eisenbahn-Behelfsbaracke, das letzte sichtbare Gebäude vor dem Grundstück. Fahre vorsichtig, da wilde Pferde die Strecke kreuzen könnten. Hast du éHeist' passiert, konzentriere dich auf die Seite rechts vom Weg. Du fährst an den Überbleibseln eines Personenwaggons vorbei und kurz danach siehst du das Wasserloch." Ausgehend von dieser "Landmark" musste die abschließende Suche und das kartografische Markieren des Anwesens zu Fuß unternommen werden, mit Karte, Kompass und im Voraus abgemessenen Stricken. Laut eteam soll man im weiteren Verlauf auf Clayton warten, dem das Wasserloch (und 250 Acker Land mit 50 Kühen) gehört und der den Weg weisen kann. Nach dem Auffinden eines Grundstücks beginnt man gewöhnlich mit dessen infrastruktureller Wertsteigerung (z.B. um potenzielle Investoren anzulocken, um es später wieder teurer zu verkaufen oder um sich einen Traum zu erfüllen). Das erschien dem eteam zunächst einfach.

Atelierprogramm "Bergblick" oder Die Wüste lebt: Angeregt von der romantisierenden Grundstücksbeschreibung durch den Internet-Veräußerer ("Mountain View") etablierte das eteam unter dem Namen "Bergblick" ein Studioprogramm für Künstler/innen, dass sich zahlreicher Bewerbungen und dreier Realisierungen (virtuell wie auch vor Ort) erfreut. Zwar ist eine "selbstgespeiste Sauna für Gelegenheitspassanten in der Wüste" - eine virtuelle Idee von Nika Oblak und Primoz Novak aus Slowenien - eine unpraktische Einrichtung, platziert in einer unfunktionalen, unbevölkerten Umgebung, einem leeren Raum - der Wüste. Doch ist es schön zu wissen, dass es ein wenig Luxus im Zentrum des Nichts gibt, einen Ort der Entspannung, eine Art moderner Zufluchtsstätte vor rauem Wetter, die darauf wartet, benutzt zu werden. Die Sauna sollte sich komplett aus alternativen Energiequellen (Sonne, Wasser) speisen, Solarbatterien sollen die Energie für die Heizung, die elektrische Beleuchtung in Sauna und Duschraum und ein Destillationsverfahren für das Brauchwasser aus der Dusche liefern. Das destillierte Wasser wird mit Regenwasser gemischt, das im Hauptwassertank gesammelt wird. Brett Stalbaum and Paula Poole hingegen konnten ihr Projekt "Five Views of the Gray Knoll from Primary and other Bergblicks" life umsetzen. Bestärkt durch ihren Arbeitshintergrund, der sich mit Wüstengebieten befasst, und fasziniert von den spielerischen und postmodern-konzeptuellen Qualitäten des Studioprogramms, kampierten sie auf T34S und R18W, um den physischen Anwesenheitsaspekt des Programms umzusetzen. Nach aufwändiger, computergestützter Ermittlung von fünf geografischen Erhebungen im und um das Grundstück wurde die "Gray Knoll" ("Graue Kuppe"), der markanteste Hügel in der Umgebung, von diesen Punkten aus gemalt.

Moderner Eisenbahnüberfall: Bald merkte das eteam, dass die beste Landverwertungsmaßnahme die Ablehnung jeglicher Bebauung sein würde, um die Ganzheit einer Illusion nicht zu verdrängen. Umgeben von großen Träumen, ist das Land, so wie es ist, perfekt. Sein größter Nachteil ist seine Abgeschiedenheit, es bedarf einer guten Verkehrsanbindung, die einen angenehmen, einfachen Zugang zu dieser romantischen Idee ermöglicht. Die Eisenbahn! Sie war nur 2500 m vom Grundstück entfernt! Ein Zug musste dort zum Halten gebracht werden, damit die Insassen das Land begutachten könnten. Oft waren es die durch Eisenbahnraub erzwungenen Haltepunkte von Zügen, die im alten Westen neue Siedlungen entstehen ließen. Selbst 2002 wurden mehr als 80 Züge der Union Pacific ausgeraubt. Abgeschreckt von den sicher existierenden Präventivmaßnahmen, entschieden sich die "modern train stoppers" vom eteam für ein Szenario, dass die freiwillige Kooperation eines neugierigen Zugführers mit deren eigenen Fähigkeiten und Wissen zu neuen Technologien kombinieren sollte. "Plan A": Eine ferngesteuerte Kamera soll fünf Meilen vorm Grundstück über einen Bewegungsmelder überraschend ein Fotoportrait des Zugführers in Aktion machen. Während der fünf Minuten, die der Zug bis in die beschiente Nähe des Grundstücks benötigt, würde der Schnappschuss in 30 Sekunden als hoch aufgelöste Digitalaufnahme drahtlos dorthin übertragen werden. Genügend Zeit fürs eteam, ihn auf hochglänzendem Papier auszudrucken. Währenddessen würde der Zugführer eine Plakatwand mit der Ankündigung passieren, dass eben ein Bild von ihm gemacht wurde. Auf weiteren Tafeln stünde, dass er seine Geschwindigkeit drosseln und den Zug anhalten soll, um das Foto an einem Abholpunkt am eteam- Grundstück in Empfang nehmen zu können.

Auktion: Ihren dramatischen Endpunkt soll die Real-Estate-Inszenierung in einer für Oktober 2003 geplanten öffentlichen und professionellen Versteigerung finden. Während das eteam sein Land wieder weggibt, soll dann noch einmal die Einmaligkeit dieses Grundstücks, dessen reale Existenz die virtuellen Projektionen seiner Nutzer zu reflektieren wusste, deutlich werden.

eteam (Franziska Lamprecht und Hajoe Moderegger), 1.1 Acre Flat Screen (Part I), 2003, Land, Studio Program, Train Stop, Auction. Installation und Video (25 min). Gefahr, Videostill, ACC Galerie
eteam (Franziska Lamprecht und Hajoe Moderegger), 1.1 Acre Flat Screen (Part I), 2003, Land, Studio Program, Train Stop, Auction. Installation und Video (25 min). Gefahr, Videostill, ACC Galerie

"1.1 acres flat screen" ist die detaillierte Beschreibung einer Landaneignung. Das eteam (www.meineigenheim.org) aus Brooklyn konnte über das Internet-Auktionshaus ebay ein 1.1 acres großes Wüstengrundstück im US-Bundesstaat Utah zum Preis von 456 Dollars erwerben. Die Unterzeichnung des Kaufvertrags, die Vorbereitung zur Lokalisierung in der Wüste (per Satellitenaufnahmen), die Anreise sowie die Lokalisierung und Vermessung vor Ort waren die nächsten Schritte, die in eteam-Manier durch ein How-To-Video nachvollziehbar gemacht werden. Angeregt von der Grundstückbeschreibung durch den Veräußerer ("Mountain View") hat das Team bereits ein Studioprogramm für Künstler/innen unter dem Namen "Bergblick" etabliert, dass sich zahlreicher Bewerbungen und Realisierungen vor Ort erfreut. Als weitere Stufe der Belebung ihres Wüstensegments planen Franziska Lamprecht und Hajoe Moderegger (das eteam), einen Zug auf der nahe gelegenen Gleisstrecke zu stoppen, allerdings ohne die traditionellen räuberischen Methoden, sondern mit der dem eteam eigenen Überzeugungskraft, um so die notwendige infrastrukturelle Anbindung zu sichern. Beendigung und dramatischer Endpunkt der Inszenierung bildet die für Oktober 2003 geplante öffentliche und professionelle Versteigerung, mit der das Wüstengrundstück wieder aus Hand und Besitz gegeben werden soll. In Leipzig sind außerdem die Dokumentation der Aktion "Quick Click" (2001 am World Trade Center) und die Rauminstallation mit den Projektionsaufnahmen der Fotoperformance "Empty Offer" (2003) zu sehen.

eteam, Empty Offer, interaktive Installation, Halle 14, Leipziger Baumwollspinnerei EMPTY OFFER (Leeres Angebot)
eteam, Empty Offer, interaktive Installation, Halle 14, Leipziger Baumwollspinnerei EMPTY OFFER (Leeres Angebot)

Das "leere" Ausgangsbild, welches immer wieder an der Stirnseite des Ausstellungsraums erscheint, zeigt ein Stück Wüstenland. Dieses Wüstenland wurde im September 2002 vom eteam auf ebay ersteigert und seitdem auf unterschiedliche Art und Weise genutzt. Am Eröffnungsabend der Ausstellung und am darrauffolgenden Tag wurde dieses Stück Land (1.1 Acre Flat Screen) als "leeres Angebot" für die Leipziger Besucher zur Verfügung gestellt. Durch einen Taschenlampengürtel und einen Leuchthut bestrahlt, konnte man das Land betreten und sich dort fotografieren lassen. Nach 5 Minuten wurde anstelle des "leeren" Wüstenbildes das Foto mit der ersten Person in der Wüste projeziert, und damit zum Ausgangspunkt für den nächsten Besucher, der sich mit seinem projezierten Vorgänger(n) arrangieren musste. Nach und nach füllte sich das Stück Land mit Leuten, deren Vorgänger (und mit ihnen die Wueste) um so mehr verschwanden, je "älter" die Fotografie wurde. Das Erscheinen und Verschwinden von 30 Leipziger Besuchern ist in einem ca. 45 min langem Loop auf der grossen Projektion zu sehen. Auf dem kleinen Monitor sieht man Wüstenbesucher, die im Juli 2003 in gleicher Art und Weise das Land von New York aus betreten haben.

http://www.meineigenheim.org