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Pressestimmen: Kunstzeitung

über Menschen
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Mit Unterstützung des Programms Kultur 2000 der Europäischen Union
Mit Unterstützung des Programms Kultur 2000 der Europäischen Union

Die Zukunft des Humanen
Weimar: "ÜBER MENSCHEN"

Johannes Wendland, KUNSTZEITUNG, Nr. 79/März 2003

"Wer wagt es heute, dem Menschen sein neues Gesicht zu geben?". Solche Fragen stellt die Weimarer Ausstellung "Über Menschen", die vom 6. März bis zum 27. April im Schillermuseum und in der höchst regen ACC Galerie die Werke von zwölf Künstlern aus acht Ländern zeigt. Sie alle drehen sich um ein Schlüsselthema, das in der Stadt der Klassiker und des Klassikerzertrümmerers Nietzsche eine lange Tradition hat - die Zukunft des Humanen.

An der basteln heute ja ziemlich viele - auch die Künstler, wobei sie dabei vielleicht noch am zurückhaltendsten sind. Seit drei Jahren läuft am Weimarer Kolleg Friedrich Nietzsche ein Forschungsprojekt, das aus geisteswissenschaftlicher Sicht das emsige und mitunter unheimliche Werkeln von Gen-, Bio- und Nanotechnikern beobachten will. An dies Projekt haben sich die Ausstellungsmacher drangehängt. 'Manchmal muss man, um Themen zu finden, in Weimar nur über eine Straße laufen", sagt Andrea Dietrich von der ACC Galerie, eine der beiden Kuratorinnen. Dem wissenschaftlichen Nachdenken möchte sie zusammen mit ihrer Kollegin Julia Draganovic nun ästhetische Konzepte gegenüber stellen.

Ein Symposium, zu dem Vertreter beider Seiten eingeladen waren, stand im Dezember am Anfang. In Zusammenarbeit mit dem Kolleg und der Stiftung Weimarer Klassik wollen nun Künstler, die seinerzeit den Dialog mit Philosophen, Kulturwissenschaftlern und Biologen führten, ihre Werke präsentieren. Måns Wrange, letztjähriger 'Manifesta'-Teilnehmer aus Schweden, setzt sein Frankfurter Projekt fort, für das er den exakt passenden lebenden Menschen gesucht hat, der allen statistisch erfassten Kriterien des papierenen 'Durchschnittsbürgers' entspricht. Der Grieche Alexandros Psychoulis manipuliert den mächtigen Schnauz des Lokalmatadors Friedrich Nietzsche. Silke Rehberg, Bildhauerin aus Münster, vermählt in ihren Tonskulpturen Kunstbertriebsprominenz (Eduard Beaucamp, Franz-Joachim Verspohl) und exotische Kulturen. Und der Berliner Erik Schmidt sowie die Belgraderin Biljana Djurdjevic zeigen Werke, die sie als letztjährige Stipendiaten des Europäischen Atelierprogramms in Weimar erarbeitet hatten. Dessen inhaltliche Ausschreibung wies bereits thematisch auf die Ausstellung - ein weiterer Beweis dafür, dass in Weimar inzwischen sehr kooperativ gedacht wird!"