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Künstler der Austellung

kulisseweimar
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ERWIN KNEIHSL

Der Fotograf Erwin Kneihsl saugt mit seiner Kamera das "Böse", das "Billige" hastig auf. Er arbeitet wie ein Süchtiger: Material wird verheizt, er arbeitet mit fünf Händen, drei Augen und 8 Kameras, alles in Schwarz/ Weiß. Seine Kamera immer direkt auf den Menschen und das Menschliche haltend, wird er zum Dokumentarristen politischer und sozialer Zustände. So zum Beispiel in den schwarz-weißen, auf Leuchtkästen montierten Fotografiecollagen des Triptychons "Psychopathica Kamasutra" (Teil I "Mutti>Mutti, Mutti (Mutti spricht nicht mit mir)", Teil II "Die Macht", Teil III "Der Untergang").

TATJANA DOLL

Die Arbeiten der Malerin Tatjana Doll entstehen auf großen, sperrigen Leinwandformaten. Das Dargestellte ist von profaner Alltäglichkeit - zu sehen ist, nahezu in originaler Größe, entweder ein Baucontainer oder ein Lkw, ein Flugzeug, Aktenordner oder Regalreihen eines Supermarktes. Doch täuscht die Annäherung an die originale Größe Detailtreue bei der Wiedergabe des Gegenstandes nur vor. Der Herstellungsprozess, der in den Spuren einer meist zügigen Oberflächenbearbeitung sichtbar wird, zeugt deutlich vom Desinteresse an einem detailgetreuen Realismus. Die raue und großzügige Bearbeitung der Bildflächen sprechen eine urbane Sprache, die in den weiten Flächen oder den fensterlosen, rissigen und riesigen Hauswänden oder auch dem Anonymität und Oberflächlichkeit produzierenden Tempo einer Großstadt wie Berlin ihre Entsprechung findet. Gleichzeitig verweisen Perspektivfehler oder erkennbarer Herstellungsprozess auf die Bildhaftigkeit des Dargestellten. Und weiter auf die Autorität der handelnden Künstlerin, die dem Betrachter eine Interpretation und damit keine eins zu eins Projektion der von ihr beobachteten Umwelt liefert.

TINE FURLER

In ihren rau und Kompromisslos arrangierten Foto- und Materialcollagen, deren Rezepturen sie aus Mainstream-, Popkultur- und Modemagazinen sowie Pornoheften rekrutiert, setzt Furler sich mit der zwiespältigen Faszination und der Inszenierung männlicher Rollenmodels zwischen Sex und Gewalt auseinander. Dabei führt sie die affirmative Überhöhung des Sujets bis zum "dialektischen Umschlag"

SUSE WEBER

Suse Webers künstlerische Arbeit ist geprägt von der Umgangsweise mit biographisch-historischen Versatzstücken der Ostkultur. Die in Leipzig geborene Künstlerin spielt in ihren Materialinszenierungen, wie "Der Drache" von 1999, mit zentralen Phänomenen der politischen Kultur in der DDR. Der Titel benennt ein Fabelwesen, das sowohl mit Faszination als auch Erschrecken konnotiert ist. Auch ohne konkreten Hinweis auf die FDJ, geht es ihr in der Arbeit um die gleichzeitig Schrecken und Faszination bergende staatliche Massenorganisation der Jugendlichen in der DDR. Sie vermittelte sowohl eine Freiheit, Abenteuer, und Gemeinschaft als auch Disziplin, Gehorsam und Ideologiegläubigkeit. Der Drache als Metapher verleiht der Arbeit einen bildhaften Charakter. Durch die abstrakt-metaphorische Bildsprache dieser wie auch anderer Arbeiten schreibt Weber ihren Inszenierungen folkloristische und durch ihren Umgang mit den jeweiligen Materialien, ornamentale Aspekte ein. Sie verschafft sich so eine distanzierte Sichtweise, um ihre Beziehung zu bewusst gewählten zeitgeschichtlichen Ereignissen zu formulieren.

RENÉ LÜCK

Die Arbeiten des Skulpteurs Rene Lück bewegen sich an der Schnittstelle von kultureller Erinnerung und persönlicher Identität einer (West-)-Generation. Die Identifikation der um 1970 Geborenen und heute Dreißigjährigen transportierte sich über Leitmotive des damaligen Zeitgeistes, die von medialen Codes bestimmt waren: Tagesschau, AC/DC, "Die Waltons", "Bonanza", Pink Floyd oder Supertramp wurden am Fernseher ebenso mitverfolgt wie Petra Kelly und Gefolge, als sie gegen Pershing-Raketen und Atomkraftwerke demonstrierte. Lück zeigt diese Welt der späten 70er, frühen 80er Jahre, indem er einzelne Zeichen herauslöst und als Logos präsentiert. Mit modellhaften Nachbauten von AKW-Nein-Danke-Hüttendörfern, dem Walton-Haus oder der Hafenstraße in Hamburg, den kartographischen Umrissen der ehemaligen BRD als Holzrelief oder dem überdimensionierten AC/DC-Logo baut Lück weitere übriggebliebene Bilder dieser Zeit nach. Er selbst rettet sich über die zum Tragen kommenden Größenordnungen bis zum Beobachterposten im Hüttendorf oder wie Oskar und seine Blechtrommel: Unter die Tribüne.

OLIVIA BERKEMEYER

Olivia Berkemeyer variiert in ihren unterschiedlichen Werkkomplexen verschiedenste Themen. In ihren Objekten, Bildern und Rauminszenierungen greift sie mit Ironie Themen wie Gewalt, Voyeurismus, Heimatliebe oder die Uniformität der Images, die den Lifestyle ihrer Generation verkörpern sollen, auf. Dabei arbeitet sie gerne mit kühlem Material. Weißer Lackgrund, Neonlicht, Pailletten, Glitzerpulverschneelandschaft, schwarzer Riesenhelikopter und weißes Räumfahrzeug. Die Kontraste zwischen dargestelltem Sujet und dem verwendeten Material erzeugen trügerische Schönheit und direkte Bedrohung. Sie verwendet Symbole des industriellen Zeitalters und die urbane Semiotik aus Markenzeichen und Etiketten sowie Zeichen, die für Trivialität, Kitsch und sexuelle Klischees stehen und macht so ihre Arbeiten zu Reflektionsflächen für Funktionsweisen, Paradigmen und Codes der heutigen Popkultur.

OLIVER LANZ

Die künstlerische Arbeit von Oliver Lanz ist von dem Drang nach Bildforschung geprägt und gleicht einer Expedition in der Bilder und Collagen parallel zueinander entwickelt werden. Aus unterschiedlichen Medien wie Fernsehen und Zeitungen, Quellen wie islamische Ornamentik und Graffiti, werden mittels Zeichnung Grundmuster, Formen und Figuren entwickelt. Diese dienen als assoziative Speicher. Beim malen, wie auch beim formen mit farbigem Papier ergeben sich variationsreiche Kombinationsmöglichkeiten, welche wiederum zahlreiche unterschiedliche Wechselwirkungen hervorrufen. Neben abstrakt kodierten Beziehungen erscheinen schematische Figuren, die für den Betrachter zusätzliche Realitäten entstehen lassen und Phänomene in die Welt bringen, die vorher nicht da waren.

MICHAEL KALKI

Die Arbeiten von Michael Kalki entstehen immer in einer ähnlichen experimentellen Vorgehensweise. Auf einer Leinwand setzt er Acrylfarbe und Papiers Collés zu Collagen zusammen. Dabei kombiniert er expressive und gestische Malerei, bad painting, Zitate aus asiatischer Bildkunst oder Farbflächenmalerei. Die in diese malerische Bildoberfläche eingearbeiteten Papiers Collés sind zumeist am Computer bearbeitetes Photomaterial und Wandplakate aus der Werbung. Aufgrund dieser Collagetechnik spiegeln die großformatigen Leinwandarbeiten nicht nur die Auseinandersetzung mit traditionellen und modernen Bildvorstellung wieder. Sie bieten ihm gleichzeitig eine Reflexionsfläche für seine, durch Reisen gewonnenen Erfahrungen mit z.B. der asiatischen Kultur und seine Beschäftigung mit urbanen Lebensräumen. Das verwendete Photo- und Plakatmaterial wird aus seinem ursprünglichen Kontext herausgelöst. Es steht letztlich als Versatzstück für eine erlebte Alltagswelt, aber ist gleichzeitig, da kontextlos auf seinen grundlegenden Bedeutungsgehalt (Haus, Baum, Mensch) reduziert, Ausgangsmaterial für bildkompositorische Neuschöpfungen.

LIU ANPING

Der chinesische, heute in Berlin lebende Künstler Liu Anping, inszeniert Kunstaktionen. Hier attackiert er sein Publikum mit improvisierten Handlungen, bespritzt es mit roter Tinte, treibt es - laut und aggressiv - in die Ecke. Neben seinen Kunstaktionen installiert er Raumsituationen, wie "Wir kapitulieren nie". Hier arbeitet er mit Bauschutt, Alltagsgegenständen, mit an die Wände montierten großformatigen Zeichnungen, für die er schwarze Acrylfarbe verwendet. Die Räume stehen gleichberechtigt neben seinen Performanceauftritten. Thema und Attitüde, Unbeugsamkeit und Niederlage bleiben gleich. Variiert wird lediglich die Form. An die Stelle der improvisierten Handlungen treten der inszenierte Raum und die Zeichnung.

LEIF LIEBENSCHÜTZ

Leif Liebenschütz arbeitet als Transformer, als getarnter Künstler mittels sozialer Interventionen, Performances, neuer Musik, Multi-Media-Installationen, Videos, Seminaren und Vorträgen. In installativer Form verlebendigt er die uns allen bekannten Gegenstände unserer Großelterngeneration, die - ob nun in Holocaust-Ausstellungen oder in Geschichtsbuch-Illustrationen - permanent an Krieg und Verbrechen des Dritten Reichs erinnern. Mit einem Sound versehen, legen sie ihre Passivität ab, entwickeln ein Eigenleben, lassen sich als Vehikel zur steten Vergegenwärtigung nicht mehr fremd bestimmen. 1997 gründete Liebenschütz mit Janine Rostron die Kulturproduktionsgruppe "Inhabit", die Projekte wie "Living Workstation" (1998) und "Trans-Culture-Flat" (1999) initiierte.