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Tanja Langer, Berlin: Der Morphinist oder Die Barbarin bin ich

plus 2: Architecture of Mind - Transfer

Vortrags- und Gesprächsreihe mit den an der jeweils aktuellen Ausstellung teilnehmenden Künstlerinnen und Künstlern, Wissenschaftlern und/oder kundigen Dilettanten (im besten Wortsinn).

Mittwoch,09.10.2002, 20:00 Uhr, ACC Galerie
Eintritt: frei!

Tanja Langer liest aus ihrem heißumstrittenen Roman Der Morphinist oder Die Barbarin bin ich, in dem es nicht nur um den Vordenker und ersten Propagandisten der Nazis, den Hitlerfreund Dietrich Eckart, geht, sondern auch um die Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Lebensgeschichte, der ihrer Eltern und Großeltern.

Tanja Langer schrieb für das Buch Architecture of mind - Transfer zur gleichnamigen ACC-Ausstellung den Text Die Brücke.

Tanja Langer ist Schriftstellerin (*1962, Wiesbaden). Sie lebt in Berlin. Sie studierte Politikwissenschaften, Philosophie und Komparatisitk in Paris, München und Berlin. Nach dem Studium war sie als freie Journalistin tätig. Sie hat zahlreiche Erzählungen in Anthologien veröffentlicht. Sie publiziert Essays, Rezensionen und Porträts in Zeitungen und Magazinen. Sie hat 1 Hörspiel verfasst, 2 Theaterstücke geschrieben und 11 Stücke (eigene und fremde) inszeniert. Der Morphinist oder Die Barbarin bin ich , 2002 im Luchterhand Literaturverlag München erschienen, ist ihr zweiter Roman. Weitere Informationen unter www.tanjalanger.de

Der Morphinist oder Die Barbarin bin ich: "Tanja Langer hat in ihrer beeindruckend mutigen Prosa-Erkundung das Abgleiten eines Mannes aus bürgerlichem Haus in furchtbaren Haß und Wahn beschrieben, einen hochfahrenden Dichter, der Hitler in München gesellschaftsfähig gemacht hat und dem Hitler zum Dank den zweiten Teil von Mein Kampf widmete. Was hat Dietrich Eckart vom Liebhaber der Gedichte Heinrich Heines zu dem mörderischen Antisemiten werden lassen, der die Ideologie der Nazis maßgeblich beeinflußt hat? Die Erzählerin bekommt diesen Vordenker Hitlers nicht mehr aus dem Kopf, sie befragt sich, ihre Eltern, die Geschichte, wie sich dieses Denken gegen alle Menschlichkeit hat durchsetzen können und am Ende vielleicht auch heute wieder an schrecklicher Kraft gewinnen kann. Wer ist Dietrich Eckart, der 1923 am Obersalzberg wenige Tage nach dem Marsch auf die Feldherrnhalle in München starb. Ihn, den Vordenker und ersten Propagandisten der Nazis, bekommt die Erzählerin nicht aus dem Kopf. Sie muss der Frage folgen, weswegen dieser verdrehte Geist sich jenen mörderischen Antisemitismus, der im Völkermord endete, ausgedacht hat. Zunächst sammelt sie biographisches Material. Eckarts Vater war ein angesehener Justitiar in der oberpfälzer Kleinstadt Neumarkt. Nichts sprach dagegen, dass Eckart auch Jurist werden würde. Doch er wollte Dichter werden, und er war von Anfang an gefährdet. Früh war er bereits dem Alkohol, später dann dem Morphium verfallen.Zurück geht die Erzählerin auch in ihrer eigenen Lebensgeschichte, schreibt Porträts ihres Großvaters und ihrer Eltern, die mit Eckarts Gedankengut groß geworden sind. Sie läßt Eckarts Gegner zu Wort kommen, nistet sich in dessen Kopf ein und versucht zu verstehen, weshalb er sich als Opfer mißgünstiger jüdischer Kritiker im zynischen Berlin sah."