ausstellung

Vorinformation: Happy Valley

von Frank Motz

Almut Rink (Wien/Erfurt)

Happy Valley

Happy Valley
Happy Valley

Nach vier Jahren zeigt die ACC Galerie vom 9. Mai (Eröffnung 20 Uhr) bis 6. Juli (Finnisage am letzten Tag des Rundgangs der Bauhaus-Universität) in einer umfassenden Einzelausstellung neue Arbeiten der Installations-, Video- und Konzeptkünstlerin Almut Rink (*1971). Seit 1990, dem Beginn ihres Kunststudiums an der Akademie der Bildenden Künste, lebt die Erfurterin in Wien. Die Evangelische Akademie Thüringen e.V. lud Almut Rink 1999 im Rahmen ihrer Kunstreihe Zusammen III. Junge Kunst aus Europa ins Pfarrhaus der Lutherkirche Erfurt ein. Dort verarbeitete Rink in ihrer ortsspezifischen Videoprojektion/Textinstallation Verlustzuweisung die vorgefundene Abfolge abgewohnter Zimmer mit eigener Geschichte nicht nur als Abbildung von Lebensweise und Psychogramm der ehemaligen Bewohner, sondern auch als Bild für die gesellschaftlichen Veränderungen in Ostdeutschland. Im Ergebnis einer Ausstellungskooperation zwischen Kunsthaus Erfurt und ACC war im gleichen Jahr Rinks Dia-Installation Das direkte Umfeld im Kunsthaus zu sehen, die den Eigenheim-Bauboom in den neuen Bundesländern thematisiert. In der Arbeit wird ein baugewidmetes Feld der Vorortsiedlung Erfurt/Marbach, das schon die gesamte Infrastruktur einer Siedlung (Fahrstraße, Fußwege, Beleuchtung) aufweist, in einem 360°-Panorama abgezirkelt. Parallel dazu läuft eine Tonaufnahme, in der ein Immobilienmakler durch die einzelnen Räume eines Musterhauses führt.

Almut Rink geht in ihren Arbeiten von der These aus, dass die Stadt auch da ist, wo sie Land heißt. In ihren Installationen und Videos untersucht sie künstliche Natur in urbanen Räumen, die je nach Wahl das Bedürfnis nach Sicherheit und Ordnung oder nach Abenteuer und Wildheit befriedigt.

Happy Valley
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Kernarbeit der Ausstellung ist die DVD-Installation Szobor Park Project (2003). Der Szobor-Park liegt am Stadtrand von Budapest und wurde 1993 nach einem Stadtratsbeschluss gegründet. Öffentliche Skulpturen und Denkmäler aus der Zeit des Sozialismus sollten hier in einem Themenpark der Zeitgeschichte gesammelt und - epochal gebündelt - erneut der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Ein Architekt wurde beauftragt, dessen symmetrische Anlage jedoch aus finanziellen Gründen nur teilweise realisiert, ein Zustand, der auf die gegenwärtigen Umstände in den ehemaligen Ostblockstaaten verweist. Dennoch gibt der Szobor-Park eine durchaus zeitgemäße Antwort auf die Frage, wie eine Gesellschaft mit den Relikten der Vergangenheit umgehen kann. Das Verschwinden der Monumente aus dem Stadtraum und die Dislozierung in einen neuen Theme-Park steht als Strategie analog zu denen amerikanischer Theme-Parks und Shopping-Malls, im Wissen, dass jede geografische, kulturelle, mythische oder historische Situation als Unterhaltungs-Setting wieder inszeniert werden kann. Dabei übertreffen die Ersatzsouvenirs und Substitute die Realität bei weitem an Echtheit und Dichte. Es entsteht eine Entertainment-Zone als Gruselkabinett, an dessen Souvenirstand man sich in die Geschichte einkaufen kann. Initiiert von einem australischen Unternehmer der Tourismusbranche, wird der Freizeitpark viermal wöchentlich von einer Hammer & Sickle Tour frequentiert, einer Alltags-Reinszenierung des Lebens in einer kommunistischen Vergangenheit als Ride, als Unterhaltungstour vor allem für englischsprachige Touristen, für die die jüngere ungarische und osteuropäische Geschichte mit Zitaten und Objekten bühnenartig aufbereitet wird. Die Sightseeingtour beinhaltet auch ein längeres Gespräch in der Plattenbauwohnung einer Satellitenvorstadt Budapests mit originalgetreuer Ausstattung eines Ostblock-Neubaus. Geplant ist darüberhinaus der Besuch eines proletarischen Pubs und eines sozialistischen Stahlwerks. Almut Rink nähert sich der Führung, dem Park, der (un)möglichen Aufarbeitung von Vergangenheit und der Suche nach Identität auf mehreren Zugangsebenen: in sich überlagernden Projektionen und einer Korrespondenz mit einem Tourguide.

Happy Valley
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Die Dia-/Videoinstallation sector no limits (2002) hat das Format eines Multimedia-Reiseberichts, der mit einer Collage diverser Textfragmente um die Themen Reisen/Selbsterfahrung, Natur/Landschaft und Image/Werbung verknüpft ist. Die vortragende Person (Almut Rink selbst) ist jedoch nicht live anwesend, sondern wechselt zwischen Video- und Diaprojektion die Medien, während auf der jeweils zweiten Projektion virtuelle Landschaften eines Computerspiels, Werbeanzeigen mit Landschafts- und Tiermotiven oder Screens in einer Großstadt mit Images idyllischer Natur zu sehen sind - eine Kartografie von Ähnlichkeiten ohne konkret nachvollziehbaren Reisehintergrund, jedoch mit einem zentralen Themenkreis: Dem Begehren nach einem Anderen, einem Ort, der niemals erreicht werden kann, dem Exotischen, der Ferne.