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plus: Dr. Bärbel Kühne, Designtheoretikerin, Hannover:
Mediales Grün. Das Naturbild in der Werbung

Vortrag und Gespräch

Die Distanz des Menschen zur Natur resultiert aus seiner kulturgeschichtlichen Entwicklung, seiner Verstädterung und zunehmenden Individualisierung, seiner Immobilität und Isolation angesichts medialer Fluten und global kursierender Daten- und Informationsströme. Diese Kluft wird scheinbar überbrückt durch eine zunehmende Sensibilisierung und eine Idealisierung der Natur. In der Realität bedroht, verbraucht und vergiftet, ist die Natur in den Köpfen der Menschen daher heil und voller Harmonie. Als heile Welt erscheint die Natur auch in den Bildern der Werbung: Heitere Lichtungen, tosende Meere, stille Täler und erhabene Berge sehen wir täglich, medial aufbereitet an Plakatwänden, in Zeitschriften, Fernsehen, Internet - ein unerschöpfliches Arsenal an Bildern, das in seiner Gesamtheit die Beziehung des Menschen zur Natur kommentiert und gestaltet. Auf welche Weise trägt die Werbung dazu bei, diese idealen Vorstellungen von Natur und des Menschen in der Natur lebendig zu halten? Wie gelingt es, diese Beziehung immer wieder neu zu formulieren und emotional aufzuladen? Wo liegen die Gefahren und Chancen dieser (un)reflektierten Überhöhung? Anhand zahlreicher Beispiele aus der aktuellen Medienlandschaft wird das Naturreich der Werbung in seiner Vielschichtigkeit vorgestellt und nach seinen Wurzeln, seiner Bedeutung und zukünftigen Aufgabe hinterfragt.

Dienstag,27.05.2003, 20:00 Uhr, ACC